Werbung

Bizarre Ankündigung aus der Tesla-Welt

Tweets von Chef Elon Musk zum womöglich geplanten Börsenausstieg des Elektroautoherstellers könnten ein juristisches Nachspiel haben

  • Von Hannes Breustedt, New York
  • Lesedauer: 4 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Ein Tweet, ein tollkühner Plan und viele offene Fragen: Tesla-Chef Elon Musk will sein Unternehmen womöglich von der Börse nehmen. »Ich glaube, es ist der beste Weg nach vorne«, schrieb er den Mitarbeitern des Elek-troautokonzerns am Dienstag (Ortszeit) in einer Rundmail. Tesla veröffentlichte das Schreiben unter dem maximalen Druck der Finanzmärkte - der schillernde Tech-Milliardär hatte mit seinen Tweets zuvor ein solches Chaos an der Börse ausgelöst, dass der Handel mit der Aktie zwischenzeitlich gestoppt wurde.

Die Turbulenzen begannen zunächst relativ harmlos mit einem Bericht der »Financial Times«: Demzufolge ist Saudi-Arabien mit seinem Staatsfonds in großem Stil bei Tesla eingestiegen und hält mittlerweile drei bis fünf Prozent. Wenn stimmt, was das Finanzblatt von Insidern erfahren haben will, hätten die Saudis nach und nach eine mehrere Milliarden Dollar schwere Beteiligung aufgebaut und wären inzwischen unter den acht größten Tesla-Aktionären.

Dem Aktienkurs gab die Nachricht ordentlich Kursauftrieb. Tesla verliert laufend Geld und hat begrenzte Kapitalreserven, so dass die Aussicht auf einen finanzstarken Partner Anlegern durchaus gefallen dürfte. Der große Paukenschlag folgte jedoch wenig später: Musk verkündete in einem Tweet, er erwäge Tesla bei einem Aktienkurs von 420 Dollar zu privatisieren, also von der Börse zu nehmen. Die Finanzierung dafür sei bereits gesichert.

Nun gab es am Markt kein Halten mehr, Transaktionsvolumen und Aktienkurs schossen in die Höhe, bis die Technologie-Börse Nasdaq den Handel am Nachmittag zwischenzeitlich stoppte. Erst jetzt - Stunden nach Musks erstem Tweet, dem etliche weitere, teils nebulöse Kurznachrichten folgten - sorgte Tesla mit der E-Mail im Firmenblog für Aufklärung. Darin bleibt vieles im Unklaren.

»Vorweg: Eine endgültige Entscheidung wurde noch nicht gefällt«, heißt es in dem Schreiben. Es gehe darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Tesla am besten arbeiten könne, führt Musk aus. Zudem sorge die Pflicht, Quartalszahlen zu veröffentlichen, für enormen Druck.

Musk selbst ging mit diesem Druck zuletzt nicht immer souverän um. Vor gut drei Monaten sorgte der Tesla-Chef bei einer Telefonkonferenz nach Vorlage der Geschäftsergebnisse für einen Eklat, als er Fragen von Analysten als »langweilig« und »nicht cool« ablehnte. Zwar entschuldigte sich Musk jüngst für diesen Fauxpas. Doch insgesamt schien es, als reagierte er in den letzten Monaten, in denen sich Tesla schwer damit tat, seine ambitionierten Produktionsziele beim Hoffnungsträger Model 3 zu erreichen, zunehmend gereizt auf Kritik.

Er glaube, so Musk nun, die Firma sei dann »am besten, wenn wir auf unsere langfristige Mission fokussiert bleiben können und wenn keine perversen Anreize für Menschen bestehen, die versuchen zu gefährden, was wir erreichen wollen«. Das ist ein weiterer Seitenhieb gegen die vielen Finanzspekulanten, die auf Teslas Niedergang wetten.

Letztlich mute Musks Kritik aber fast schon bizarr an, kommentierte das »Wall Street Journal«. Denn tatsächlich habe Tesla von der Börse in großem Stil profitiert und hätte ohne sie nie so viel Geld auftreiben können - die Aktionäre würden seit Jahren über hohe Verluste hinwegsehen.

Musks Planspiele und die Art, wie er sie kommuniziert hat, werfen jedoch noch ganz andere Fragen auf. Mit seinen Tweets hat er den Aktienkurs soweit angetrieben, dass der Börsenwert im Handelsverlauf zeitweise um rund sieben Milliarden Dollar anstieg. Musk schrieb aber nicht nur, die Finanzierung für einen Deal, Tesla von der Börse zu nehmen, sei gesichert. Er orakelte auch, Aktionäre sollten ihre Anteile mit großem Aufschlag veräußern können. Details blieben aber aus.

Für den Tesla-Chef könnte all das Konsequenzen haben. Musk müsse den Nachweis erbringen, dass die Finanzierung tatsächlich stehe, sagte Rechtsprofessor John C. Coffee von der Columbia Law School dem Portal »Yahoo Finance«. »Aber wenn er dies nicht belegen kann, riskiert er einen großen Rechtsstreit.« Die US-Börsenaufsicht SEC wollte zunächst keine Angaben machen, ob die Behörde eine Untersuchung wegen möglicher Marktmanipulationen erwägt.

Für Musk selbst hat sich die Kursrally gelohnt. Die Tesla-Aktie schloss mit elf Prozent im Plus bei 379,57 Dollar - er ist mit rund 20 Prozent der größte Investor seiner Firma. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken