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»Die dritte Liga ist eine Insolvenzliga«

Mit Rettungsmaßnahmen versucht der Deutsche Fußball-Bund sein einstiges Prestigeobjekt wieder zu stärken

  • Von Tobias Bach, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.

Benefizspiele, Spendenaufrufe und Fanaktionen gegen die Schuldenberge: So sieht der Überlebenskampf auf der »Intensivstation« 3. Liga aus. Vor zehn Jahren noch als neues Prestigeobjekt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gestartet, ist die Klasse nach etlichen Insolvenzanträgen nur noch eine Kostenfalle. Die schwarze Null scheint für viele Vereine kaum realisierbar. Der DFB greift vor dem Saisonstart an diesem Freitag zu Rettungsmaßnahmen und versucht mit einem neuen Medienrechtevertrag dem »Patienten« wieder auf die Beine zu helfen.

»Beim Übergang von der zweiten Liga in die dritte Liga kommt man nicht nur ins Fegefeuer, da kommt man in die Hölle«, sagt Engelbert Kupka, langjähriger Präsident der SpVgg. Unterhaching: »Ich schätze, dass mindestens die Hälfte der Drittligavereine entlang der Grenze zur Insolvenz schrammen. Die dritte Liga ist eine Insolvenzliga.« In der abgelaufenen Saison erwischte es Drittliga-Urgestein FC Rot-Weiß Erfurt und den Chemnitzer FC, die nach jeweils neun Punkten Abzug absteigen mussten. Im Jahr zuvor meldeten der VfR Aalen und der heutige Viertligist FSV Frankfurt Insolvenz an.

Die Vereine leiden unter dem niedrigen Fernsehgeld, hohen Reise- und Planungskosten sowie teuren Stadionmieten. Der FC Carl Zeiss Jena verkaufte 2009 notgedrungen seine Rasenheizung. Der Hallesche FC veranstaltete im vergangenen Februar ein Schnitzel-Essen für die Fans, um an Geld zu kommen. Rekordmeister Bayern München ist Stammgast bei Benefizspielen.

»Die dritte Liga hat man geschaffen wie ein Kind, um dessen Alimente man sich heute drückt«, kritisiert Kupka. Der 79-Jährige fordert einen einheitlichen Geldtopf der ersten drei Ligen oder eine höhere Beteiligung der 3. Liga an den Einnahmen aus dem DFB-Pokal. Kupka übt zudem Kritik an Verbandspräsident Reinhard Grindel und Vizepräsident Rainer Koch. »Grindel und auch Koch sind wie ein Schilfgras im Wind. Sie biegen sich hin und her sobald es um ihr Amt geht. Das ganze Management ist in keiner Weise professionell«, sagte Kupka.

Der DFB ist um Besserung bemüht. Ab der neuen Spielzeit tritt der höher dotierte Medienrechtevertrag in Kraft, in dessen Rahmen die Telekom, wie schon in der vergangenen Spielzeit, bis zum Sommer 2022 alle 380 Partien jeder Saison im Bezahlfernsehen überträgt. Im Zuge dessen finden regelmäßig Montagsspiele (19.00 Uhr) statt und es wird am Sonntag eine zusätzliche Anstoßzeit (13.00 Uhr) geben.

Darüber hinaus wird mit einem einheitlichen Adidas-Ball gespielt. Durch diese neuen Deals steigen die finanziellen Zuwendungen des Deutschen Fußball-Bundes für die Drittligisten gegenüber der vergangenen Saison um 37 Prozent. Trotzdem: In der kommenden Saison erhält jeder Drittligist lediglich rund 1,2 Millionen Euro - die Zweitligisten alleine durch das Fernsehgeld dem Verteilungsschlüssel entsprechend sechs bis 17 Millionen Euro.

»Mit der Telekom, dem Liga-Hauptpartner bwin, adidas und EA Sports hat die dritte Liga zuletzt starke Partner gewonnen. Diesen Prozess wollen wir in enger Zusammenarbeit mit den Vereinen fortsetzen«, sagte Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung. In den nächsten beiden Spielzeiten wird es durch die Regionalligareform vier Absteiger in die Viertklassigkeit geben. Der wirtschaftliche Druck wird auch dadurch größer. SID/nd

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