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»Ich muss mich erst zu Ende ärgern«

Robert Harting nach seinem letzten großen Wettkampf

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das letzte Großereignis endete mit Platz sechs. Sie hatten sich mehr erhofft, oder?

Ja, ich fühle mich leer, bin auch etwas bockig. Ich freue mich aber auch, dass es vorbei ist. Es war mental sehr anstrengend. Sportlich gesehen, war mehr drin. Es ist neu für mich, dass es ein ganzes Jahr über nicht richtig läuft. Ich dachte, ich bekomme es noch hin, aber es hat nicht geklappt.

Woran lag es denn?

Ich war sehr nervös, dachte aber mittendrin, dass ich langsam in den Wettkampf reinkomme. Für die ganz große Weite hat aber der berühmte Flow gefehlt.

Sie lagen kurze Zeit auf Rang drei, und Ihre vielen Fans wurden richtig laut.

Das war ganz geil, und ich dachte, das kann ich jetzt mitnehmen. Die Kurve war unglaublich. Für mich war es sogar viel intensiver als beim WM-Sieg 2009. Da ist es natürlich sehr schade, dass dieses Mal der Lucky Punch fehlte.

Was wäre denn drin gewesen?

Ich hatte nie daran gezweifelt, über 65 Meter werfen zu können. Ich hatte mich körperlich wirklich sehr gut gefühlt, aber mental habe ich mich nicht dominiert bekommen.

Haben Sie an etwas Bestimmtes gedacht, als auch der letzte Wurf für eine Medaille nicht weit genug segelte?

In der ersten Sekunde, dachte ich: »Scheiße, das kannst du jetzt nicht mehr geradebiegen, weil du es nie wieder machen wirst.« Auch noch auf der Ehrenrunde musste ich mit mir und meiner Enttäuschung kämpfen. Jetzt verspüre ich gerade sehr viele Gefühle in mir: Es ist erdrückend, aber auch erleichternd, leider nicht berauschend. Ich muss mich erst mal zu Ende ärgern, bevor ich mich dann richtig freuen kann.

War es komisch, dass andere Medaillen gewannen, Sie aber auf eine Ehrenrunde geschickt wurden und Ihnen sogar eine Videomontage auf dem Großbildschirm gewidmet wurde?

Die Idee war schön, viele Leute haben sich Gedanken gemacht. Aber mir war das schon unangenehm. Ich verstehe das Ganze auch nicht. Vielleicht ärgere ich mich später, dass ich den Moment nicht richtig genießen konnte.

Was folgt nun?

Ich habe noch keine Lust, Pläne zu schmieden, aber ich freue mich auf neue Sachen. Dass ich nach dem ISTAF am 2. September aufhöre, steht fest. Darauf freuen sich meine Frau und mein Knie. Vor allem aber mein Kopf, auch wenn ich mit dieser Leistung hier noch hadere. Ich war nun mal bis zur letzten Sekunde Leistungssportler.

Aufgezeichnet von Oliver Kern

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