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Man hätte es lassen können

Ein Treffen von Antifaschisten mit dem AfD-Politiker Brandner blieb ohne Ergebnis

  • Von Sebastian Haak, Weimar
  • Lesedauer: 3 Min.

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Oder soll man es lassen? Diese Frage treibt Menschen in Deutschland um, seit unter anderem Pegida und die AfD um das Jahr 2015 auf der politischen Bühne aufgetaucht sind. Die Frage richtet sich nicht darauf, ob es richtig ist zu versuchen, Menschen, die über das Mittelmeer nach Europa flüchten, vor dem sicheren Tod zu retten. Diese Lesart der Frage hat niemand anders als das selbsternannte Flaggschiff der deutschen Intellektuellen - die Wochenzeitung »Die Zeit« - erst vor wenigen Wochen ins Spiel gebracht; was eine große Kontroverse ausgelöst hat und ein Ausweis dafür ist, wie sehr der gesellschaftliche Diskurs in Deutschland in der jüngsten Vergangenheit nach rechts gerückt ist.

Dagegen wird diese Frage schon lange in jener Lesart diskutiert, ob es richtig ist, überhaupt mit Rechtspopulisten zu sprechen. Denn seit mit Pegida, der AfD, der Identitären Bewegung und ähnlichen Gruppierungen das rechtspopulistische Gedankengut in Deutschland - das nicht neu ist - neue und öffentlich wirkmächtige Ausdrucksformen gefunden hat, haben sich Politiker, Soziologen, Journalisten und alle anderen politisch Aktiven und Interessierten jenseits des rechten Randes immer wieder mit der Frage auseinandergesetzt, ob man mit solchen Menschen über ihre Haltungen nun in einen Dialog treten soll. Ob man die Ängste, die dahinter stehen, öffentlich ganz breit thematisieren muss. Ober ob es nicht doch sehr viel bessere Dinge gibt, die man mit der Zeit anfangen könnte, die man für die dazu notwendigen Gespräche aufwenden muss. Anders ausgedrückt: Oder soll man es einfach lassen?

Die Erfahrung, die die Leitung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora nun in einem Gespräch mit dem AfD-Politiker Stephan Brandner gemacht hat, scheint diese viel diskutierte Frage ziemlich eindeutig zu beantworten. Brandner selbst hatte um dieses Gespräch gebeten, das am Mittwochnachmittag in einem Verwaltungsgebäude der Gedenkstättenleitung auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald stattgefunden hat. Schon im Vorfeld des Termins hatten die Stiftungsmitarbeiter um ihren Direktor Volkhard Knigge klargemacht, dass sie den AfD-Mann nicht zum freundlichen Plausch treffen würden; umso mehr, weil er als treuer Gefolgsmann des Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke gilt und vor seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter im Thüringer Landtag immer wieder durch wüste Beschimpfungen und Herabwürdigungen anderer aufgefallen war. Unter anderem, hieß es in einer Mitteilung der Stiftung vor dem Gespräch mit Brandner, werde dieser Stellung nehmen müssen zu der Behauptung, in Deutschland werde ein »Schuldkult« betrieben, und seiner Forderung, die Erinnerungskultur müsse um 180 Grad gewendet werden.

Nach dem Gespräch ist nun klar, dass man es aus Sicht der Stiftung auch hätte lassen können. Einer Stiftung, die sich schon in der Vergangenheit sehr klar gegen die rechtspopulistischen Umtriebe in Deutschland gewandt hat.

Unmittelbar nach dem Termin teilte die Stiftung nämlich mit, das Gespräch mit Brandner sei »fruchtlos« gewesen. Brandner habe den offensichtlichen Geschichtsrevisionismus in seiner Partei bestritten, »behauptete, gegen die Aussagen von Björn Höcke und Alexander Gauland sei nichts einzuwenden, und bagatellisierte völkische und antisemitische Äußerungen als kurzzeitige Entgleisungen weniger Einzelner«. Ein sachliches Gespräch über ihre Arbeit, so heißt es in der Mitteilung der Stiftung, sei mit Brandner nicht möglich gewesen.

Überrascht zeigte sich Knigge von diesem Resümee nicht wirklich: »Dass das Gespräch fruchtlos geblieben ist, war leider zu erwarten«, sagte er. Die Gedenkstätte Buchenwald werde alles dafür tun, »die inhumanen Ziele der geschichtsrevisionistischen und antidemokratischen Positionen in der AfD aufzudecken und zu durchkreuzen«. Dieses Bekenntnis ganz im Geiste des Schwurs von Buchenwald hatte Knigge allerdings auch schon unmittelbar vor dem Gespräch mit Brandner geleistet. Nicht mal dazu hätte man diesen Dialog, der keiner war, also gebraucht. Man hätte es wirklich lassen können. Das wäre nun geklärt.

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