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  • Politik
  • Seenotrettung im Mittelmeer

Protest gegen das Sterben im Mittelmeer

Aktionstag am Samstag gegen EU-Flüchtlingspolitik

  • Von Britta Rybicki
  • Lesedauer: 3 Min.

Für ihren Protest haben sich die Kölner Aktivisten am Samstagmittag die große Freilufttreppe am Rheinboulevard ausgesucht. Die Sonne knallt auf den Asphalt. Die quälende Hitze hält die knapp 300 Teilnehmer trotzdem nicht davon ab, laut zu sein. »Leben retten ist kein Verbrechen, sterben lassen schon«, schallt es durch das Megafon. 30 Aktivisten bilden eine Menschenkette und halten orange-leuchtende Pappschilder vor sich. Die schwarzen Buchstaben darauf fordern: »Stoppt das Sterben im Mittelmeer!«

»Seebrücke - Schafft sichere Häfen!«, steht auf der Rückseite der Schilder. Die Kundgebung in Köln ist Teil der Aktionen, die anlässlich des Aktionstages »Day Orange« am Samstag in ganz Deutschland stattfanden. Zum Protest aufgerufen hatte die Kampagne »Seebrücke«; das Ziel: die Seenotrettung im Mittelmeer entkriminalisieren. »Es kann nicht sein, dass Rettungsschiffe am Auslaufen gehindert werden oder ihnen die Landungserlaubnis in europäischen Häfen verweigert wird«, sagt Johannes von der Berliner Initiative »Jugend Rettet«. Damit spielt der Student auf den Vorfall Mitte Juli an, bei dem die Crew des Rettungsschiffs »Lifeline« gezwungen war, trotz schwer kranker aufgenommener Flüchtlinge tagelang auf offener See zu verweilen. Der Kapitän des Schiffes steht seither mit fadenscheiniger Begründung vor Gericht.

Protest in 87 Städten in Deutschland: Demonstrant*innen wollen Seebrücken schaffen

Auch das Aktionsbündnis »Köln gegen Rechts« hat nahe des Protests einen Infostand aufgebaut. Schon Mitte Juni rief es zu mehreren großen Demonstrationen in Köln auf. »Unsere Teilnehmer wehren sich gegen die rassistische Politik, die von Orbán, Kurz, Salvini und Seehofer vorangetrieben wird«, sagt Rainer Schmidt vom Bündnis. Aufgemalte Wellen und Brücken dekorieren derweil die Protestschilder der Aktivisten. Auch die Farbe Orange - die Farbe der Seenotrettung - kehrt auf ihren T-Shirts, Warnwesten und Luftballons wieder. »Anker lichten statt Ankerzentren« steht auf dem Schild, das Nina von der Kampagne »Nationalismus ist keine Alternative« trägt. »Wir möchten heute auch auf die permanenten Verschärfungen in Asyl- und Sicherheitspolitik aufmerksam machen«, sagt sie. Die Aktivistin befürchtet, dass die »umstrittenen Abschiebelager« aus dem Migrationsplan des Innenministers Seehofer bald bundesweit umgesetzt werden. »Geflüchtete werden dadurch nur neuen Schäden und Konflikten ausgesetzt«, so Nina.

Bundesweit gingen am Samstag Tausende in Dutzenden Städten auf die Straße. »Die Fluchtursachen bekämpfen, nicht die Geflüchteten« hieß es beispielsweise in Wuppertal, wo sich 600 Aktivisten während eines Flashmob regungslos in der Innenstadt auf den Boden legten. In Aachen übergossen sich rund 50 Menschen mit Wasser und blieben anschließend ebenfalls auf dem Boden liegen. Die Aktivisten in Bonn verwandelten ihre Innenstadt in einen sicheren Hafen, in dem sie Tausende Papierschiffe aufstellten. In Solingen gab es eine Kundgebung und in Mainz eine Demonstration. Vor dem Duisburger Stadttheater legten die Aktivisten Warnwesten aus. In Leipzig demonstrierten rund 2000 Menschen und appellierten an die Stadt, sich zum sicheren Hafen für Menschen in Not zu erklären. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind in diesem Jahr schon mehr als 1500 Menschen ertrunken.

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