Townsville ist wieder sicher

In Gefangenschaft gezüchtete Mücken machen dem Denguefieber in der australischen Ostküstenstadt den Garaus

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 3 Min.

Denguefieber ist eine Tropenkrankheit, an die Mitteleuropäer eher selten denken. Doch wer gern in subtropische oder tropische Länder wie Thailand reist, muss sich durchaus mit dem gefährlichen Virus auseinandersetzen. Übertragen wird die Krankheit durch Stechmücken. Eine erste Infektion ist meist kein großes Problem. Bei wiederholter Ansteckung kann die Krankheit tödlich enden. Infizierte Patienten klagen über hohes Fieber sowie starke Muskel-, Gelenk- und Knochenschmerzen - ähnlich wie bei einer Grippeerkrankung. Bei einer zweiten oder dritten Übertragung können innere Blutungen auftreten. Insgesamt erkranken weltweit rund 390 Millionen Menschen jedes Jahr an Denguefieber. Bis zu 25 000 Menschen sterben jährlich daran.

Auch im tropischen Norden Australiens kam es immer wieder zu Ausbrüchen der gefährlichen Krankheit. Doch Forscher haben es zum ersten Mal geschafft, eine gesamte Stadt wieder »sicher« zu machen. Ihnen ist es gelungen, die Krankheit in Townsville an der Ostküste völlig auszumerzen. Gelungen ist dies den Forschern dank spezieller Mücken, die sie mit dem natürlich vorkommenden Bakterium Wolbachia geimpft haben, das die Übertragung des Virus hemmt. Die Mücken wurden zunächst in Gefangenschaft gezüchtet und später in Townsville über vier Regenzeiten hinweg freigelassen. Der 190 000-Einwohner-Ort unterstützte das Projekt - selbst Schulkinder ließen die gezüchteten Mücken frei.

Wie erwartet paarten sich die Tiere mit anderen Moskitos, auch mit Insekten, die Denguefieber übertragen hätten. Auf diese Weise verbreiteten sich die Wolbachia-Bakterien in den Mückenpopulationen. Die Übertragung des Virus wurde eingedämmt und seit vier Jahren ist die Stadt nun völlig frei von Denguefieber.

Die Forscher der Monash-Universität Melbourne glauben, dass auf ähnliche Art und Weise auch anderen von Moskitos übertragenen Krankheiten wie dem Zika-Virus oder Malaria Einhalt geboten werden kann. »Wir haben derzeit nichts, mit dem wir diese Krankheiten verlangsamen können - sie werden sogar noch schlimmer«, sagte Scott O’Neill, Direktor des World-Mosquito-Programms an der Universität. Ihre Studie, die auf der von Bill Gates finanzierten Seite »Gates Open Research« veröffentlicht wurde, sei erstmals vielversprechend. Laut O’Neill gibt es keinen ökologischen Nachteil durch die Freisetzung der Wolbachia-tragenden Moskitos.

In Townsville habe man das Projekt schnell, kostengünstig und effektiv umsetzen können. In weiteren elf Ländern wird das Programm derzeit getestet. Als Nächstes will das Team versuchen, Denguefieber in der indonesischen Stadt Yogyakarta mit knapp 400 000 Einwohnern auszurotten.

Derzeit ist das Denguefieber die häufigste Viruserkrankung, die von Stechmücken übertragen wird. Neben Nordaustralien und Südostasien kommt sie in anderen Teilen Asiens, in Süd- und Mittelamerika sowie Afrika vor. Vor allem Thailand verzeichnet einen Anstieg von Infektionen, sodass das deutsche Centrum für Reisemedizin (CRM) Thailand-Urlauber vor der Krankheit gewarnt hat. Seit Jahresanfang seien über 32 000 Infektionen und 41 Todesfälle gemeldet worden, heißt es auf der Webseite des CRM. Besonders betroffen seien die Region um Bangkok und der Süden.

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