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Türkei ringt um Finanzstabilität

Zentralbank erhöht Liquidität für Banken / Außenminister Cavusoglu setzt auf Konsens mit den USA

  • Von Kurt Stenger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Kursverfall der türkischen Währung hält auch in der neuen Woche an. Im Morgenhandel verlor die Lira in Asien am Montag weitere zwei Prozent. Die Währung hat seit Jahresbeginn gegenüber Dollar und Euro über 70 Prozent an Wert verloren. Ende vergangener Woche ging die Abwertung zeitweilig in den freien Fall über, als zusätzliche Strafzölle der USA gegen türkische Stahlimporte als Reaktion auf die Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei bekannt wurden.

Die Zentralbank in Ankara reagierte mit Notfallmaßnahmen zur Stabilisierung der Lira. Sie kündigte am Montag die Bereitstellung zusätzlicher Devisen und verringerte Reserveanforderungen an bestimmte Währungsgeschäfte an, damit sich die Geschäftsbanken weiter ausreichend mit Dollar und Euro eindecken können. Die Erhöhung der Liquidität soll die Flucht aus der Lira begrenzen und damit den Abwertungsdruck verringern.

Eigentlich müsste die Zentralbank die Leitzinsen deutlich erhöhen, um gegen die grassierende Inflation vorzugehen, die zuletzt bei 15 Prozent lag. Die Teuerung ist auf steigende Importpreise zurückzuführen. Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte jedoch erneut öffentlich, die Zinsen niedrig zu halten, was Beobachter als Eingriff in die Unabhängigkeit der Zentralbank ansehen und das Vertrauen in die türkische Wirtschaft weiter schwächt.

Türkische Unternehmen und Banken haben den jahrelangen Aufschwung mit niedrig verzinsten Fremdwährungskrediten finanziert, deren Bedienung durch die teureren Devisen zunehmend schwierig wird. Erdogan appellierte jetzt an heimische Unternehmen, nicht Insolvenz anzumelden: »Wenn ihr das macht, begeht ihr einen Fehler!«

Die türkische Justiz geht derweil gegen die Verbreitung von »Falschmeldungen« vor. Erdogan hatte die Türken aufgefordert, Devisenbestände in Lira zu wechseln, um die Währung zu stützen. Da dies kaum befolgt wird oder kaum Wirkung zeitigt, gibt es Spekulationen, die Regierung wolle Konten in ausländischer Währung in Lira umwandeln. Staatsanwälte ermitteln wegen Gefährdung der wirtschaftlichen Sicherheit gegen die Betreiber von 346 Konten in sozialen Medien.

Finanzminister Berat Albayrak dementierte solche Pläne und kündigte ferner einen Aktionsplan an, der unter anderem Hilfen für Kleinunternehmen vorsehe. Auch Außenminister Mevlüt Cavusoglu versuchte zu beschwichtigen. Die Türkei sei an einem Konsens mit den USA interessiert und offen gegenüber diplomatischen Initiativen, sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Aufzwingen lasse sie sich aber nichts.

Erdogan hatte zuvor die USA wegen der Sanktionen bezichtigt, einen »Wirtschaftskrieg« gegen die Türkei zu führen. Die NATO sieht bislang keinen Anlass, sich in den eskalierenden Streit zwischen den Bündnispartnern USA und Türkei einzuschalten. »Das ist eine bilaterale Angelegenheit«, sagte eine Sprecherin von Generalsekretär Jens Stoltenberg. Mit Agenturen

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