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  • European Championships 2018

Olympia im Miniaturformat

Viele Randsportler und ihre Funktionäre hoffen auf einen nachhaltigen Erfolg der neuen European Championships

  • Von Andreas Morbach, Glasgow
  • Lesedauer: 4 Min.

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Im Juni war Philip Heintz mal wieder für drei Wochen in der Sierra Nevada, im Höhentrainingslager mit seiner Heidelberger Trainingsgruppe. Neben den täglichen Einheiten mit den vertrauten Schwimmkollegen machte der 27-Jährige im Süden Spaniens dabei Bekanntschaft mit drei der vier deutschen Bahnradfahrer, die wie er ab Donnerstag bis Ende nächster Woche in Glasgow ihre Europameisterschaften austragen. Ebenso wie die Ruderer, Turner, Golfer und Triathleten. Sechs olympische Sommersportarten zur selben Zeit am selben Ort aus demselben Grund - das ist eine Premiere, die Heintz spätestens seit dem luftigen Treffen mit den Radlern in Spanien sehr begrüßt.

»Ich find’ das ziemlich cool - im Prinzip sind das ja Olympische Spiele im Miniaturformat. Ich bin ein voller Fan davon«, schwärmt der Olympiasechste von Rio über 200 Meter Lagen im Gespräch mit »nd« von den bevorstehenden elf Wettkampftagen in Schottland - noch ehe dort an diesem Donnerstag der erste Startschuss ertönt ist. Heintz denkt sogar schon an eine Ausweitung des neuen Konzepts auf Weltmeisterschaften - und aktuell an seine neuen Freunde mit den Velos: »Wenn ich dann Zeit habe, schaue ich auf jeden Fall bei ihnen vorbei und feuere sie an.« Sagt’s und fügt schmunzelnd wie etwas unsicher hinzu: »Wenn man das beim Bahnradfahren überhaupt macht.«

Wie vor jeder Premiere sind alle Beteiligten besonders gespannt, wie es beim ersten Mal läuft. Dem Zuschauer, nicht zuletzt dem vor dem Fernsehgerät, komprimiert mehrere Sportarten anzubieten - das gab es auch schon bei den European Games 2015 in Baku und den World Games der nichtolympischen Sportarten im vergangenen Jahr in Wroclaw. »Insofern sind die European Championships damit vergleichbar«, erklärt Dirk Schimmelpfennig. Der Leistungssportdirektor im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) betont aber auch: »Ihr Charakter ist ein anderer - weil das Ganze eben nicht an einem Ort mit einem gemeinsamen Sportlerdorf stattfindet.«

Dieser Aspekt hat für den früheren Tischtennis-Bundestrainer einen speziellen Reiz - schließlich ist Deutschland grundsätzlich daran interessiert, sportliche Großveranstaltungen zu präsentieren. Mit der Leichtathletik-EM in Berlin, die parallel zum Multievent in Glasgow am 7. August startet, ist man diesmal bereits beteiligt. »Bewähren sich die European Championships, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass unsere Spitzenverbände auf die Idee kommen, dass diese Veranstaltung 2022 oder später wieder etwas für Deutschland sein könnte«, sagt Schimmelpfennig und nennt das entscheidende Plus des Formats, an dem in den beiden Austragungsstädten insgesamt rund 4500 Sportler teilnehmen: »Es hätte an einigen Stellen noch mal eine etwas andere Grundlage als zum Beispiel die European Games, für die ein anderer Aufwand betrieben werden müsste.«

Henning Lambertz erkennt in der Doppelveranstaltung auch den Versuch, dem alles dominierenden Fußball medial zumindest ein bisschen Paroli zu bieten. »Ich glaube schon, dass viele versuchen, ein kleines Gegengewicht zu finden. Eine einzelne Sportart kriegt das momentan nicht hin«, sagt der Cheftrainer der deutschen Schwimmer. »Aber im Verbund von vielen guten Sportarten ist es durchaus möglich, dass jemand die European Championships einschaltet und sagt: Ich verfolge leidenschaftlich gerne Leichtathletik, aber die zehn Minuten Schwimmen, die zwischendurch vielleicht mal aufblitzen, schau’ ich mir auch noch an. Und danach guck ich noch ein bisschen Turnen. Man versucht, die Zuschauer an sich zu binden - ähnlich wie bei den Olympischen Spielen.«

DOSB-Sportdirektor Schimmelpfennig verweist in dem Zusammenhang auf die offenbar erfolgreicheren Wintersportverbände, die mit ihren Formaten im TV positive Erfahrungen gemacht haben. »Große Verbände wie Leichtathletik, Turnen oder Schwimmen können sich in einem solchen komplexen Event deutlich besser präsentieren als mit einer einzelnen EM«, erklärt der 56-Jährige angesichts eines Gesamtpotenzials von gut einer Milliarde TV-Zuschauern. ARD und ZDF übertragen rund 100 Stunden von den Wettkämpfen in Glasgow und Berlin, bieten zudem bis zu drei parallele Livestreams im Internet an.

Falls die Feuertaufe ein Erfolg wird, überlegt Dirk Schimmelpfennig, wollen andere Sommersportarten künftig womöglich mit einsteigen. Andererseits drohe die Gefahr, dass es irgendwann vielleicht zu viele Sportarten werden. In welche Richtung die Sache auch geht - eines steht für den Rheinländer fest: »Gerade jetzt, da sehr viel in Bewegung ist, wird es nach den European Championships eine sehr spannende Diskussion geben.«

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