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Salvini schürt weiter Rassismus

Italiens Innenminister lobt öffentlich Zugführer, der gegen Roma gehetzt hatte

Raffaele Ariano, wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Mailänder Institut, wollte in der vergangenen Woche seine Eltern in Cremona besuchen. Im Zug Mailand-Modena hörte der 32-Jährige eine schockierende Durchsage: »Die Fahrgäste werden gebeten, Sittenstrolchen kein Geld zu geben. Sie und alle Zigeuner sollen auf der nächsten Station aussteigen, denn sie gehen uns auf die Eier«. Ariano, schockiert über die Ansage und sich selbst betroffen fühlend, zeigte den Zugführer des Regionalexpress umgehend beim Betreiber Trenord an - das Unternehmen reagierte und verfügte die Entlassung des Mitarbeiters.

Was folgte, war ein Hasssturm seitens der Rechten. Parteigänger der Lega veröffentlichten in sozialen Netzwerken Namen, Foto und Adresse des couragierten Bürgers. Eine Fülle von Beschuldigungen und Drohungen erreichten den jungen Mann, so dass sich seine Mutter entschloss, in einem offenen Brief an Staatspräsident Sergio Mattarella zur Verteidigung ihres Sohnes aufzurufen.

Dass sich Hassparolen aus den Reihen der Lega-Anhänger sowie der neofaschistischen Casa Pound und Forza Nuova häufen, kann in direktem Zusammenhang mit Äußerungen des Lega-Chefs und Innenministers Matteo Salvini gewertet werden. Auf einer Veranstaltung hatte sich Salvini vor den Zugführer gestellt: »Der Mann gehört nicht entlassen, sondern ausgezeichnet, weil er sich für die Sicherheit der Passagiere engagiert hat.« Es seien »falsche linke Rücksichtsnahmen, die die Verhältnisse in den Pendelzügen zuließen«, ließ er wissen. Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich Salvini mehrfach gegen Roma geäußert, unter anderem eine Zählung vorgeschlagen und über mögliche Ausweisungen öffentlich meditiert. Die Äußerungen des Lega-Chefs fallen bei den italienischen Rechten auf fruchtbaren Boden, das Klima des Hasses gegen Schwarze und Minderheiten wächst, rassistische Übergriffe nehmen zu. Ende Juli gingen zwei Italiener in Aprilia auf einen Marokkaner los und prügelten ihn zu Tode. Die afro-italienische Diskuswerferin Daisy Osakue wurde aus einem fahrenden Auto mit Eiern beworfen und am Auge verletzt. Mitte Juli wurde in Latina eine an der Bushaltestelle wartende Gruppe Nigerianer aus einem Auto beschossen, zwei Männer wurden dabei verletzt. In Rom schoss ein Mann vom Balkon seiner Wohnung auf ein einjähriges Roma-Mädchen.

Staatspräsident Mattarella verurteilte die Tat scharf: »Italien darf nicht zum Wilden Westen werden, wo sich jemand ein Gewehr kauft und auf ein einjähriges Mädchen feuert.« Auch die Opposition verurteilte den ansteigenden Rassismus im Lande mit deutlichen Worten und beklagte, dass Innenminister Salvini den steigenden Rassismus im Lande leugnete.

Der indes spielt das Thema herunter. Die Anzeige Arianos sowie den nach den Drohungen gegen ihren Sohn verfasste offene Brief der Mutter an den Präsidenten bezeichnete Salvini nur als »Aktion von Leuten, die Publicity suchten«.

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