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Earth Overshoot Day so früh wie nie

Der heutige Erdüberlastungstag schiebt sich seit den 1970er Jahren immer weiter nach vorn

  • Von Friederike Meier
  • Lesedauer: 4 Min.

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Zuerst die gute Nachricht: Noch immer liegt der so genannte Erdüberlastungstag in der zweiten Jahreshälfte. Der Earth Overshoot Day ist jener Tag, an dem die Menschheit sämtliche natürlichen und regenerierbaren Ressourcen verbraucht hat, die die Erde im Jahr zur Verfügung stellt. Die schlechte Nachricht aber ist: In diesem Jahr liegt er so früh wie nie.

Ab dem heutigen ersten August lebt die Menschheit also über ihre Verhältnisse. Berechnet wird das Datum von der US-Organisation Global Footprint Network, die dafür den sogenannten ökologischen Fußabdruck verwendet. Laut der Organisation bräuchte die Menschheit 1,7 Erden, um ihren Bedarf an Ressourcen zu decken und ihren Abfall zu entsorgen.

Dieser Fußabdruck wird berechnet, indem der Ressourcenverbrauch der Menschheit oder eines einzelnen Landes mit der Fläche verglichen wird, die dafür zur Verfügung steht. Darin geht ein, wie viele pflanzliche und tierische Lebensmittel oder Materialien wie Holz die Menschen benötigen. Auch Fläche, die den anfallenden Abfall aufnimmt, oder Wald, der ausgestoßenes Kohlendioxid aufnehmen kann, werden mit einberechnet.

Wenn die Erde nun einen ökologischen Fußabdruck hat, den die natürlichen Ressourcen nicht mehr ausgleichen können, entsteht ein Defizit. Und genau das ist bereits seit den 1970er Jahren der Fall. Seitdem schiebt sich der Erdüberlastungstag jedes Jahr ein bisschen weiter nach vorn. Lag er damals noch Ende Dezember - die Ressourcen der Erde hätten damals also noch fast für den Verbrauch der Menschen gereicht - findet er seitdem jedes Jahr ein bisschen früher statt. So früh wie 2018 war er aber noch nie. 2017 lag er noch auf dem 2. August, also einen Tag später.

Der am schnellsten wachsende Anteil des ökologischen Fußabdrucks ist der CO2-Ausstoß. »Der Carbon Footprint macht heute 60 Prozent des ganzen Fußabdrucks der Menschheit aus«, heißt es auf der Internetseite des Global Footprint Networks.

Auf Deutschland heruntergebrochen, ist der Anteil der Klimagase am Fußabdruck sogar noch größter: Er liegt bei 64 Prozent. »In Deutschland ist der CO2-Ausstoß das größte Problem«, sagt Julia Otten, Referentin für zukunftsfähiges Wirtschaften bei der Entwicklungsorganisation Germanwatch. »Das liegt vor allem an den Bereichen Strom, Wärme und Verkehr. Der Erdüberlastungstag ist ein weiteres Signal dafür, dass wir umsteuern müssen.«

Wenn man den Tag nur für Deutschland berechnet, liegt er viel früher im Jahr. 2018 fiel er auf den zweiten Mai. Wenn alle Menschen auf der Welt so leben würden wie die Deutschen, wären schon viel früher alle Ressourcen fürs Jahr verbraucht.

Germanwatch fordert deshalb bei einer Aktion am Brandenburger Tor am Mittwoch zusammen mit anderen Organisationen wie der BUND Jugend und der Naturschutzjugend die Bundesregierung und deutsche Unternehmen auf, mehr für den Klima- und Umweltschutz zu tun. »Für uns ist der Tag ein Signal dafür, zu sagen: Wir können das nicht allein den Verbrauchern überlassen. Wir brauchen politische Lösungen«, sagt Germanwatch-Expertin Julia Otten. »Es braucht den Kohleausstieg und die Verkehrswende.«

Auch die Initiatoren des Erdüberlastungstags sind sich sicher, dass man den Trend umkehren kann: Sie haben berechnet, dass die Menschheit bis 2050 wieder innerhalb der Kapazitäten der Erde leben würde, wenn wir den Tag jedes Jahr um 4,5 Tage in die Zukunft schieben würden.

»Innerhalb des Ressourcenbudgets unseres Planeten zu leben ist nicht nur technologisch machbar, sondern auch finanziell von Vorteil«, sagt Mathis Wackernagel, Chef von Global Footprint Network und Entwickler des Ökologischen Fußabdrucks. Die Organisation hat berechnet, dass man das Datum um elf Tage verschieben könnte, würde man die Nahrungsmittelabfälle weltweit halbieren. Unseren CO2-Ausstoß zu halbieren, ergäbe einen Aufschub von 93 Tagen.

Die Forschungsorganisation weist außerdem auf ein Projekt hin, das sich nichts weniger zum Ziel gesetzt hat, als das Klima zu retten. Das Besondere: Das Drawdown Project weist die wirksamsten Maßnahmen zum Klimaschutz aus und beziffert, was sie einbringen. Die sinnvollste Maßnahme wäre, auf klimaschädliche Kühlmittel, die als Ersatz für ozonschädliches FCKW verwendet werden, zu verzichten. Damit könnten 90 Milliarden Tonnen CO2 eingespart werden. Im Rahmen des Montreal-Protokolls zum Schutz der Ozonschicht werden immerhin seit 2017 die klimaschädlichen Stoffe nach und nach abgeschafft.

An zweiter Stelle der Auflistung kommt die Windkraft an Land. Effektiv ist auch eine Kombination zweier Maßnahmen, die an dieser Stelle überraschen: Der Zugang zu Verhütungsmitteln und die Bildung von Mädchen. Je länger Mädchen nämlich in die Schule gehen und je besseren Zugang sie zu (kostenlosen) Verhütungsmitteln haben, desto später heiraten sie und bekommen Kinder. Da die schnell wachsende Bevölkerungszahl maßgeblich zur Belastung der Ressourcen beiträgt, könnte die Kombination dieser beiden Maßnahmen 120 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen einsparen.

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