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Eine Region tritt in die Pedale

Brandenburgs »Radverkehrsstrategie 2030« fördert das Fahrrad als Verkehrsmittel und Anreiz für sanften Tourismus

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

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Brandenburg ist ein ideales Terrain sowohl für Alltagsradler als auch für Fahrradtouristen. Dafür sprechen neben seiner Topografie die insgesamt gute Erschließung durch Straßen, Wege und Eisenbahnlinien sowie die, dank in der Regel überschaubarer Entfernungen, gute Erreichbarkeit jeder Art von Zielen mit dem Fahrrad.

Im November 2017 hat Brandenburgs Landesregierung ihre »Radverkehrsstrategie 2030« vorgelegt, in der sie die Wege zum Ausbau des Fahrradverkehrs im Rahmen des Umweltverbundes (Fuß, Rad, Öffentlicher Verkehr) festschreibt. Darin stellt sie klar: »Der Radverkehr ist die klimafreundlichste Alternative zum motorisierten Individualverkehr auf Basis fossiler Brennstoffe.« Hinzu kommt, wie in dem Papier hingewiesen wird, dass der Ausbau der benötigten Infrastruktur ungleich kostengünstiger ist, als bei anderen Verkehrsträgern.

Fahrräder galten lange Zeit als Verkehrsmittel »des kleinen Mannes«, geeignet für den täglichen Weg zur Schule oder Arbeit, bestenfalls als Freizeit- und Sportgerät. Nach Einschätzung der Landesregierung hat sich Brandenburg jedoch in den vergangenen Jahren zu einem wirklichen Fahrradland entwickelt. »Besonders spiegelt sich dies im gewachsenen touristischen Angebot wider. 17 der 51 deutschlandweiten Routen verlaufen durch Brandenburg«, heißt es in dem Strategiepapier. Etwa ein Viertel der Urlaubsgäste im Land fahren demnach Rad. Durch den Fahrradtourismus - von Radwanderern über gelegenheitsradelnde Urlauber bis zu Ausflüglern - würden 850 Millionen Euro pro Jahr in Brandenburg umgesetzt. Spürbar sei aber auch der wachsende Anteil der Radler am Alltags- und am Alltagsfreizeitverkehr.

Im wald- und seenreichen Brandenburg mit seinen vielen Kultur- und Baudenkmalen herrschte nach der Wende auch bei der Fahrradinfrastruktur Mittelalter. Selbst vorhandene Radwege waren in schlechtem Zustand. Seit 1995 hat das Land allein in den Bau von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen 215 Millionen Euro investiert. Gut 2000 Kilometer misst das Netz straßenbegleitender Radwege, das die Verkehrssicherheit verbessert und auch touristische Radrouten integriert.

Dass einmal Erreichtes nichts wert ist, wenn man es nicht erhält, macht sich jetzt bemerkbar, denn die Hälfte aller Überlandradwege ist älter als 15 Jahre, oft ist der Belag verschlissen. Die Erhaltung wird bald mit bis zu 50 Prozent des Budgets zu Buche schlagen und Neubauvorhaben bremsen.

Auch die Sicherheit im wachsenden Fahrradverkehr beschäftigt das Land zunehmend, starb doch in Brandenburg 2017 alle zwei Wochen ein Radfahrer bei einem Verkehrsunfall. Erst im Juni war das Thema in Eberswalde Gegenstand der Fachtagung »RadFahren«, die gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen in Brandenburg organisiert worden war.

Von der Förderung des Landes in den kommunalen Straßenbau entfielen seit 1991 rund 41 Millionen Euro auf den Bau separater Radwege sowie rund 140 Millionen Euro auf den Bau von gemeinsamen Geh- und Radwegen an kommunalen Straßen.

Der Fahrradtourismus hat sich mit 25 Prozent am touristischen Gesamtumsatz des Landes zu einem starken Wirtschaftsfaktor für das Land aber auch die Kommunen entwickelt. Bund und Land haben deshalb die Entwicklung eines gut 7000 Kilometer langen touristischen Radwegenetzes mit insgesamt 148 Millionen Euro gefördert. Die verschiedenen dort angelegten Themen-Radrouten, die auch straßenbegleitende Radstreifen einbeziehen, erreichen eine Gesamtlänge von 12 000 Kilometern. Insgesamt 2400 Kilometer ausgeschilderte Radwege wurden angelegt. Der mit rund 1000 Kilometern längste Radweg ist die Tour Brandenburg. Fast die Hälfte aller vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) bundesweit zertifizierten Qualitätsradwege liegt in Brandenburg.

Der ADFC ist Partner und zugleich entschiedenster Kritiker der Landesregierung beim Ausbau des Fahrradverkehrs. Die »Radverkehrsstrategie 2030« halten die Fahrradlobbyisten für unzureichend, kritisieren vor allem den bis 2030 angepeilten Zuwachs des Rades am Gesamtverkehr von lediglich drei Prozent. Der ADFC hat dem einen Zehn-Punkte-Plan entgegengesetzt, der darauf orientiert, den Radverkehr bis 2030 auf 26 Prozent zu verdoppeln und dafür Bürger und Verbände zu mobilisieren.

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