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Besuch in Binnenschiffers Dorfladen

Bayern: Täglich fährt das Bunkerboot »MSG Tank« auf dem Main Waren aus - es ist auch beliebt als Ort zum Plausch

  • Von Christiane Bosch, Würzburg
  • Lesedauer: 4 Min.

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Das kleine schwarze Boot fährt ganz nah an das große weiße Kreuzfahrtschiff heran. Schiffsmann Matthias Hemmelmann und sein Kollege Michl Rückauer bringen eine große Ration Diesel vorbei. Etwa 40 000 Liter Kraftstoff werden in den nächsten zwei Stunden im Bauch des Passagierschiffes verschwinden.

Hemmelmann arbeitet auf dem Würzburger Bunkerschiff. Das heißt so, weil es viele Waren und Produkte bunkert, die Binnenschiffer täglich brauchen. Dazu müssen sie lediglich kurz vorher anrufen und bestellen. Dann fährt das kleine Schiff direkt dorthin, wo das Güter- oder Kreuzfahrtschiff angelegt hat und liefert die Bestellung aus. 365 Tage im Jahr.

»Das Hauptgeschäft ist der Diesel. Wir verkaufen aber auch jede Menge Material - vom Schmieröl bis hin zur Farbe. Alles, was ein Schiff braucht«, so Hemmelmann. Die »MSG Tank« kann bis zu 100 000 Liter Diesel bunkern, noch einmal so viel fasst die Bunkerstation am Mainufer in Würzburg. Das Bunkerschiff ist sozusagen der mobile Teil der Bunkerstation.

Der kleine begehbare Laden hat alles, was der Schiffer so braucht - von der Klobürste über Seile, Taue und Spanngurte bis hin zur Glühbirne, zu Feuerlöschern und Keilriemen. Betriebsleiter ist Klaus Philipp. Der 56-Jährige ist mit diesem Geschäft auf dem Fluss aufgewachsen. Schon sein Großvater betrieb ein privates Bunkerschiff. Vor fast zehn Jahren haben Philipp und die Mainschifffahrts-Genossenschaft (MSG) ihre Bunkerschiffe fusioniert. »Deutschlandweit gibt es vielleicht nur noch rund 20 Bunkerschiffe und Bunkerstationen«, sagt Philipp. Das liegt daran, dass die Schiffe heutzutage deutlich größer dimensioniert sind und auch größere Tanks haben. So müssen sie nicht mehr so oft nachtanken.

Um die Existenz der verbliebenen Bunkerschiffe macht sich Philipps dennoch keine Sorgen. Weil die Flusskreuzfahrt boomt, bleibt die Nachfrage nach Diesel und Schiffsbedarf stabil. Auch bei der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) stellt man klar: »Bunkerschiffe sind auf keinen Fall vom Aussterben bedroht. Auch in 20 Jahren werden Bunkerboote noch die Schiffe mit Brennstoff versorgen«, sagt Günther Ruf vom Schifffahrtsbüro des WSV Schweinfurt.

Auf dem Main liefert das Bunkerboot auf einer Strecke von gut 30 Kilometern Waren aus. Das Team in Würzburg besteht aus Philipp, Hemmelmann und drei weiteren Kollegen. Auch Sonderwünsche erfüllen die Männer für langjährige Kunden. »Wenn einer anruft und fragt, ob wir ausnahmsweise eine Waschmaschine besorgen können, dann machen wir das. Das ist einfach Kundenservice«, sagt Betriebsleiter Philipp dazu, der selbst auch schon als Binnenschiffer unterwegs war. Ein Pfund Brot und Wurst sind dann auch mal drin. Üblicherweise aber verkaufen die Bunkerstationen keine Lebensmittel.

Die Bunkerschiffer sind aber nicht nur für das Steuern, Tanken und Verkaufen zuständig. Sie halten Boot und Station auch selbst in Schuss. »Wir sind vom Schlosser und Lackierer bis hin zum Seelenklempner eigentlich alles«, so Hemmelmann. Seit acht Jahren steuert er das Würzburger Bunkerboot. Viele Schiffer würden die vergleichsweise lange Zeit des Nachtankens außerdem gern für einen Plausch nutzen. Meist kommunizieren sie mit den Binnenschiffern auf Deutsch, Holländisch und Englisch. »Aber mit Händen und Füßen können wir auch gut«, sagt Bunkerstations-Chef Philipp.

Wenn seine Station als Tante-Emma-Laden oder Krämerladen für Schiffer bezeichnet wird, hört Philipp das gar nicht gern. »Wir sind ein gut sortiertes Fachgeschäft auf dem Main«, sagt der 56-Jährige stattdessen. Ist das ein Job, der Spaß macht? Schiffsmann Hemmelmann zögert keine Sekunde mit seiner Antwort: »Unbedingt. Ich kann mir keinen besseren vorstellen. Man ist immer an der frischen Luft. Kein Tag ist wie der andere.« Und vor allem seien da viele tolle, ehrliche Menschen.

Der Job an Bord habe aber auch Schattenseiten, so der 37-Jährige. Vor allem, wenn das Wetter extrem ist. »Bei Schnee und Eis, aber auch in Hitzesommern ist es schon schlimm. 25 Grad Celsius und bewölkt - das ist das Beste«, sagt er und lacht. dpa/nd

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