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Ambivalente Mikrokredite

Martin Ling über Chancen und Risiken von Geld auf Pump

  • Von Martin Ling
  • Lesedauer: 2 Min.

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30 Dollar oder 30 Euro Kredit können helfen: um Saatgut zu kaufen, aus dem Getreide wird, um Fisch zu kaufen, aus dem Räucherfisch wird. Wenn das Kalkül der Kreditnehmer oder -nehmerin aufgeht, kann der Mikrokredit einen Weg aus der Armut weisen.

Vor zehn Jahren begann die UN-Entwicklungskonferenz UNCTAD mit der Arbeit an einem virtuellen Mikrofinanzmarkt. In jener Zeit wurden Mikrokredite von vielen Entwicklungspolitikern als Wunderwaffe im Kampf gegen die Armut gepriesen.

An schönen Slogans fehlt es weiterhin nicht. »Impact Investing« zum Beispiel. Bei diesem Ansatz, der auch im Mikrokreditsektor gepflegt wird, kommt es gleichermaßen auf eine finanzielle wie »soziale« Rendite an. Finanziell lohnt es sich für den Kreditgeber, sozial für den Kreditnehmer.

Keine Frage: Mikrokredite haben in den vergangenen Jahren Millionen Menschen Möglichkeiten verschafft, die sie ohne diese Geldmittel nicht gehabt hätten. Sie haben vielfach den Beweis erbracht, dass sie Menschen einen Ausweg aus ihrer Misere bieten können, wiewohl nicht zwangläufig müssen. Denn die Zinsen sind hoch, 25 bis 30 Prozent sind üblich, weit mehr nicht selten. Hohe Zinsen bedeuten hohes Risiko. So wurden viele Arme durch Mikrokredite in die Überschuldung getrieben. Ob in Indien oder Afrika haben sich aus Scham und Verzweiflung vor allem Frauen das Leben genommen, weil sie Zinsen und Raten nicht mehr bedienen konnten. Der Kredit entpolitisiert die existenzielle Frage des Überlebens und ökonomisiert sie in marktangepasster Form. Damit wird zwar im Erfolgsfall ein Beitrag zum sozialen Frieden geleistet. Platzt jedoch der Kredit, bedeutet das das soziale Aus für den Kreditnehmer. Mit oft tödlichen Folgen. Staat lässt sich mit Mikrokrediten nicht machen.

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