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Diskriminierte Rassisten

Ulrike Kumpe über weiße Männer, die nicht über Rassismus sprechen dürfen.

  • Von Ulrike Kumpe
  • Lesedauer: 1 Min.

»Bild«-Redakteur Filipp Piatov fragt in einem Kommentar zum Hashtag metwo: »Sollen ›Weiße Männer‹ bei Rassismus die Klappe halten?«. Einfach mal die Klappe halten, keine schlechte Idee.

Tenor des Kommentars: Die Opfer sind eigentlich »weiße Männer«, weil irgendwelche Linke ihnen verbieten würden, über Rassismus zu diskutieren. Und das nur, weil sie weiß, deutsch und männlich sind. Ihre Argumente würden nichts gelten, sobald sie als weiß, deutsch und männlich identifiziert wären, so der Autor. Dagegen ist das vorgebrachte Argument »das kann gar nicht sein« keines, wenn Betroffene rassistischer Diskriminierung unter #metwo von ihren Alltagserlebnissen berichten. Denn es geht überhaupt nicht um den Austausch von Argumenten, wenn Betroffene über ihre Erlebnisse sprechen. Worum es geht: Einfach mal zuhören, und ja, auch einfach mal die Klappe halten. Und zwar ganz ohne, dass irgendwelche Linke Sprachverbote erteilen würden.

Die armen, von Piatov herbeigeschriebenen »weißen Männer« erscheinen in der ganzen #metwo-Debatte plötzlich als die Opfer. Sie werden diskriminiert, durch einen vermeintlich linken Rassismus. Der sie aufgrund ihrer Identität als weiße, deutsche Männer von der Rassismusdebatte ausschließt. Und nicht etwa, weil sie einfach rassistisch sind.

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