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»Besser wenig als gar nichts«

Serbiens Präsident will Konflikt mit Kosovo, das sich 2008 für unabhängig erklärte, beenden

  • Von Elke Windisch, Dubrovnik
  • Lesedauer: 3 Min.

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Teilung umstrittener Regionen oder Tausch von Gebieten? Internationales Krisenmanagement dieser Art wird relativ selten praktiziert und ist noch seltener erfolgreich. Serbiens Präsidenten Alexander Vučić schreckt das offenbar nicht. Er will den Konflikt mit Kosovo - Belgrads einstiger Albaner-Region, die sich bei den jugoslawischen Teilungskriegen für unabhängig erklärte und 2008 von Teilen der internationalen Gemeinschaft anerkannt wurde - mit einem Kompromiss beenden. Der vor allem von Serben bewohnte Norden des Kosovo ginge dann an Serbien, das dafür das Preševa-Tal im Südwesten mit starker albanischer Minderheit an das Kosovo abgibt. So jedenfalls die Quintessenz eines Vučić-Essays, der vergangene Woche in allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens für Wirbel sorgte.

Der starke Mann in Belgrad hat gute Gründe für sein Vorpreschen. Ohne Normalisierung der Beziehungen zu Kosovo wird es keine EU-Mitgliedschaft für Serbien geben. Das Thema stand auch bei dem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im April in Berlin auf der Tagesordnung. Vučić versprach zu liefern. Doch der Dialog dazu, den beide Seiten seit Jahren unter EU-Ägide in Brüssel führen, brachte bisher keinen Durchbruch.

Auch der interne Dialog, den Vučić nach seiner Amtseinführung im Mai 2017 auf den Weg brachte, führte bislang nicht zu einer konsolidierten Position in der Kosovo-Frage. Vor allem mit deren Lösung indes will der ehrgeizige Vučić sich den goldenen Eintrag in die Geschichte sichern. Vorsichtig bereitet er die Öffentlichkeit daher auf eine Wende vor. Die Kosovofrage habe das Verhältnis zwischen Serben und Albanern lange vergiftet, schrieb er in seinem Essay, eine der Ursachen dafür sei mangelndes Verständnis für den jeweils anderen gewesen. Künftige Generationen müssten von dieser Hypothek befreit werden, alle Konfliktparteien von einer dauerhaften Lösung profitieren, so Vučić. Gewalt sei dabei zwingend auszuschließen.

Auch rief er seine Landsleute auf, sich von Mythen zu befreien. Gemeint ist die Schlacht um Kosovo im Jahr 1389, die sich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Zwar verloren die Serben, doch einer der ihren erdolchte Osmanen-Sultan Murat I. anschließend.

Entsprechend heftig formiert sich der Widerstand. Nationalisten, die nicht Teile der Region, sondern ganz Kosovo für Serbien beanspruchen, schmähen Vučić als »Verräter«. Auch hohe Ränge der einflussreichen Serbisch-Orthodoxen Kirche kritisierten das Vorhaben als »unverantwortlich«. »Besser wenig als gar nichts«, hielt Vučić dagegen. Letzte Woche legte er in der kroatischen Wochenzeitschrift »Globus« noch einmal nach: »Wenn ich sehe, dass etwas gut ist für Serbien, werde ich es vorantreiben. Ohne Rücksicht auf die Folgen.«

Das freute die Führer der Serben aus dem Norden Kosovos, die vergangene Woche in Belgrad bei Vučić auf der Matte standen. Zeitgleich empfing Kosovo-Präsident Hashim Thaci eine Deputation der serbischen Albaner. Diese hatten sich bereits 1992 per Referendum für den Anschluss ihres Preševa-Tals an Kosovo ausgesprochen. Thaci indes versprach nur, die Probleme der Volksgruppe bei den Brüsseler Normalisierungsverhandlungen mit Serbien anzusprechen.

Teilung und Gebietsaustausch dagegen erklärte Thaci zu einer »roten Linie«, die nicht überschritten werde. Das würde den gesamten Balkan in eine »düstere Zukunft stürzen«. In der Tat: Vor allem bosnische Serben und Kroaten könnten daraus einen Präzedenzfall machen, um den Anschluss ihrer Gebiete an die jeweiligen Mutterländer noch entschlossener in Angriff zu nehmen.

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