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#GutePflege

Das Bundesgesundheitsministerium hofft, mit einer Imagekampagne mehr Leute in die Pflege zu locken

  • Von Alina Leimbach
  • Lesedauer: 4 Min.

Das Gesundheitsministerium hat das Thema Pflege für sich entdeckt. Neben Sofortprogramm, konzertierten Aktionen und allerlei Arbeitsgruppen will der zuständige Minister Jens Spahn (CDU) nun auch eines in Angriff nehmen: das Image der Pflege. Unter dem Hashtag GutePflege rief das Ministerium vor einigen Tagen Pfleger*innen auf Social-Media dazu auf, ihre schönsten Erfahrungen zu dem Thema zu posten.

Ziel der Aktion sei es »vor allem, Jugendlichen und Berufsanfängern den Pflegeberuf als attraktive Option für ihre berufliche Orientierung näher zu bringen«, schriebt das Bundesgesundheitsministerium in der Pressemitteilung. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene orientierten sich bei ihren Entscheidungen an den Altersgenossen, deren Erfahrungen. Um die User zum Mitmachen zu animieren, wird sogar ein Gewinn in Aussicht gestellt. Nämlich ein Treffen in Berlin mit dem Gesundheitsminister Spahn höchstpersönlich. Bei diesem Treffen soll es allerdings, glaubt man der Mitteilung, ebenfalls vor allem darum gehen, »positive Erfahrungen in ihrem Berufsalltag« mit Spahn auszutauschen.

Die Reaktionen in den sozialen Netzen fallen angesichts dieser Aktion höhnisch bis entsetzt aus aus. Eine Pflegerin schreibt: »Ab Mittwoch beginnt für mich eine 12-Tage-Schicht, unterbrochen von einem freien Wochenende, um dann direkt wieder in eine 12-Tage-Schicht überzugehen. gutepflege«. Andere fragen sich, warum man erst mit der tollsten Pflegegeschichte ein Treffen mit dem Gesundheitsminister gewinnen kann und er nicht anlasslos einmal mehr auf Pflegekräfte zugehe. Ein Twitter-Nutzer, mit dem Namen »Pflegeinfo24« kommentiert: »Die Politik soll erst einmal liefern, dann kann man über Werbung sprechen.«

Die Imagekampagne ist Teil einer größeren Anstrengung des Gesundheitsministers Jens Spahn die angespannte Lage in der Pflege zu verbessern. Zentraler Punkt dabei ist es, neue Pflegekräfte zu gewinnen. Derzeit sind in Deutschland laut Angaben der Arbeitsagentur für Arbeit rund 38 000 Stellen in der Pflege unbesetzt.

Am Mittwoch soll dem Kabinett dazu das entsprechende Pflegekräfte-Stärkungsgesetz vorgelegt werden. Geplant sind dafür laut AFP unter anderem ein verbindlicher Personalschlüssel für Krankenhäuser. Wenn sich die Stationen nicht daran halten, würde ihnen im schlimmsteten Fall Honorarkürzungen drohen. Zusätzlich sollen durch eine neue Berechnung der Personalschlüssel rund 13 000 neue Stellen in der Altenpflege geschaffen werden.

Die pflegepolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen, Kordula Schulz-Asche, sagte dem »nd«: »Die GutePflege-Kampagne des Bundesgesundheitsministers entwickelt sich immer mehr zum PR-Desaster. Ein Sturm der Entrüstung ist entfacht: Pflegefachkräfte zeichnen in den sozialen Medien ein ganz anderes Bild von Pflege, als es Spahn wohl lieb war.« Es brauche stattdessen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege. Darunter fielen eine faire Bezahlung, eine praktikable Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch »eine Personalausstattung, die sich am tatsächlichen Bedarf ausrichtet«.

Die pflegepolitische Sprecherin der LINKEN im Bundestag, Pia Zimmermann, kritisiert den Gesetzentwurf Spahns gegenüber dem »nd«: »Die Anzahl der versprochenen zusätzlichen Pflegekräfte reicht bei weitem nicht aus und selbst bei diesen weiß keiner, wie sie auf einem leer gefegten Arbeitsmarkt gefunden werden sollen.« Die Perspektive der Beschäftigten in dem Entwurf fehle derzeit noch völlig.

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband hatte zuvor in seiner Stellungnahme zum Referentenentwurf erklärt, dass es nicht nur 13 000 sondern »mittelfristig 100 000 zusätzliche Pflegekräfte« brauche, die nur mit einem Masterplan gewonnen werden können.

Doch auch dafür hat die Bundesregierung bereits Pläne geschmiedet. Um mehr Personal zu bekommen, sollen zusätzlich zum Sofortprogramm im Rahmen der »Konzertierten Aktion Pflege« Fachkräfte aus dem Ausland angeworben werden. Diese sollen sich nach ersten Aussagen von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bis zu einem halben Jahr in Deutschland aufhalten können, um einen Job zu suchen. Zuletzt machten allerdings immer wieder Abschiebungen von Flüchtlingen Schlagzeilen, die sich für eine Ausbildung als Pflegekraft entschieden hatten. Unter anderem die bayerische Diakonie hat einen Abschiebestopp für Flüchtlinge gefordert, die in der Pflege arbeiten. Es grenze an »Irrsinn«, motivierte ausgebildete Migranten des Landes zu verweisen, obwohl man mancherorts aus Personalmangel keine Pflegebedürftigen mehr aufnehmen könne, sagte Diakoniepräsident Michael Bammessel.

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