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Recycling mit Hindernissen

Der Mülltrennungsweltmeister hat noch Reserven bei der Rückgewinnung von Rohstoffen

  • Von Susanne Aigner
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Recyclingquoten verschiedener Rohstoffe unterscheiden sich laut der aktuellen Meldung vom Umweltbundesamt (UBA) relativ stark. Für Glas etwa liegt sie bei 85,5 Prozent, für Papier/Karton bei 88,7 Prozent, für Stahl sogar bei 92,1 Prozent. Bei Kunststoffen, die einen großen Anteil des Verpackungsmülls ausmachen liegt die Quote jedoch nur bei knapp 50 Prozent. Hier sieht das UBA noch viel Potenzial - was allerdings nicht so einfach zu nutzen ist.

Der Gelbe Sack, erfunden Mitte der 1990er Jahre, war eigentlich nur für Kunststoffverpackungen vorgesehen. Ob Spielzeug oder Kleiderbügel - inzwischen wird jedoch heute alles hineingestopft, was irgendwie nach Plastik aussieht.

Tatsächlich wiederverwertet wird nur etwa die Hälfte seines Inhaltes: Die entsprechenden Anlagen sortieren nach Weißblech, Aluminium, Kunststoff und Verbundverpackungen. Metallhaltige Abfälle werden zu Alubarren und Stahl umgewandelt. Etwas anders verhält es sich bei mehrschichtigen Verpackungen - wie bei Getränkekartons - aus Papier, Kunststoff und Aluminium: Ihnen sind zusätzliche Farbstoffe, Weichmacher oder Stabilisatoren beigemengt, wodurch sich die Einsatzmöglichkeiten in neuen Produkten erheblich vermindert. Das Umweltbundesamt wies aktuell auf einen weiteren, auch rohstoffpolitisch interessanten Inhaltsstoff von Verpackungen hin, die neodymhaltigen Magnete. Sie seien immer häufiger als Verschlüsse von Schachteln zu finden. Neodym gehört zu den seltenen Erden und wird als kritische Ressource eingestuft. Im Jahr 2017 sind in Deutschland etwa 4,5 Tonnen neodymhaltige Magnete als Verpackungsabfall angefallen, davon sind rund 1,5 Tonnen reines Neodym. Bisher werde keine Rückgewinnung von Neodym aus Verpackungen durchgeführt, das seltene Metall ende in der Eisenschrott-Fraktion und gehe verloren.

Verpackungen aus einheitlichen Stoffen sind besser zu recyceln, allerdings auch nur zu minderwertigeren Produkten: So wird aus alter Folie keine neue, sondern sie wird zu Mülltonnen oder Paletten verarbeitet. Dennoch ist das Trennen von Verpackungsmüll sinnvoll, denn nur so werden Energie und Rohstoffe eingespart.

Seit Jahren geht der Trend in den Supermärkten hin zu immer kleineren Verpackungen. Inzwischen haben deutsche Konsumenten genug vom Verpackungsmüll. Dies zeigt zumindest eine Umfrage der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) vom Februar 2018, für die eintausend Menschen befragt wurden: 95 Prozent wollen den Verpackungsmaterial beim Einkaufen auf ein Minimum reduzieren. Fast ebenso viele finden, dass bei vielen Produkten auch weniger Verpackung ausreichen würde. Neun von zehn Befragten würden nachhaltige Verpackungen nutzen, wenn sie nicht mehr kosten. Ein Fünftel wäre bereit, mehr Geld hierfür auszugeben. Ebenso viele wollen beim Auspacken keinen Plastikmüll mehr. Und 90 Prozent bevorzugen - vor allem bei Getränken oder Joghurt - Mehrwegverpackungen.

Zu der Frage, wer für den Verpackungsmüll verantwortlich sei, verwiesen 45 Prozent der Befragten auf die Hersteller. 22 Prozent hielten den Handel, 18 Prozent den Gesetzgeber für zuständig. Nur 15 Prozent sahen sich selber in der Pflicht. In diesem Punkt könnten Verbraucher eventuell durch Nachfrage einiges bewirken, indem sie beim Einkaufen mehr zu Unverpackten greifen. So hat ein Zehntel der Befragten schon Produkte ohne Verpackungen eingekauft oder tut dies regelmäßig.

Vier von zehn der Befragten haben beim Einkaufen Probleme zu erkennen, ob sie eine Einweg- oder Mehrwegverpackung in den Händen halten. Drei Viertel befürworten bei Verpackungen auch im Online-Versand ein Mehrwegsystem.

Neben dem Naturschutzbund Deutschland NABU fordern auch andere Umweltverbände ein Wertstoffgesetz, das mehr auf Recycling und Mehrwegverpackungen setzt. Insbesondere Einwegpfand auf Getränke- verpackungen soll der achtlosen Entsorgung entgegenwirken.

Ab 2019 tritt nun das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Dann muss zumindest das Kunststoffrecycling der Verpackungen weiter gesteigert werden, die im dualen System anfallen. Zunächst liegt die Quote bei 58,5 Prozent, ab 2022 bei 63 Prozent. Dies betrifft alle Verpackungen, mit denen sich Hersteller bei dualen Systemen beteiligen müssen und die über die Wertstoffsammlungen (Glas-, Papiersammlung, Gelber Sack, Gelbe Tonne, Wertstofftonne und Wertstoffhöfe) entsorgt werden. Mit Agenturen

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