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Gefahr aus dem Küchenlappen

Niedersachsen: Lüneburger Verbraucherschützer prüfen Alltagsutensilien

  • Von Karen Miether, Lüneburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Helen Wolk holt eine Plastiktüte aus einem Kasten heraus - in dem Beutel badet ein Schwammtuch in einer Nährlösung. Im Institut für Bedarfsgegenstände in Lüneburg untersuchen die Mitarbeiter der Mikrobiologie gerade Lappen auf Keime, Hefen und Schimmelpilze. Lebensmittelkontrolleure haben die Lappen aus Eisdielen mitgebracht. Nach dem Löffeln der Eiskugeln wurde darauf der Portionierer abgelegt. Die Mischung in den Beuteln sieht trüb aus. »Insgesamt ist die Keimzahl hoch«, sagt Wolk. »Das weist darauf hin, dass die Hygiene nicht so toll war.«

Ob Wischtuch, Spielzeug, Schmuck, Backform, Reiniger oder Kosmetik - Gebrauchsgegenstände, die regelmäßig mit dem Körper oder Lebensmitteln in Kontakt kommen, sind ein Fall für die Lüneburger Lebensmittelchemiker und Laboranten. Als eines von sechs Instituten des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat sich das Institut für Bedarfsgegenstände damit in besonderer Weise spezialisiert. »Das ist so in Deutschland einmalig«, sagt Leiterin Astrid Rohrdanz. Manches - etwa Spielwaren - untersucht das Institut gleich für vier weitere norddeutsche Länder sowie Berlin und Brandenburg mit. So finden sich in den Labors auf drei Stockwerken Proben einer bunten Warenwelt: Von Jugendzeitschriften mit eingelegten Abzieh-Tattoos bis hin zu klassischen Sommerprodukten wie Sonnenmilch und Strandspielzeug, das Chemielaborantin Marlies Wyludda gerade prüft.

Wyludda gibt Sieb und Schäufelchen in ein Gerät, das an einen überdimensionalen Drucker erinnert. Durch Infrarotspektroskopie ermittelt es, welche Kunststoffe verarbeitet sind. »Außerdem prüfen wir die Schweiß- und Speichelechtheit«, sagt Wyludda. »Schließlich können Kinder die Teile in den Mund nehmen.« Gibt es Auffälligkeiten, wird das Spielzeug zerkleinert, um herauszufinden, ob es Schadstoffe wie Kadmium abgibt. Leitend seien dabei gesetzliche Vorgaben für den Gesundheitsschutz, erläutert Rohrdanz. »Wir machen keine hundertprozentige Analyse.«

Um zu überwachen, ob Grenzwerte eingehalten werden, ist Genauigkeit gefordert, etwa am Arbeitsplatz von Sebastian Rohmann und Walther Morisse. Sie untersuchen Modeschmuck. Weil die Verbraucher sensibel geworden seien, wenn dabei Nickel verarbeitet wird, setzten manche Hersteller auch Blei und Kadmium zu, sagt Rohmann. Das könne bedenklich für die Gesundheit sein und täusche etwas vor: »Nach dem Motto: Was viel wiegt, ist viel wert.«

Über eine Woche hinweg ermitteln die Laboranten, wie viele Schafstoffe aus dem Schmuck in bestimmte Flüssigkeiten übergehen. Um die richtige Mischung anzusetzen, müssen sie vermessen, wie groß die Oberfläche mit dem direkten Hautkontakt ist. »Es geht um tausendstel Gramm pro Quadratzentimeter«, erläutert Rohmann. »Einen Anhänger in Kamelform mit verschnörkeltem Muster zu berechnen, das ist der helle Wahnsinn.«

Die Proben bringen Kontrolleure von Herstellern aus dem Großhandel oder dem Einzelhandel mit. »Das läuft nach einem Zufallsprinzip«, sagt Institutsleiterin Rohrdanz. Was gerade dran ist, orientiere sich zudem an einer Risiko-Einschätzung: »Welche Produkte sind zuletzt auffällig geworden?« Die Ergebnisse gibt das Institut an die jeweiligen Überwachungsbehörden weiter.

»Im Ernstfall können wir hier Straftaten aufdecken«, sagt Rohrdanz. »Aber das habe ich so noch nicht erlebt.« Durch falsche Kennzeichnung aber würden Verbraucher zumindest in die Irre geführt. Zum Teil ist das auch bei vermeintlich umweltschonenden Produkten der Fall.

»Manchmal sind Menschen aber auch einfach nur blauäugig - zum Beispiel, was die Hygiene angeht«, berichtet Rohrdanz. Die Untersuchung der Lappen aus den Eisdielen könne deshalb auch bei Kontrolleuren und Betreibern das Problembewusstsein schärfen. Helen Wolk kennt diesen Aha-Effekt. Sie hat einmal einen Schwamm aus ihrer eigenen Küche im Institut untersucht: »Seitdem wasche und wechsle ich Lappen viel häufiger.« epd/nd

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