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Das Filmdrama »In the Middle of the River« erinnert an jene Schichten, über die die kapitalistische Wirklichkeit hinwegrollt

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New Mexico, am Rande eines Reservats, Arbeiterklasse, Armut allenthalben, Posttraumatische Belastungsstörung und Rassismus, eine Familie von vier Generationen lebt unter einem Dach, Nachwuchs ist früh gekommen, Aussichten liegen bei null. Hier ist unten. Wer tiefer will, muss schon den Kontinent verlassen. Das Filmdrama »In the Middle of the River« erreicht nicht die bildliche und sprachliche Poesie des - was den Stoff angeht - verwandten Meisterwerks »Wind River«, hat das aber auch nicht vor.

Gabriel, Irak-Heimkehrer, ist kein Held, er ist kaputt wie alle anderen. Als er vermutet, sein Großvater könne mit dem Tod seiner Schwester zu tun haben, will er ihn töten. Doch er erkennt im Feind sich selbst, und es wird kompliziert. Man fragt ihn, was er aus dem Krieg gelernt habe. Ga᠆briel schweigt kurz und antwortet: »Dass jedes Leben wertvoll ist.«

Drei Revenge-Storys werden verflochten, und man hat nicht immer gleich raus, wer mit wem wie steht. Ein Junge will sich an einer feindlichen Gang rächen, eine Frau wurde vergewaltigt, und ihr vergeblicher Kampf um Aufklärung endet in einem Strafakt, der im mittelalterlichen »Sachsenspiegel« als »Wüstung« festgehalten wurde. Und dann eben Gabriel, der sich zwischen Wahrheit und Rache entscheiden muss. Nie kommt der Film zur Ruhe; er fühle sich, sagt Gabriel, wie in der Mitte des Flusses. Armut und vollständige Abwesenheit von Hoffnung machen ein Leben, das selbst für den Heimkehrer nur Synonym für Kampf ist und eigentlich alle menschlichen Beziehungen zerstört. Die Familie ist kaum mehr als die Fortführung dieses ubiquitären Kampfs. Jeder scheint vor allem mit sich beschäftigt. Solidarität gibt es selten, Anteilnahme vor allem in Form verbaler Gewalt. Man ist schon dankbar, wenn man bloß angeschrien wird. Ein kurzer Moment der Ruhe zwischen Onkel und Neffe, und dann geht es weiter, unerbittlich wie das Schlagen einer Aorta.

Damian John Harpers Film ist kein Werk der Gedanken, er erinnert naturalistisch an die Existenz jener Schichten, über die die kapitalistische Wirklichkeit unerbittlich hinwegrollt. Entsprechend sind die Toneffekte; ein ununterbrochenes intensives Hämmern und Dröhnen im Hintergrund, das den Kinobesuch regelrecht physisch macht.

Nahaufnahmen und Handkamera reproduzieren das visuell. Nie erhält man ein wirkliches Gefühl für den Raum, und das Format ist mit 1,85 : 1 sogar recht großzügig gewählt. Wie Hitchcocks »Rope« (»Ein Cocktail für eine Leiche«, USA 1948) hat der Film wenig Schnitte. Lange Kamerafahrten, die eigentlich Orientierung im Raum ermöglichen, bewirken hier aufgrund der hektischen Führung das Gegenteil. Anders als in Filmen wie »Russian Ark«, »Viktoria« oder zuletzt »Bushwick« will das Mittel der langen Einstellungen hier tatsächlich etwas aussagen.

»In the Middle of the River«, USA/ Deutschland 2018. Regie/Drehbuch: Damian John Harper; Darsteller: Eric Hunter, Nikki Lowe, Max Thayer.

113 Min.

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