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»Bin froh, dass wir noch leben«

Nach dem Brand in Siegburg

  • Von Christoph Driessen, Siegburg
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Bewohner sind weg, aber ihre Katze ist noch da. Sie sitzt vor der ausgebrannten Hausruine und miaut. Nur ein Auge hat sie noch, aber das reicht völlig, um die Lage zu überblicken. Als Feuerwehrmänner mit einem Tragekäfig anrücken, um sie einzufangen, geht sie sofort auf Distanz. Und als sie ihr dann ein Hunde-Leckerli hinhalten wollen, macht sie sich aus dem Staub. »Die ist weg!«, seufzt ein Feuerwehrmann.

Tag 1 nach dem Brand an der Siegburger Bahntrasse. Schwarz ragen die Dachstühle in den jetzt bewölkten Himmel. Direkt hinter der Gartenmauer verläuft die wichtige ICE-Strecke Köln-Frankfurt, und dazwischen stehen hohe alte Bäume, die deutliche Brandspuren aufweisen.

Ein Haus in der Reihe ist verschont geblieben. Der Besitzer wird von einem Journalisten gefragt, ob er froh sei, dass sein Heim noch stehe. Seine Antwort: »Ich bin froh, dass wir noch leben. Wenn direkt hinter Ihrem Haus ein Baum brennt, dann denken Sie nicht an Ihr Haus. Dann denken Sie nur noch an Ihr Leben.«

Eine Familie wird an den Journalisten vorbei hinter eine Absperrung geführt. Sie gehen Hand in Hand, einer Frau laufen Tränen über die Wange. Anfangs hatten die Bewohner noch versucht, die Flammen mit ihren Gartenschläuchen zu bekämpfen. Doch bald schon ließen sie die Schläuche fallen und warnten in rasender Eile die Nachbarn: Nichts wie weg hier!

Umgeben von Kamerateams, biegt der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul in den Weg ein. Er schaut an den Hausruinen hoch und schüttelt den Kopf. »Da geht vorläufig keiner mehr rein«, sagt er, mehr zu sich selbst. »Ich habe in meinem ganzen Leben sowas noch nicht gesehen, dass eine ganze Straße praktisch weggebrannt ist.«

Anschließend spricht der CDU-Politiker mit einigen von denen, die hier an einem Nachmittag alles verloren haben. »Ich bin total erschüttert«, sagt er danach. »Irgendwo auch verunsichert, hilflos, aber auf der anderen Seite auch dankbar, dass wir so eine starke Feuerwehrstruktur haben.«

Die gegenüberliegende Hausreihe ist nur wenige Meter entfernt. Auch dort wäre um ein Haar alles weg gewesen. Von einer Gartenhecke sind nur noch Stümpfe übrig, der ganze Boden ist verkohlt, eine Hollywood-Schaukel sieht aus, als wäre sie abgefackelt worden. Aber das Einfamilienhaus direkt dahinter ist unversehrt. »Dass da die Häuser noch stehen, ist ein kleines Wunder«, sagt Reul. »In Griechenland, da wären ganze Flächen weg gewesen.«

Natürlich steht die Frage nach der Brandursache im Raum. Müssen Menschen, die auch an einer Bahntrasse mit hohen Bäumen wohnen, jetzt Angst haben, dass ihnen das gleiche passiert? »Nein«, sagt Reul, »Eisenbahn kommt und es brennt - so simpel ist die Nummer nicht.« Vieles sei denkbar. »Es kann (...) 'ne Zigarette gewesen sein, es kann Brandstiftung gewesen sein.« Er wolle sich an solchen Spekulationen aber nicht beteiligen. »Wir haben extreme Dürre und hatten den heißesten Tag, da kam wahrscheinlich viel zusammen.«

Ein Regenschauer geht nieder. »Morgen soll es auch regnen«, sagt ein Mann, der rauchend an einem Kiosk lehnt. Der schlimmste Teil der Sommer-Dürre scheint vorüber. Glück gehabt. Nur die Bewohner der Häuserreihe, die es getroffen hat, die hatten Pech. »Welcome« steht auf einem Schild über einem ausgebrannten Hauseingang. Aber hier kann niemand mehr wohnen. Nicht mal mehr eine Katze. dpa/nd

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