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Im Interesse der NS-Opfer

Neuer Landeschef will mehr junge Leute für Mitarbeit im sächsischen VVN-BdA gewinnen

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Einladung zum Gespräch ist bisher unbeantwortet. Michael Kretschmer redet seit seinem Amtsantritt als sächsischer Ministerpräsident mit allen und jedem; die Offerte des VVN-BdA indes blieb unerwidert. Der Verband der NS-Opfer hatte im Januar einen Brief an den neuen Regierungschef geschrieben und um die Unterredung gebeten; es solle »um unsere Hoffnungen und Erwartungen« gehen und um »mögliche gemeinsame Initiativen« angesichts des Erstarkens der »antidemokratischen Rechten« im Freistaat. Getroffen hat man sich bisher nicht. Immerhin, sagt Silvio Lang, Landeschef der VVN-BdA: Bei Protesten gegen ein Nazifestival in Ostritz und eine Demo der Rechtsaußen-Partei III. Weg in Chemnitz habe der CDU-Mann deutlich Position bezogen: »Wir beobachten das erfreut.«

Lang ist seit Jahresbeginn Vorsitzender des sächsischen VVN-BdA; der Brief war die erste Amtshandlungen des Dresdners, mit dem der Verband einen deutlichen Generationswechsel an der Spitze vollzog. Lang war zu der Zeit 34 Jahre alt - 47 Jahre jünger als seine Vorgängerin Regina Elsner aus Hoyerswerda.

Eine Verjüngung strebe er auch für den Verband als Ganzes an, sagt Lang, der sich im November bei einer Landesdelegiertenkonferenz in dem Amt bestätigen lassen möchte. Die gut 300 Mitglieder des sächsischen VVN-BdA seien zwar »bewundernswert aktiv« in der Gedenkstättenarbeit, bei Schülerprojekten oder Protesten gegen Rechts. Allerdings seien die meisten eher Altersgefährten seiner Vorgängerin als von ihm, sagt Lang. Die Anzahl der Aktiven ist seit Jahren rückläufig. Es komme nun darauf an, »die Arbeitsfähigkeit zu erhalten«, sagt Lang - indem in Struktur und Organisation auf den Rückgang reagiert wird, aber auch, indem der VVN-BdA stärker Jüngere anzieht.

Wie das gehen kann, zeigt das eigene Beispiel von Lang, der sich lange antifaschistisch engagierte, ohne den VVN-BdA wahrzunehmen: Dieser »sagt den wenigsten jungen Antifaschisten etwas«. Wenn sie doch aufmerksam würden, wecke zumindest der erste Teil des Namens zwar Respekt, ermutige aber nicht unbedingt zum Eintritt. »Verfolgte des Naziregimes - das sind wir ja nicht«, sagt Lang. Er habe den Verband aber in der Arbeit als Sprecher des Bündnisses »Dresden nazifrei« als verlässlichen Partner schätzen gelernt - und sich schließlich dort auch engagiert. »Und ›Bund der Antifaschisten‹: Damit können wir Jungen uns ja gut identifizieren«, sagt er.

Für eine Änderung des historisch entstandenen Namens plädiert er indes nicht - nicht zuletzt aus Respekt vor Mitstreitern wie dem Auschwitz-Überlebenden Justin Sonder, aktives Mitglied der Regionalgruppe Chemnitz. An anderer Stelle sieht Lang aber durchaus Bedarf für Neuerungen. So biete das Aufnahmeverfahren mit einer Art Probezeit eine »zu hohe Hürde« in einer Zeit, in der sich viele Menschen am liebsten nur für konkrete Projekte, aber nicht dauerhaft in Organistionen engagieren wollten. Diese und weitere Änderungen in der Satzung will er der Delegiertenkonferenz im November vorschlagen.

Inhaltlich will der Verband weiter zur Erinnerungsarbeit in Gedenkstätten beitragen - etwa in Sachsenburg, wo es nach Jahren fruchtloser Mühe nun voranzugehen scheint, oder auf der Burg Hohnstein, wo derzeit nicht abzusehen ist, dass eine würdige Gedenkstätte für das dortige frühe KZ entsteht. »Wir drängen auf eine aktivere Erinnerungspolitik mit Blick auf die NS-Zeit in Sachsen«, sagt Lang: »Da liegt weiterhin vieles im Argen.« Mitschuld sieht er bei der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, der eine zu einseitige Ausrichtung der Gedenkpolitik vorgeworfen wird. Man dränge darauf, dass die Stiftung »ihre Prioritäten kritisch überdenkt«, und sei »gespannt« auf Ergebnisse einer Evaluation, die demnächst vorliegen sollen. Den Druck erhöhen soll auch die geplante Gründung einer »Landesarbeitsgemeinschaft der NS-Erinnerungsinitiativen«. Der VVN-BdA, sagt dessen Landeschef schon jetzt, »wird dort sehr aktiv mitarbeiten«.

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