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Standards für Bahnsicherheit gefordert

Rheinland-Pfalz: Anstieg bei Angriffen auf DB-Mitarbeiter

  • Von Hans-Gerd Öfinger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zugbegleiter und andere Beschäftigte öffentlicher Bahn- und Busunternehmen mit Kundenkontakt leben gefährlich. Auch in Rheinland-Pfalz sehen sie sich zunehmend Gewalt ausgesetzt: Laut Bahngewerkschaft EVG registrierte die Deutsche Bahn allein im Mai dieses Jahres 105 Übergriffe im dortigen Regionalverkehr. »Die Zahlen der anderen Bahnen sind da noch nicht berücksichtigt«, so Lars Kreer, Leiter der Mainzer EVG-Geschäftsstelle. Damit habe sich die Zahl leichter und schwerer Körperverletzungen von DB-Beschäftigten seit 2013 verdoppelt.

Kreer zufolge gehören die Gewalttäter in Zügen allen gesellschaftlichen Schichten an - vom rabiaten Fahrgast, der bei der Fahrscheinkontrolle ausrastet, über den alkoholisierten Fußballfan bis hin zum Wohlhabenden im teuren Anzug, der mit seinen Luxusschuhen demonstrativ auch die Sitzfläche gegenüber in Beschlag nimmt. Zugbegleiterinnen beklagen zudem sexuelle Übergriffe.

Vor diesem Hintergrund ging der EVG-Landesvorstand dieser Tage mit einem Sieben-Punkte-Programm an die Öffentlichkeit, das weit über die Forderung nach einer verstärkten Präsenz der für den Bahnverkehr zuständigen Bundespolizei an Bahnhöfen hinaus. »Kein Wettbewerb auf Kosten der Sicherheit«, lautet eine zentrale EVG-Forderung. Dem liegt die Erfahrung zugrunde, dass manche Privatbahn aus Kostengründen auf eine gründliche Ausbildung ihrer Zugbegleiter verzichtet. Die zuständigen Zweckverbände und Aufgabenträger der Kommunen müssten daher bei den Verfahren zur Vergabe von Verkehrsleistungen an Unternehmen qualifizierte Sicherheitskonzepte und Mindeststandards bei der Aus- und Weiterbildung von Zugbegleitern einfordern, verlangt die EVG.

Dazu gehören laut EVG-Programm auch einheitliche Standards für Sicherheitsdienstleistungen wie etwa Videotechnik oder der Einsatz von Bodycams. Darüber hinaus sei es notwendig, auf ausnahmslos allen Zügen des Regionalverkehrs Zugbegleiter einzusetzen, »um das Sicherheitsgefühl der Reisenden zu stärken«. Vor allem abends und an Wochenenden sowie bei Großveranstaltungen sei eine Doppelbesetzung notwendig. »Das ist oftmals ein besserer Schutz als die beste Technik«, so Kreer gegenüber »nd«.

Von der Mainzer Landesregierung fordert die EVG eine zentrale Datenbank zur Erfassung aller Vorfälle im Land. Hierfür müssten aber auch alle Verkehrsunternehmen verpflichtet werden, Übergriffe auf Beschäftigte umgehend zu melden. Eine weitere Forderung zielt auf die regelmäßige Weiterbildung und Qualifizierung aller Beschäftigten mit Kundenkontakt ab. So könnten Gefahrensituationen frühzeitig eingeschätzt und unter Umständen auch abgewehrt werden. Regelmäßige Deeskalationsschulungen müssten aktualisiert und intensiviert werden, so Kreer.

Nicht zuletzt sei aber auch Zivilcourage seitens der Zeugen eines Übergriffs gefordert, betont der Gewerkschafter. So könnten manchmal auch Aufmerksamkeit und ein beherztes Eingreifen Gefahren abwehren. »Dass Beschäftige von Verkehrsunternehmen und Reisende, die von Gewalt bedroht sind, oftmals keine Hilfe erhalten, sondern Zeugen stattdessen einfach wegsehen, macht betroffen«, so Kreer. Er mahn »eine Kultur des respektvollen Umgangs und Miteinanders von Fahrgästen und Beschäftigten« an. Von der der Politik, Vergabestellen und Bahnmanagern will die EVG eine rasche Umsetzung des Sieben-Punkte-Programms einfordern.

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