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Ein Segen für Schwule

Die evangelische Kirche ändert ihre Haltung gegenüber Homosexuellen. Es gibt aber weiterhin Homophobie. Von Max Zeising

  • Von Max Zeising
  • Lesedauer: 3 Min.

Als Jens Ullrich seine Homosexualität vor zwei Jahren öffentlich machte, war kein Halten mehr. Umgehend reagierten die Gemeinden im Kirchenbezirk Aue, wo der 54-Jährige als Jugendwart angestellt war. Ullrich sah sich massiven Anfeindungen und Diskriminierungen ausgesetzt, einige Gemeinden untersagten ihm die Arbeit mit den Jugendlichen und sprachen sogar ein Predigtverbot aus. Auch Gespräche mit Landesbischof Carsten Rentzing brachten keinen Erfolg. Also sah sich Ullrich gezwungen, Konsequenzen zu ziehen. Anfang Mai verließ er die sächsische Landeskirche.

Fälle wie diese treten zwar nur vereinzelt auf, doch sie zeigen, dass Homophobie in christlichen Kreisen nach wie vor existiert. Insbesondere evangelikale Christen vertreten die Ansicht, Homosexuelle hätten keinen Platz in der Schöpfungsordnung Gottes, weil dieser die Menschen als Mann und Frau geschaffen habe. Solche politisch und theologisch sehr konservativen Christen finden sich zum Teil in Landeskirchen, zum Teil in Freikirchen, etwa ein bis drei Prozent der Deutschen gehören dazu. Besonders stark ist die Bewegung in Baden-Württemberg, aber auch in Sachsen - trotz antireligiöser Propaganda in der DDR.

Viele Evangelikale nehmen die Bibel wörtlich und sind deshalb gegen Homosexualität, Sex vor der Ehe, Abtreibung und sexuelle Aufklärung - genannt »Frühsexualisierung«, aber auch gegen sogenannte Islamisierung und »kulturelle Überfremdung«. Man sieht: Es gibt viele Schnittmengen zur politischen Rechten, auch zur AfD. Wenig überraschend treten AfD-Abgeordnete wie Beatrix von Storch deshalb häufig auch als engagierte Christen in Erscheinung. Auch bei der »Demo für alle« und dem »Marsch für das Leben« marschieren Christen neben AfD-Politikern.

Innerhalb der Landeskirchen haben es Evangelikale aber zunehmend schwerer. In vielen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) dürfen sich homosexuelle Christen mittlerweile segnen lassen. Die sächsische Landeskirche, die Homosexuellen lange die Segnung verwehrt hatte, erklärte im Oktober 2016, dass Segnungen nun auch im Gottesdienst möglich seien, wenn sich Pfarrer dazu bereit erklärten. In den Landeskirchen Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Rheinland und Baden dürfen sich Homosexuelle auch trauen lassen. Nur im Württembergischen sind bis heute nicht einmal Segnungen möglich, dort findet nur eine seelsorgerliche Begleitung statt.

Die »Ex-Gay-Bewegung«, die Therapien zur Konversation von Homosexuellen durchführt oder zumindest unterstützt, ist in Deutschland vergleichsweise klein. Sie ist vor allem in den USA verbreitet, wo Evangelikale noch weitaus größeren Einfluss haben. Als deutsche Organisationen bekannt sind »Wüstenstrom« sowie die »Offensive junger Christen«, die Mitglied im Diakonischen Werk der EKD ist und als solches wiederum Einfluss auf die Landeskirchen ausübt.

Bis heute sind Konversationstherapien in Deutschland erlaubt. Um ein Verbot zu erwirken, hatten die Grünen bereits 2013 eine entsprechende Gesetzesinitiative vorgelegt, was zu massiven Protesten aus dem Lager der Evangelikalen führte. Immerhin: Im März 2018 stimmte das EU-Parlament mit breiter Mehrheit einem Antrag zu, in dem Versuche der »Heilung« von Homosexualität verurteilt werden. Deutschland bleibt aber weiterhin tatenlos: Auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion antwortete die Bundesregierung erwartungsgemäß und bestätigte ihre bisherige Haltung zu Konversationstherapien: Ein Verbot ist nicht geplant.

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