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Extensive Ausbeutung, Volksaufstand, Demokratiebewegung

Südkoreas steiniger Weg vom Militärregime zur bürgerlichen Republik / Präsident Moon ist ein »Produkt« der Aufstände der 80er Jahre

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Die Republik Korea (Südkorea) in den 1970er Jahren: Die Militärdiktatur unter Park Chung-Hee sitzt fest im Sattel. Als »Frontstaat« im Kalten Krieg genießt das Regime uneingeschränkte Unterstützung seitens seiner engsten Verbündeten, den USA. Die Generäle haben unter ihrer Herrschaft wirtschaftliche Großunternehmen - so genannte Finanzkonglomerate (chaebol) - heranwachsen lassen und mit Hilfe großzügig gewährter Subventionen aufgepäppelt. Deren Eigentümer und Bosse verschrieben sich im Gegenzug mit Haut und Haaren den staatlichen »Ordnungskräften«.

Unabhängige Gewerkschaften sind verboten, aufmüpfige Arbeiter werden von staatlichen oder firmeneigenen Greiftrupps sofort »ausgeschaltet«. Es herrschen laut der in Genf ansässigen Internationalen Arbeitsorganisation mit durchschnittlich 54,4 Wochenstunden die weltweit längsten registrierten Arbeitszeiten. Arbeitsunfälle im »wachstumsorientierten« Land sind an der Tagesordnung. Eine unabhängige Presse, die darüber hätte berichten können, existiert nicht. Die Medien sind ebenso geschurigelt wie kritische Stimmen aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur.

»Sam-Min« wurde seit Beginn der 80er Jahre zum Schlüsselbegriff einer Bewegung, die damit gleichzeitig ihre programmatischen Ziele formulierte. Sam-Min, die »drei Min«, stehen als Kurzformel für drei Begriffe, die jeweils das sinokoreanische »Min« (Volk) als Wortbestandteil enthalten: Minjok (Nation), Minju (Demokratie) und Minjung. Für Letzteres findet man im Lexikon »Volk, Masse, die Massen« als Übersetzung. (*)

Die Sam-Min-Bewegung versteht sich als eine Bewegung zur Verwirklichung der Demokratie, zur Selbstverwirklichung der Nation - was an allererster Stelle den Gedanken der Unabhängigkeit von außen und der Wiedervereinigung einschließt - sowie zur Befreiung und Entfaltung des Minjung. Unter diesen Slogans versammeln sich Kräfte und Strömungen unterschiedlicher Herkunft und Zielrichtung: von den in unseren politischen Kategorien am ehesten noch als »sozialreformerisch« zu bezeichnenden gemäßigten Präsidenten wie Kim Dae-Jung und Teilen der parlamentarischen Opposition bis hin zu eindeutig sozialrevolutionär und antiimperialistisch orientierten Gruppen und Strömungen der Studenten-, aber auch der Arbeiter- und Bauernbewegung.

Im Frühjahr 1987 war die innenpolitische Lage dermaßen angespannt, dass der neue Militärmachthaber Chun Doo-Hwan offen erwog, wie schon 1980 nach dem Aufstand in der südöstlichen Millionenstadt Gwangju das Kriegsrecht zu verhängen. Das Militär sollte zur »Eindämmung von Unruhen« eingesetzt werden. Das allerdings rief flugs jene gewieften Krisenmanager im US-Außen- und Verteidigungsministerium auf den Plan, die sich ein Jahr zuvor auf den Philippinen - in der Endphase der Präsidentschaft von Ferdinand Marcos - buchstäblich die Klinke in die Hand gegeben hatten, um in dem Inselstaat eine im Interesse Washingtons »geordnete Übergangslösung« herbeizuführen.

Während Chun starr an seinem eisernen Kurs festhielt, ging sein ehemaliger Generalskumpan Roh Tae-Woo zunächst vorsichtig, dann - mit US-Rückendeckung - beherzt auf Distanz zu seinem langjährigen Mentor. Im Sommer 1981 hatte der Vier-Sterne-General Roh seine Armeeposten aufgegeben - als Chef des Defense Security Command war er an der blutigen Niederschlagung des Kwangju-Aufstands beteiligt -, um fortan als Zivilist Schlüsselpositionen zu bekleiden und seine Kontakte mit den außermilitärischen Eliten zu verstärken.

Bereits seit dem Frühjahr 1987 hatte Roh keine Gelegenheit ausgelassen, Dialogbereitschaft mit Oppositionellen zu signalisieren. Als Chun klar wurde, dass sein Kurs keinerlei Erfolgschancen hatte, trat er die Flucht nach vorn an. Am 10. Juni jenes Jahres ernannte er Roh zu seinem Nachfolger und verschwand von der politischen Bühne. Als Roh drei Wochen später seine »Acht-Punkte-Erklärung« verkündete, mutierte der Ex-General quasi über Nacht zum »Demokratiebringer«. Durch die nahezu wortgetreue Übernahme der zentralen Forderungen der (parlamentarischen) Opposition trug er maßgeblich zu deren Lähmung bei.

Zwar gewann Roh aufgrund der Zersplitterung der parlamentarischen Opposition die Präsidentschaftswahl Ende 1987, doch mit dem Ende seiner Amtszeit (1993) endete auch die Ära der Militärs. Seitdem konnten die Demokratiebewegungen der 80er Jahre eine Wende und Öffnung einleiten, die auch die »Sonnenscheinpolitik« vis-à-vis dem Norden ermöglichten. Der heutige Präsident Moon Jae-In war in jenen politisch turbulenten Zeiten ein politisch aktiver Student, der zeitweise der Universität verwiesen wurde. Rainer Werning

(*) Dieser klassenunspezifische Terminus ließe sich am ehesten mit »denen da unten« übersetzen, womit sämtliche Personen und Gruppen gemeint sind, die gesellschaftlich ausgegrenzt, politisch entrechtet, kulturell unterdrückt und sozial gedemütigt sind.

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