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Anlagegewinne auch ohne Kohle und Öl

Ausgerechnet globale Finanzkonzerne beschreiten inzwischen Wege, um die Erdüberlastung zu verringern

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Banken finanzieren Kohlestromkonzerne, Investmentfonds lassen den Handy-Rohstoff Tantal im korrupten Kongo fördern und Versicherer sichern den Kauf übergroßer Pkw ab, die unsere Städte verstopfen. Finanzdienstleister haben sich den Ruf verdient, maßgebliche Mitschuld an der Erdüberlastung zu tragen.

Es geht aber auch anders. Norwegen etwa begann in den 1990er Jahren damit, einen Teil der Gewinne aus der Ölförderung in einem Fonds anzulegen. Der »Statens pensjonsfond« gilt heute als der größte Staatsfonds weltweit und verwaltet ein Gesamtvermögen von rund 900 Milliarden Euro. Ging es den Machern zunächst nur um Rendite, begann die Politik in dem relativ umweltfreundlichen Land nach und nach den Wert der Nachhaltigkeit zu erkennen.

Mittlerweile sind die ethischen Kriterien des populär »Oljefondet« genannten Multis - er hat in 74 Ländern Kapital investiert - für einen so großen Akteur vorbildlich, meinen selbst linke und grüne Befürworter eines kapitalistischen Wandels. Den Ausstieg aus Kohleinvestitionen hat Norwegen schon vor Jahren eingeleitet. Seit 2017 trennt sich der Staatsfonds auch noch nach und nach von allen Öl-Aktien.

Der Ausstieg wird von Fonds-Boss Yngve Slyngstad durchaus auch ökonomisch, nämlich mit einer besseren Risikostreuung begründet. Doch es zeichnet sich ab, dass »Raus aus Öl und Gas« wohl zu einer Umleitung dieser Gelder in umweltverträglichere Investitionen führen wird. Dadurch nimmt der Staatsfonds zugleich mehr und mehr Einfluss auf großen Aktiengesellschaften in aller Welt.

Dem norwegischen Beispiel will nun auch Irland folgen. Nach kon- troversen Debatten beschloss das dortige Parlament, sich aus der Finanzierung fossiler Energien zurückzuziehen. Es verpflichtet den acht Milliarden Euro schweren Staatsfonds »Irish Strategic Investment Fund«, seine Investitionen in Kohle, Öl und Gas innerhalb der kommenden fünf Jahre aufzugeben. Das sogenannte Divestment betrifft laut dem Internetdienst Klimareporter° rund 300 Millionen Euro, die auf 150 Unternehmen weltweit verteilt sind.

Ein Trend, der sich - bei aller Widersprüchlichkeit - auch bei vielen privaten Finanzdienstleistern abzeichnet. So wirbt die Münchener Allianz-Versicherung damit, dass sie in ihrem Kerngeschäft »ökologisch und sozial noch verantwortungsbewusster« geworden sei: Klimaschutz und soziale Inklusion stünden fortan im Fokus. In Deutschland besetzte die Allianz innerhalb des Großkapitals schon früh eine »grüne« Führungsrolle.

Das zahlt sich durchaus aus: So führt der Konzern den renommierten »Dow Jones Sustainability Index« als Branchenbester an. Und zählt damit weltweit zu den nachhaltigsten Versicherern. »Eine starke Nachhaltigkeitsperformance gilt nicht nur bei Investoren als Beleg für Zukunftsfähigkeit«, heißt es aus der Allianz dazu. Auch Mitarbeiter wünschten sich einen engagierten Arbeitgeber, hat man in der Münchner Zentrale erkannt.

Zugleich, so die Allianz, entwickeln sich nachhaltige Finanzprodukte »zunehmend zum Wachstumsmarkt«. Das hängt auch damit zusammen, dass seriöse langfristige Vermögensplanung um Themen wie die deutsche Energiewende, den europäischen Emissionsrechtehandel oder die globale Erdüberlastung nicht mehr herumkommt.

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