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Der Schmierstoff aller Niedertracht

Die Serie »Succession« um eine New Yorker Mediendynastie zeigt die Macht als Todfeind aller

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Das Überleben der Menschheit ist zurzeit an vielen Fronten gefährdet. Und nein, Herr Seehofer: Flüchtlinge sind nur Folge, selten Ursache dessen, was uns im Ganzen bedroht. Klimawandel, Nationalismus, Überbevölkerung - das sind die steilen Abgründe, an denen wir stehen. Wobei sich letzteres durchaus von allein regeln könnte; zumindest, falls alle Familien ungefähr so wären wie die von Logan Roy in der glasstählernen Betonwüste Manhattan.

Die Figuren der fiktionalen Fernsehdynastie sind nämlich wie etliche Figuren von Fernsehdynastien seit »Denver« und »Dallas« derart angefüllt mit gegenseitiger Verachtung füreinander und den Rest der Welt, dass sich irgendwann kaum noch jemand von ihnen fortpflanzen dürfte. Bis dahin aber zeigt der Zehnteiler »Succession«, ab Montag auf Sky, mit einer beispiellosen Präzision, wie Macht den Menschen so radikal entmenschlicht, dass selbst die Liebsten einander Todfeinde werden.

Anders als bei den Ewings, den Carringtons, den Spauldings oder Briggs ist der Schmierstoff aller Niedertracht hier jedoch nicht das Öl, sondern die abstiegsbedrohten Unterhaltungsmedien der analogen Ära: Zeitungen, Fernsehen, eher 20. als 22. Jahrhundert.

Weil der Firmenpatriarch Logan Roy - hinreißend statusstolz gespielt vom Shakespeare-Darsteller Brian Cox - die Zeichen des digitalen Zeitalters nicht erkennt, sitzt ihm nicht nur die Internetkonkurrenz im Nacken; auch die eigene Verwandtschaft sägt am Thron des alternden Königs. Namentlich: seine vier Kinder. Der ehrgeizige, aber fragile Kendall (Jeremy Strong), die freimütige, aber durchtriebene Shiv (Sarah Snook), der gierige, aber sprunghafte Roman (Kieran Culkin) und der redliche, aber undurchsichtige Connor (Alan Ruck) - sie alle sind sich allerdings seit langem auch gegenseitig in liebevoller Verachtung zugetan.

Der Stellungskrieg um den global erfolgreichen Entertainmentkonzern Waystar Royco gerät allerdings erst zur offenen Schlacht, als Logan Roy am 80. Geburtstag einen Schlaganfall erleidet. Noch am Krankenbett wird eifrig das Fell des Bären verteilt. »Succession« ist etymologisch betrachtet schließlich nicht nur die Mischung aus Erfolg (success) und Besessenheit (obsession), sondern ein anderes Wort für Erbfolge. Und in der möchte man trotz aller Verlockungen wie grenzenlose Mittel und Möglichkeiten fürwahr nicht stecken.

Showrunner Jesse Armstrong schafft es nämlich verstörend realistisch, das mittelalterliche Gemetzel von »Game of Thrones« so passgenau auf die vermeintlich zivilisierte Gegenwart zu übertragen, dass die Macht darin zur Ohnmacht wird, also alles andere als erstrebenswert. Seine fünf Regisseure lassen dabei keine Gelegenheit aus, die einflussreichen Subjekte der Shareholder-Economy als Spielbälle ihrer eigenen Überheblichkeit zu zeichnen, für die selbst arme Schlucker nur Mitleid übrig haben.

Hier ein Augenrollen der Dienstboten, wenn ihr herrischer Chef die Contenance verlässt, dort ein Seitenblick des Portiers, falls sich die oberen Zehntausend mal wieder vor lauter Größenwahn klein machen. Ohne die habituelle Selbstverzwergung voyeuristisch auszuschlachten, sind besonders die scheinbar beiläufigen Reaktionen der Werktätigen auf die Ränkespiele des Jet Sets von entwaffnender Brillanz. Ganz nebenbei erfüllt die Serie noch eine Mission, die gerade im Zeitalter der wachsenden Einkommensunterschiede wichtig ist: Sie ist, in Form von blendender, tiefgründig wuchtiger Unterhaltung, ein Abgesang auf die Klassengesellschaft frühkapitalistischer Prägung.

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