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Die eigenen Leute

Rechte entdecken nur dann ihre Sorge um deutsche Obdachlose und Arme, wenn es gegen Flüchtlinge geht.

  • Von Paula Irmschler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Rechte Scheinheiligkeit: Die eigenen Leute

Vor einigen Tagen lief ich am S-Bahnhof Sonnenallee in Berlin vorbei. Dort lag ein vermutlich wohnungsloser Mann, bei einer Temperatur von über 30 Grad auf dem Boden. Er hatte die Augen offen und war augenscheinlich hilfsbedürftig, zunächst befürchtete ich sogar, er sei tot. Alle Menschen gingen an ihm vorüber, klar, das sieht man ja ständig, dit is Berlin, man kann nicht allen helfen, die wollen unsere Hilfe ja auch nicht und so weiter, man kennt das Gerede.

Ein Anzugheini trat ihm eine Flasche entgegen, die anderen gaben sich viel Mühe, nicht hinzusehen, sonst hätten sie sehen können, dass sie etwas tun können oder sogar müssen. Es stellte sich heraus, dass er sehr wohl Unterstützung brauchte. Wenn man mal nachfragt, erfährt man nicht selten, dass sie welche brauchen und sei es eben nur ein wenig Kleingeld.

Ich brachte ihm eine Flasche Wasser und half ihm, sich aufzurichten. Man will so weit entfernt sein von der Realität dieser Menschen, man hat sie so entmenschlicht, dass man sich nicht mal ein Gespräch mit ihnen vorstellen kann.

»Wir sollten uns erstmal um unsere eigenen Leute kümmern«, »erstmal vor der eigenen Haustüre kehren«, »haben wir nicht genug Probleme hierzulande?«, »unser Volk muss leiden und den anderen stecken wir alles in den Arsch«, »während bei uns die Leute auf der Straße leben« und so weiter krakeelt es von rechts, sobald Menschen politische Forderungen zugunsten geflüchteter Menschen aufstellen. Wie man hierzulande »die eigenen Leute« behandelt, sieht man genau in diesen Situationen: gar nicht, oder: wie Dreck.

Diese Rechten entdecken die armen Schweine in »ihrem« Land immer erst dann, wenn sie sie instrumentalisieren können, um sich anschließend um gar nichts, und das auch noch mit Recht, zu kümmern. Sobald es um Ausländer geht, ist die Merkel schuld, dass wir Obdachlosigkeit haben, und, wenn es gerade nicht darum geht, sind die Obdachlosen es selbst. Man kann sie so gut instrumentalisieren, weil sie keine Lobby, keine Stimme, keine Aufmerksamkeiten bekommen, weil sie ihnen gar nicht zuhören. Die Argumente liegen wortwörtlich auf der Straße, aber um die Subjekte dahinter schert man sich nicht.

Diese Rechten organisieren keine Suppenküchen, arbeiten nicht als Street Worker, setzen sich auch nicht politisch für sozial Marginalisierte und wirtschaftlich Schwächere ein. Sie bringen die flaschensammelnden Rentner, die Hartz-IV-Betroffenen, die Wohnungslosen oder »unsere Frauen« gegen Flüchtlinge ins Spiel, geben vor, sich für deren Realität zu interessieren, wenn sie aber in der Realität auf sie treffen oder sie selbst Forderungen stellen, scheuchen sie sie von sich und bekämpfen sie sogar, teilweise mit tödlichen Folgen. Aber die barbarischen Sitten, den Egoismus, die Ignoranz und die Dreistigkeit, die bringen natürlich die Flüchtlinge mit.

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