Werbung

Ein Waliser auf den Champs Élysées

Geraint Thomas gewinnt die diesjährige Tour de France

  • Von Tom Mustroph, Paris
  • Lesedauer: 4 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Rad-Karriere des Geraint Thomas begann mit einem Missverständnis. »Er wollte eigentlich zum Schwimmen. Ich hatte aber Dienst, und zum Glück hatten wir ein Rad in seiner Größe da. Er machte seine Sache gut und begann so mit dem Radsport«, erinnerte sich Debbie Wharton vom Maindy Flyers Youth Cycling Club. Wharton war erste Trainerin von Thomas. Laut ihrer Aussage dauerte es aber einige Jahre, bis ihr Schützling vom Kind, das gerne Rad fuhr, zum Talent reifte. Mit 14 machte er Fachleute auf sich aufmerksam, als er bei den U16-Meisterschaften die älteren Burschen abhängte und nationaler Champion wurde.

Schnell kam er ins britische Bahnprogramm - Internat in Manchester, Wohngenossen unter anderem Mark Cavendish und Ed Clancy. Doppelter Weltmeister im Madison, und späterer Straßen-Spitzenfahrer der eine, gleich dreifacher Olympiasieger auf der Bahn der andere. Thomas hielt gut mit, wurde gemeinsam mit Clancy zwei Mal Olympiasieger in der Mannschaftsverfolgung, 2008 - da noch mit Bradley Wiggins - und 2012.

2012 war auch ein Schicksalsjahr in Thomas’ Karriere. Während der zwei Jahre zuvor gegründete Rennstall Sky alles daran setzte, erstmals die Tour de France mit einem britischen Sportler zu gewinnen, erhörte Thomas noch einmal die nationalen Sirenen, die ihn auf die Bahn riefen. »Wenn das nicht gewesen wäre, wenn er 2011 und 2012 nicht fast ausschließlich der Bahn gewidmet hätte, wäre sein Stern als Straßenfahrer schon viel früher aufgegangen«, meinte Rod Ellingworth, Coach bei British Cycling und bei Team Sky, gegenüber dem »nd«.

Sky fuhr damals eine Doppelstrategie. Das Team ging das Unternehmen Toursieg an, und bot andererseits zahlreichen Straßenfahrern im Rennstall auch Auszeiten für das Bahntraining an. Eine Strategie, die aufging. Und die auch jenseits der Britischen Inseln Sinn machen würde. »Bahnausdauersportler legen im Training viele Kilometer auf der Straße zurück, hinzu kommt bei ihnen das spezifische Bahntraining, das intensiver ist und auch mehr die allgemeine körperliche Fitness beachtet«, meint Rolf Aldag, der selbst mit einigen Absolventen des britischen Bahnprogramm wie Cavendish, Steve Cummings und Ian Stannard zusammengearbeitet hat, zu »nd«. Die Briten setzen es nur konsequenter um. »Unsere methodische Herangehensweise ist auf der Straße und auf der Bahn die gleiche. Das mag ein Schlüssel zu den Erfolgen sein«, meint Ellingworth.

Nur ein braver Zögling im Sportlerinternat war Thomas aber auch nicht. Britischen Medien erzählte er zu Beginn seiner Straßenkarriere, wie er beim Champions League-Finale 2005 zwischen dem FC Liverpool und dem AC Mailand mal ausbüxte. »Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es bis zum Elfmeterschießen kommen würde. Wir kamen später zurück als erwartet und hatten auch mehr Alkohol intus als geplant. Unser Coach Rod Ellingworth fand das heraus. Die Strafe war, dass ich beim Five Valleys Rennen in Südwales nicht dabei sein durfte, es war mein Heimatrennen. Stattdessen mussten wir ein Sechs-Stunden-Training mit den Profis machen, mit Wiggins und Cummings.« Die beiden älteren Profis legten dabei so ein Tempo vor, dass es Thomas noch heute graust, wenn er an diese Bestrafung denkt.

Sein Klettertalent entdeckte er 2006, als er als Lehrling von Saunier Duval viel in der Toskana trainierte. Beim südafrikanischen Team Barloworld fuhr er im Jahr darauf seine erste Tour de France - 21 Jahre alt und damals Jüngster des Pelotons. Mit dem Teamkollegen Chris Froome wechselte er dann zu Sky - und sorgte mit einem starken zweiten Platz auf der Roubaix-Etappe hinter Thor Hushovd für den einzigen Lichtblick einer ansonsten ziemlich verkorksten Tourpremiere des aktuellen Dominanzrennstalls.

Die folgenden Jahre ging er mit Ausflügen auf die Bahn und in die Klassikersaison - Top 10-Resultate bei Paris-Roubaix und der Flandernrundfahrt 2014 - den starken Rundfahrern im Team aus den Weg. Er nutzte dann seine Chance, als Boss Froome mit seinem Mammutprogramm aus vier Grand Tours hintereinander geschwächt war - und wohl auch nervlich der Salbutamol-Affäre Tribut zollen musste. Toursieger ist jetzt Thomas. Und der ist in Wales bereits populärer als Gareth Bale. Der war mit ihm gemeinsam auf der Whitchurch High School in Cardiff, zehn Radminuten vom Maindy Flyers Youth Cycling Club entfernt, da, wo alles begann.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen