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Riots not diets!

In der Dark-Comedy-Serie »Dietland« verändert eine feministische Verschwörung die Gesellschaft

  • Von von Lee Wiegand
  • Lesedauer: 3 Min.

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Schönheitsideale sind eines der größten Übel unserer Zeit. Schön dünn soll man sein, ja nicht zu viele Kurven und zwischen den Beinen idealerweise eine Lücke haben, Thigh Gap genannt. Weltweit hungern sich junge Frauen zum scheinbar perfekten Körper, oder auch in den Tod.

Schön sein - also schlank sein - ist in diesem Sinne auch das Ziel von Alicia Kettle, genannt »Plum«, dargestellt von Joy Nash, denn erst dann beginne das richtige Leben. Zu Beginn der ersten Staffel erwartet sie nichts sehnlicher als eine Schönheits-OP, eine Magenverkleinerung.

Stetig hat Plum mit ihrem Gewicht zu kämpfen beziehungsweise mit dem Umgang ihrer Mitmenschen mit ihrem Gewicht, dem sogenannten Fatshaming. Auch ihre Vorgesetzte Kitty Montgomery (Julianna Margulies), Chefredakteurin einer wahnsinnig angesagten Modezeitschrift, lässt Plum tagtäglich spüren, was sie von ihr hält. »Du hast schöne Augen« - ein Kompliment, dass viele dicke Menschen kaum mehr hören können - sind die einzigen zynisch-freundlichen Worte, die ihre Lippen verlassen.

Plum ist Kittys Ghostwriterin und persönliche Assistentin und beantwortet in ihrem Namen schwer bekömmliche Leserbriefe, die von missbrauchenden Lebenspartnern, selbstverletzendem Verhalten und dem in der Serie allgegenwärtigen Schlankheitswahn handeln. Kein Wunder also, dass Plum morgens nur unter dem Einfluss von Antidepressiva das Haus verlassen kann.

Parallel zu Plums privatem Leidensweg als dicke Person entwickelt sich ein zweiter, überaus politischer Handlungsstrang, der erst nach und nach hervortritt. Während Plum von einer feministischen Gruppe namens Calliope House rekrutiert wird, welche die Beauty- und Modeszene unterwandert und das System verändern möchte, existiert im Untergrund eine weitere, radikalere Bewegung mit dem schlichten Namen »Jennifer«. Dieser reicht es nicht aus, das System nur zu verändern, stattdessen nimmt sie Rache für die Verbrechen der Männer. Vergewaltiger werden gejagt, bis zum Geständnis gefoltert und schließlich umgebracht. Das mag Selbstjustiz sein, bewirkt innerhalb des Serienuniversums aber eine lange aufgeschobene, auch in der realen Welt notwendige Debatte über Patriarchat und Unterdrückung, nachdem Calliope House bereits seit Jahren mit gemäßigten Mitteln agiert, hierbei aber kaum etwas erreicht hat. Am Ende kommt nicht einmal die von allem distanzierte, ausschließlich auf ihre Karriere bedachte Kitty Montgomery um eine Positionierung herum.

»Dietland« basiert auf dem gleichnamigen Roman von Sarai Walker, der unter dem Eindruck von David Finchers Film »Fight Club« geschrieben wurde. Mit der Verfilmung wurde Marti Noxon (»Buffy - Im Bann der Dämonen«) betraut. Sie schafft ein bildgewaltiges und doch überaus detailverliebtes Epos, welches nicht besser in den Zeitgeist passen könnte. »Dietland« ist seriengewordene MeToo-Debatte und doch mehr als das, weil erstmalig ganz unaufgeregt über die Sorgen, Probleme und Nöte von dicken Menschen wie Plum eingegangen wird. Eine Userin schreibt zum Beispiel: »Dietland ist die erste Serie, die es geschafft hat, eine Person, die so aussieht wie ich, als bedeutende Hauptrolle zu casten. Die Fatshaming, Frauenhass, Bedrohung durch Männer im Patriarchat, Selbstoptimierung der Frau und radikale feministische Ideen dermaßen drastisch und realistisch darstellt. Ich war zuerst erschüttert, dann aufgewühlt und dann begeistert. Wer Plums Leiden zusieht, lernt einiges kennen, mit dem ich täglich zu tun habe. Schaut diese Serie und hört Plum zu.«

»Dietland«, Amazon Prime

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