Werbung

Dunkle Wolken über Prora

Mecklenburg-Vorpommern: Wichtiger Investor für einen der Riesenblöcke auf Rügen hat Insolvenz angemeldet

  • Von Hannes Stepputat, Prora
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Nachdem die Inhaberfirma von Block 1 des riesigen Prorarer Gebäudekomplexes dieser Tage Insolvenz angemeldet hat, ist unklar, wie es mit dem Projekt weitergehen wird. Den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens der »Wohnen in Prora Vermögensverwaltungs GmbH & Co. KG« hatte das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bekannt gegeben.

Der Geschäftsführerin zufolge sind die Bauarbeiten weit fortgeschritten - dennoch habe die Bank das Darlehen nicht verlängert. »Wir werden alles dafür tun, das Vorhaben zu Ende zu bringen«, hatte sie dazu gesagt. Die Gemeinde Binz, zu der Prora gehört, war zunächst nicht auskunftsfähig.

Die Immobilienfirma hatte den etwa 450 Meter langen Gebäudeteil im Jahr 2012 gekauft, wollte ihn sanieren und 280 Eigentumswohnungen schaffen. Der Block ist einer von noch fünf erhaltenen Blöcken des riesigen Gebäudekomplexes aus der NS-Zeit. Vollständig fertiggestellt wurde das ursprünglich 4,5 Kilometer lange Ensemble - das KdF-Projekt lief unter dem Namen »Bad der 20 000« - an der Ostküste Rügens in Mecklenburg-Vorpommern jedoch nie. Nach 1945 wurde das Areal unter anderem als Truppenübungsgelände und Ausbildungsstandort der Nationalen Volksarmee genutzt. Nach 1990 wurde Prora unter anderem zum Erinnerungsort für DDR-Wehrdienstverweigerer, die von 1964 an dort als Bausoldaten stationiert waren. Sie bauten etwa am nahen Hafen Saßnitz-Mukran mit.

Heute stehen noch fünf denkmalgeschützte Blöcke auf etwa 2,5 Kilometern Länge, von denen bisher vier nach und nach an private Investoren verkauft wurden. Abgeschlossen ist die Sanierung bisher bei keinem. In ihnen sollen überwiegend Hotels und Eigentumswohnungen entstehen, von denen viele wiederum als Ferienwohnungen vermietet werden dürften. Für den fünften Block läuft derzeit das Vergabeverfahren. Zwei Bieter haben früheren Angaben zufolge Gebote abgegeben, im Oktober soll die Entscheidung über den Zuschlag fallen.

»Es ist uns leider nicht gelungen, einen Block als exemplarischen Prorablock zu erhalten«, bedauert Susanna Misgajski. Sie ist die Leiterin des Bildungs- und Dokumentationszentrum Prora, das dafür sorgen will, dass der historische Hintergrund des Ortes nicht verloren geht. Der Bund habe gerade 3,4 Millionen Euro für das Projekt zur Verfügung gestellt, das mit in den noch nicht verkauften Block 5 ziehen soll, sagt Misgajski. Nach der Sommerpause soll die SPD/CDU-Landesregierung in Schwerin dann klären, wie die Sanierung des Gebäudeteils vonstatten gehen soll. »Wir kommen neben die Jugendherberge, dafür haben wir jahrelang gekämpft«, erzählt Misgajski. Dieser Teil des Gebäudes sei vom Verkauf ausgeschlossen worden, damit das Zentrum später mit den Profitinteressen eines Privatinvestors kollidiert. Momentan werde nach einem gemeinnützigen Träger für die Räume gesucht, das Doku-Zentrum will diese nur nutzen.

Der Binzer Ortsteil Prora soll demnächst zum »Erholungsort« ernannt werden. Vorbehaltlich des zu diesem Zeitpunkt noch ausstehenden Gutachtens zur Luftqualität sowie eines Touristikkonzepts wolle Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) am 17. August die Ernennungsurkunde an die Gemeinde überreichen, wurde im Juli vermeldet. Mit dem Label »Erholungsort« darf die Gemeinde in Prora eine Kurtaxe und eine Fremdenverkehrsabgabe erheben.

Bislang wurden drei Rettungstürme am Strand von Prora gebaut und der Ortsteil mit einer Promenade an Binz angeschlossen. Es fehlen aber noch Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und eine soziale Infrastruktur - Voraussetzung für die Zertifizierung »Seebad«. Zudem muss die Promenade weiter ausgebaut werden. Rund 20 Millionen Euro an öffentlichen Geldern wurden nach Angaben der Kurverwaltung bisher in die Infrastruktur investiert, so in Wege, Toiletten und Rettungstürme. dpa/nd

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen