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Umdenken in Amtsstuben gefordert

Behörden im Nordosten sollen beim Materialeinkauf mehr fair gehandelte Produkte ordern

  • Lesedauer: 3 Min.

Rostock. Das Eine-Welt-Landesnetzwerk MV hat die öffentlichen Verwaltungen in Mecklenburg-Vorpommern aufgerufen, beim Materialeinkauf auf die faire und sozialverträgliche Herstellung der Produkte zu achten. Für viele Produktgruppen, etwa Textilien oder Kommunikationstechnik gebe es Möglichkeiten, die Hersteller nachhaltiger Produkte zu unterstützen, sagte Alexis Schwartz, Experte des Eine-Welt-Landesnetzwerks, der dpa. »Ein Signal der Bundesregierung wäre wünschenswert, dass Produkte sozial verantwortlich beschafft werden müssen.« Für die Beschaffung innerhalb der Europäischen Union gebe es diese Grundsätze. Diese müssten auch dann eingehalten werden, wenn die Produkte aus anderen Erdteilen kommen.

Gerade Kleidung und IT-Technik seien Bereiche, bei denen entlang der Lieferketten oft Menschen- oder Arbeitsrechtegebrochen werden, erklärte Schwarz. So würden Arbeiter teilweise in Baumwollplantagen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt. »Metalle werden oft unter widrigsten Bedingungen in Afrika aus der Erde geholt.«

Schwarz bedauerte, dass es auch keine entsprechenden Fortbildungen für die Verwaltung gebe. So fehle auch das Wissen darüber, welche Zertifizierungen glaubwürdig oder welche Augenwischerei seien. »Mit ein paar Klicks im Internet ist das nicht zu machen.« Er verwies darauf, dass mit dem fairen Handel die Lebensverhältnisse in den Herkunftsländern verbessert und damit auch Fluchtursachen beseitigt werden können. In Mecklenburg-Vorpommern gebe es nur wenige Verwaltungen, die sich zumindest in Teilen zum fairen Handel bekennen, erklärte der Experte des Eine-Welt-Landesnetzwerks. Dazu gehöre Rostock, das bei der Beschaffung von Natursteinen, Kaffee oder Milch darauf achtet. »Das ist ein Bekenntnis, kann aber noch ausgebaut werden.« Erfreulich sei, dass es in Schwerin, Greifswald, Parchim, Güstrow und Wismar entsprechende Überlegungen gibt.

»Die nachhaltige, faire und sozialverträgliche Beschaffung ist in Mecklenburg-Vorpommern überfällig«, betonte die Landtagsabgeordnete der Linksfraktion, Karen Larisch. Mit fairem Handel und nachhaltiger Produktion könne Hunger und Armut sowie Zwangs- und Kinderarbeit bekämpft werden. Es reiche nicht aus, wenn die Landesregierung auf einzelne lobenswerte Initiativen von Kommunen oder Schulen verweist. »Sie muss auch selbst mit gutem Beispiel vorangehen.«

Ein Sprecher der Stadt Rostock verwies darauf, dass die Stadt den Gedanken des fairen Handels beispielsweise in den Hansebund hineingetragen habe. In Veranstaltungen würden die Mitarbeiter auf die Problematik hingewiesen, die Beschaffer seien entsprechend sensibilisiert, auch bei der Vermeidung von Kinderarbeit. Die Umsetzung der Ziele sei bei der Komplexität des Themas nicht leicht.

Erst im Juli hatte das Forum Fairer Handel gemeldet, dass die Verbraucher in Deutschland insgesamt inzwischen mehr Geld für Produkte aus fairem Handel ausgeben. Der Umsatz sei im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 1,473 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Branchenverband mit. Das Geld floss meist in Lebensmittel, zu einem Drittel allein in Kaffee. dpa/nd

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