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Zellen auf Patrouille

Von Iris Rapoport, Boston und Berlin

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Ein Splitter im Daumen! Der Finger ist gerötet, heiß und geschwollen und schmerzt. Kurz: Er ist entzündet.

Stets sind, umstrudelt von den roten Blutkörperchen, den Erythrozyten, in unseren Adern auch einige Zellen der Immunabwehr unterwegs. Zumeist sind es sogenannte neutrophile Granulozyten, ab und an auch ein größerer Monozyt. Bedächtig rollen diese weißen Blutzellen auf den Gefäßwänden entlang. Doch ihre Geruhsamkeit täuscht! Sie sind emsig beschäftigt, die Wände abzutasten. Immer wieder heften sie sich dazu mit ihren Rezeptoren kurz fest. Ist alles in Ordnung, rollen sie weiter. Befindet sich jedoch irgendwo ein Krankheitsherd - so ein Splitter vielleicht, an dem meist auch Bakterien kleben -, ist es mit ihrer Ruhe vorbei. Sie werden ganz flach und zwängen sich zwischen den Gefäßwandzellen hindurch ins Gewebe. Doch wie können sie wissen, dass sie jetzt dort gebraucht werden?

Unser Körper wird ständig von einem weiteren Typ von Immunzellen, den Makrophagen, durchstreift. Die fahnden nach alten oder gar toten Zellen und etwaig Körperfremdem. Körpereigenen Abfall entsorgen sie meist ganz diskret. Doch bei Bakterien oder einem Splitter schlagen sie Alarm und rufen um Hilfe.

Dazu geben sie kleine Proteine, Cytokine genannt, an ihre Umgebung ab. Die lösen als Signalmoleküle mannigfaltige Prozesse aus: Von den Gefäßen werden zusätzliche Haftstellen für die Abwehrzellen gebildet. Das stoppt deren Rollen und dirigiert sie ins Gewebe. Dort weisen ihnen weitere Signalmoleküle den Weg. Bei ihrer Wanderung zum Krankheitsherd reifen die Monozyten zu Makrophagen. Das intensiviert das Geschehen. Andere Cytokine erweitern die Blutgefäße. Das Blut strömt stärker und erwärmt und rötet den Daumen. Gleichzeitig erhöht sich die Durchlässigkeit der Gefäßwände. Mehr Flüssigkeit strömt ins Gewebe. So wird der betroffene Bereich auch mit den gelösten Abwehrproteinen des Blutplasmas beliefert. Das anschwellende Gewebe schmerzt. Dies alles warnt und mahnt, den Splitter herauszuziehen. Ignorieren wir das, wird er durch vor allem von neutrophilen Granulozyten gebildeten Eiter hinausbefördert. So ist eine Entzündung, obwohl wahrlich nicht angenehm, unverzichtbar für den Erfolg von Abwehr und Heilung.

Makrophagen spielen dabei eine zentrale Rolle. Nicht nur, dass sie Cytokine bilden oder genauso wie die neutrophilen Granulozyten Erreger oder Fremdstoffe verschlingen und in ihrem Innern zerstören. Sie sind zu Höherem berufen! Sie können Bruchstücke der von ihnen gespaltenen Fremdproteine, etwa von den mit dem Splitter eingedrungenen Bakterien, auf ihrer Außenhülle präsentieren. Wandern die Makrophagen, die recht langlebig sind, nun weiter, tragen sie den Steckbrief des Erregers mit sich. So informieren sie die Zellen der spezifischen Immunantwort von der Gefahr. Das setzt ein Geschehen in Gang, das letztendlich auch zur Bildung von Antikörpern führt. Die wandernden Makrophagen gehören somit zu den wichtigen Zellen, die die angeborene, unspezifische und die erworbene, spezifische Immunantwort miteinander verbinden.

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