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Festnahmen, Folter und Verschleppung in Afrin

Amnesty fordert von der Türkei das Ende »schwerer Verstöße« in Kurdengebieten

  • Lesedauer: 3 Min.

Istanbul. Amnesty International hat von der Türkei gefordert, umgehend die »schweren Verstöße« durch verbündete syrische Rebellen in der besetzten Region Afrin zu beenden. Die Menschenrechtsorganisation kritisierte in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht, die Einwohner von Afrin seien seitens der protürkischen Milizen willkürlichen Festnahmen, Folter und Verschleppung sowie der Enteignung und Plünderung ihres Besitzes ausgesetzt.

»Die türkische Militäroffensive und Besatzung haben das Leiden der Einwohner von Afrin verschärft, die bereits Jahre eines blutigen Konflikts durchgestanden haben«, kritisierte die Amnesty-Forscherin Lynn Maalouf. Die Türkei sei als Besatzungsmacht verantwortlich für das Wohlergehen der Zivilbevölkerung und die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung. »Bisher haben ihre Streitkräfte bei diesen Pflichten völlig versagt«, kritisierte Maalouf.

Die türkische Armee und verbündete Rebellengruppen hatten Afrin im März nach wochenlangen erbitterten Kämpfen mit den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) erobert. Ankara betrachtete die Präsenz der Kurdenmiliz an ihrer Grenze wegen ihrer engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung. International wurde die Offensive, der auch zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen, scharf kritisiert.

Die Türkei ist entschlossen weiter in der Region zu bleiben und hat Tausende Flüchtlinge aus der Türkei und anderen Gebieten Syriens dort angesiedelt. Die Amnesty-Forscherin Maalouf mahnte nun, die Türkei könne ihrer Verantwortung nicht entgehen, indem sie syrische Milizen benutze, um »ihre Drecksarbeit« zu machen. Sie müsse umgehend die Verstöße protürkischer Gruppen beenden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Angriff auf Afrin: »Die Wut in der Bevölkerung ist groß.« Der deutsche Freiwillige Jan-Lukas Kuhley über den türkischen Einmarsch in Rojava

Laut Amnesty berichteten ihre Quellen von mindestens 86 Fällen, in denen Einwohner unter dem Vorwurf von Verbindungen zur YPG-Miliz festgenommen, gefoltert oder verschleppt worden seien. Viele Einwohner klagten zudem, dass ihre Häuser geplündert, von der Armee konfisziert oder von Flüchtlingen aus anderen Gebieten Syriens besetzt worden seien. Auch habe die Armee Schulen besetzt, dadurch würden Kinder am Schulbesuch gehindert.

Amnesty warf aber auch der YPG-Miliz vor, geflohene Einwohner aus Afrin an der Rückkehr zu hindern. So habe die YPG die Straßen aus der angrenzenden Region Al-Schahba gesperrt, wohin Tausende Menschen während der Kämpfe geflohen seien, Rückkehrwillige müssten nun den beschwerlichen Weg über die Berge nehmen. Die syrische Regierung wiederum hindere Kranke daran, sich in anderen Regionen behandeln zu lassen, kritisierte Amnesty. AFP/nd

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