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Stromzäune gegen Canis Lupus

60 Wolfsrudel leben derzeit in Deutschland - Wolfsland Nummer eins ist Sachsen

  • Von Miriam Schönbach, Rietschen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Der Wolf (Canis lupus) sorgt immer öfter für Konflikte mit Nutztierhaltern. Nach Angaben des Herdenschutzbeauftragten André Klingenberger sind in Sachsen seit Beginn des Jahres 62 Meldungen eingegangen, dass Nutztiere gerissen worden seien. »In 25 Fällen konnte der Wolf tatsächlich als Verursacher festgestellt werden oder nicht ausgeschlossen werden«, sagte der Mitarbeiter des Staatsbetriebs Sachsenforst am Dienstag in Rietschen (Kreis Görlitz). Mehr als 100 Nutztiere wurden bei den diesjährigen Wolfsattacken getötet. In nur neun dieser Fälle waren die Tiere unzureichend geschützt.

Im vergangenen Jahr gab es in Sachsen 67 Angriffe von Wölfen auf Schaf- oder Ziegenherden, bei denen knapp 280 Tiere getötet wurden. Dabei würden sich die Schäden nicht gleichmäßig auf das gesamte Wolfsgebiet in Sachsen verteilen, sagte Klingenberger. Vor allem von neu etablierte Rudel gehen auf Herden los. Eine Ausnahme bildet offenbar auch das ältere Rosenthaler Rudel, das in den vergangenen Jahren sogar geschützte Herden angriff.

Um Herden besser zu schützen, läuft nun ein einjähriges Modellprojekt in Sachsen - mit stromführenden Drähten an den Zäunen. Es richtet sich an Schaf- und Ziegenhalter, die ihre Tiere mit sogenannten Festzäunen schützen. Der Freistaat fördert die Schutzmaßnahmen aus der Richtlinie »Natürliches Erbe« mit 80 Prozent der Nettokosten. Neben André Klingenberger im östlichen Sachsen gibt es für Tierhalter im westlichen Sachsen einen weiteren Ansprechpartner.

»Der Staat kann Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Ich möchte aber auch an die Eigenverantwortung der Tierhalter appellieren, dass sie den Mindestschutz einhalten«, sagte der Herdenschutzbeauftragte. Denn Wölfe breiten sich immer mehr aus. Dem jüngsten bundesweiten Wolfsmonitoring zufolge wurden von Mai 2017 bis April 2018 insgesamt 60 Rudel, 18 Paare und zwei territoriale Einzeltiere nachgewiesen. »Die Entwicklung hat in Sachsen begonnen, inzwischen leben die meisten Wölfe aber außerhalb des Freistaats. Wir gehen aber davon aus, dass wir auch in Sachsen weitere Zuwächse haben werden«, sagte Ilka Reinhardt vom Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung in Deutschland.

In Sachsen gab es im Erhebungszeitraum 17 Rudel und vier Paare. »Längere Zeit war nur das Gebiet zwischen A15 in Brandenburg und A4 in Sachsen von Wölfen besetzt. Dann haben wir aber gemerkt, dass sich weitere Rudel dazwischen gequetscht haben, interessanterweise wurden sie oft durch die Töchter einer Fähe neu etabliert«, sagte Reinhardt.

Das Kommen und Gehen von Rudeln beschreibt Reinhardt wie eine Wellenbewegung: Wolfsfamilien rücken in neue Regionen vor oder verschwinden auch mal gänzlich wieder. Diese hohe Dynamik mache das Wolfsmonitoring so schwierig. Auch für das aktuelle Forschungsjahr sei die Auswertung der Genetikergebnisse noch nicht abgeschlossen. Deshalb könne es bei der Anzahl der Rudel noch Verschiebungen geben.

In Sachsen rechnet die Wolfsexpertin damit, dass sich die Wolfspopulation in Richtung Süden und in den westlichen Teil des Landes ausbreitet. »Weitere Ausbreitung wird es vor allem außerhalb der Lausitz geben«, sagte sie.

Das Lupus Institut liefert der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) Zahlen. Wölfe leben seit 1996 wieder in Deutschland. Die ersten Tiere kamen aus Polen in die Lausitz. Eine Monitoringjahr dauert jeweils vom Mai des Vorjahres bis zum April des folgenden Jahres. dpa/nd

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