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Wenn der Kaffee nicht zu den Schiffen kommt

Nicaraguas Wirtschaft leidet bereits massiv auf Grund der politischen Spannungen im Land

  • Von Knut Henkel
  • Lesedauer: 3 Min.

Anfang April waren die Wirtschaftsprognosen in Nicaragua noch ausgesprochen positiv. Zwischen 2010 und 2017 sei die Wirtschaft um durchschnittlich 5,2 Prozent gewachsen, meldete die Nationalbank. Dann kamen die Proteste und mit den Straßenblockaden droht die Wirtschaft in die Knie zu gehen. Der Tourismus ist stark rückläufig und auch die Kaffeeproduzenten haben Probleme ihre Bohnen außer Landes zu bringen. Doch auch der Transit durch Nicaragua ist betroffen, was sich in der ganzen Region auswirkt.

Ende Juni sah sich Ovidio Reyes, Präsident der Nationalbank Nicaraguas, gezwungen die Prognosen zu korrigieren. Statt den optimistischen drei bis 3,5 Prozent Wachstum, die Reyes noch Ende Mai prognostiziert hatte, korrigierte er die Wachstumserwartung der Bank auf rund ein Prozent - wenn es zu einer schnellen Verhandlungslösung komme. Danach sieht es aber nicht aus, das Gegenteil schient der Fall zu sein und die private nicaraguanische Stiftung für Entwicklung (Funides) geht mittlerweile davon aus, dass die Wirtschaft des mittelamerikanischen Landes nicht wachsen, sondern stagnieren wird.

Ein Grund dafür sind die Blockaden vieler Straßen. Die Regierung gab an, dass 70 Prozent der Straßen in zehn der fünfzehn Departamentos, Verwaltungsbezirke, des Landes, blockiert werden. Das hat massive Auswirkungen auf die Warenströme. An vielen Barrikaden dürfen nur Lebensmittel und Medikamente passieren. Viele Lkw hängen fest, entweder innerhalb des Landes oder an den Grenzen. Das führt dazu, dass in den Kaffeeregionen des Landes kaum mehr Container zur Verfügung stehen, um die aromatischen Bohnen zu verladen und zu den Häfen zu transportieren. »Das war bereits im Juni ein massives Problem für die Kooperativen, mit denen wir zusammenarbeiten«, so Magnus Kersting vom Hamburger Kaffeeverein El Rojito. Während seiner Anwesenheit in Nicaragua hat sich die Situation weiter verschärft.

Schwer getroffen von der politischen Krise ist auch der Tourismus. Auslastungsquoten von 20 Prozent und weniger melden Hotels in León und Granada, den beiden wichtigsten Touristenzielen des Landes. Rund 100 000 Menschen arbeiten im Tourismussektor Nicaraguas, das 2017 rund 1,5 Millionen Besucher vor allem aus den USA und Zentralamerika hatte. Sie spülten mehr als 800 Millionen US-Dollar in die Kassen und bisher summieren sich die Ausfälle auf mindestens 300 Millionen US-Dollar.

Insgesamt kalkulieren Wirtschaftsverbände mit rund einer Milliarde US-Dollar an Verlusten im Handel, Tourismus, auf dem Bau sowie in der Landwirtschaft. Allerdings steigen von Tag zu Tag diese Zahlen, obwohl die Regierung nach außen ein Bild der Normalität aufrechtzuerhalten versucht.

Bis zum Mittag sind die Schulen genauso offen wie die lokale Verwaltung, so Eylin Somarriba. Die Anwältin hat León die Anfang Juli León verlassen, weil es immer gefährlicher wurde. »Ab 14 Uhr machen die Paramilitärs die Straßen unsicher. Für die kleinen Läden und Unternehmen ist dies genauso wie für die Bevölkerung eine schwierige Situation«, so Somarriba. Sie glaubt allerdings nicht, dass die Wirtschaftskrise der Regierung viel anhaben kann. »Ökonomen wie Mario Arana haben plausibel erklärt, dass eher die kleinen Unternehmen getroffen werden. Die Regierung verfügt über die Reserven der Nationalbank und auf die Mittel und Kredite, die für Entwicklungsprojekte zur Verfügung gestellt wurden«, sagt sie.

Das passt zur Haltung der Regierung Ortega, die Neuwahlen ablehnt und immer härter gegen die Proteste vorgeht. Die »Operación Limpieza«, welche gegen Straßenblockaden in Jinotepe, Siriamba und Matagalpa durchgeführt wurde, kostete letzten Montag laut der Menschenrechtsorganisation Cenidh 38 Menschen das Leben. Die wirtschaftliche Talfahrt dürfte also weiter gehen.

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