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Ryanair steuert auf Großstreik zu

Dem Protesttag in mehreren Ländern schließt sich auch die deutsche Pilotengewerkschaft an

  • Von Hans-Gerd Öfinger, Frankfurt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Im seit Jahren schwelenden Konflikt um einen Tarifvertrag für den irischen Billigflieger Ryanair ruft nun auch die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ihre Mitglieder für Freitag zu einem ganztägigen Warnstreik auf. Der Arbeitskampf wird nach Angaben von VC-Tarifvorstand Ingolf Schumacher um 03:01 Uhr beginnen und bis 02:59 Uhr in der Nacht zum Samstag dauern. In der vergangenen Woche hatten bei einer Urabstimmung rund 96 Prozent der befragten VC-Mitglieder bei Ryanair grünes Licht für den Arbeitskampf gegeben.

VC fordert den erstmaligen Abschluss von Tarifverträgen für Ryanair. Darüber hatten beide Seiten seit Jahresbeginn verhandelt, ohne dass wesentliche Fortschritte erzielt worden wären. Der Pilotenverband, der laut Schumacher bei Ryanair inzwischen einen ähnlich hohen Organisationsgrad hat wie bei anderen maßgeblichen Airlines, möchte die Einkommens- und Arbeitsbedingungen verbindlich festschreiben. Die Forderungen orientieren sich an Tarifverträgen für vergleichbare Firmen wie TUIfly oder Eurowings.

Obwohl die VC-Mitglieder lieber die Passagiere befördern als streiken würden, bleibe ihnen jetzt keine andere Wahl, erklärte VC-Präsident Martin Locher am Mittwoch in Frankfurt am Main. Schließlich habe Ryanair eine Einkommenserhöhung rundweg ausgeschlossen und keine Kompromisslinien erkennen lassen. Stattdessen habe die Geschäftsleitung mehreren hundert Piloten und anderen Beschäftigten in Irland mit Stellenstreichung und Versetzung nach Polen gedroht. Ähnliches sei auch deutschen Beschäftigten schriftlich mitgeteilt worden, so Schumacher.

Auch um solche Willkür einzudämmen, drängt VC auf klare Regelungen und mehr innerbetriebliche Mitbestimmung. »Piloten sind keine Nomaden, die ihre Zelte gerade dort aufschlagen, wo Ryanair Geschäfte wittert«, erklärte der Tarifvorstand. »Es muss Schluss damit sein, dass Piloten ohne ihr Einverständnis von heute auf morgen irgendwo hin in Europa versetzt werden können.« Zu den weiteren Forderungen gehören eine Reduzierung und bessere Planbarkeit der Dienstzeiten, mehr Urlaub, Gehaltstabellen mit klaren Eingruppierungen und Zulagen sowie Arbeitsbefreiung für Bildungsurlaub und Arztbesuche. VC lehnt das Ansinnen von Ryanair ab, jederzeit eine Untersuchung der Piloten durch einen Arzt nach Wahl des Unternehmens anzuordnen und die Untersuchungsergebnisse in das Eigentum des Unternehmens zu überführen.

Der im Umgang mit Gewerkschaften als ruppig geltende Konzern beschäftigt auf deutschen Basen rund 400 Piloten. Etliche sind unter prekären Bedingungen und ohne festen Anstellungsvertrag eingesetzt, als sogenannte Contractor Pilots. Unter dem Druck des wachsenden Organisationsgrads wurde offenbar vielen von ihnen kürzlich ein festes Arbeitsverhältnis angeboten. VC schätzt, dass mittlerweile gut zwei Drittel bis drei Viertel der 400 Piloten auf deutschen Basen fest angestellt sind.

Ryanair fühlt sich zu Unrecht kritisiert und erklärte, die Piloten bei Ryanair verdienten bereits besser als die bei Eurowings oder Norwegian. VC-Vizepräsident Wahl widersprach indes der Darstellung des Unternehmens, wonach alle deutschen Piloten bereits unaufgefordert eine Gehaltssteigerung von 20 Prozent bekommen hätten. »Das klingt gut, doch bei genauerer Betrachtung sind es nicht mal ansatzweise 20 Prozent«, brachte er es auf den Punkt. So bestehe knapp die Hälfte aus einer Einmalzahlung und sei daher »nicht nachhaltig«. Zudem sei alles an die Bedingung geknüpft, dass die Piloten im Gegenzug freie Tage abgeben sollen. »Ryanair will das refinanziert haben«, so Wahl.

Neu am bisher größten Arbeitskampf bei Ryanair ist auch sein internationaler Charakter. Zeitgleich sind für Freitag Piloten in Belgien, Irland und Schweden zu Streiks aufgerufen, die alle unter dem Schirm des Pilotendachverbands European Cockpit Association organisiert sind. »Wir stehen international in enger Koordination zusammen und setzen gemeinsam ein Zeichen gegenüber Ryanair«, so Schumacher.

Die Airline hat für Freitag europaweit rund 400 Flüge abgesagt, von denen 250 auf Deutschland entfallen. Rund 55.000 betroffene Kunden müssten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen.

VC-Vizepräsident Wahl geht indes davon aus, dass Ryanair eilig eingeflogene Maschinen und Crews aus nicht bestreikten Ländern einsetzen könnte, um möglichst viele planmäßige Starts aufrecht zu erhalten. »Dass die Crews und Flieger woanders fehlen, wird dann geschickt verschwiegen«, so Wahl.

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