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  • Brückeneinsturz in Genua

Suche nach Verantwortlichen

Bislang 42 Tote nach Einsturz einer Autobahnbrücke im italienischen Genua

  • Von Wolf H. Wagner, Florenz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Italien steht unter Schock. Bislang sind 42 Tote aus den Trümmern der eingestürzten Autobahnbrücke über den Fluss Polcevera in Genua geborgen worden. Allerorts fragt man nach Ursachen und sucht Verantwortliche.

Die Vizeregierungschefs Luigi Di Maio (Fünf-Sterne-Bewegung) und Matteo Salvini (Lega) erklärten noch unter dem Eindruck der jüngsten Ereignisse, man werde die Verantwortlichen für das Unglück in Genua ausfindig machen und entsprechende Sanktionen verhängen. Eine Summe wurde auch schon genannt: Das Unternehmen Autostrade per l’Italia - Besitzer und Unterhalter auch der betroffenen A10 - soll für die entstandenen Schäden eine Geldstrafe in Höhe von 150 Millionen Euro bezahlen.

Transportminister Danilo Toninelli forderte den Rücktritt der Führungsspitze des Autobahnkonzerns und stellte Überlegungen an, ob man nicht das ganze Netz in die Hände der staatlichen Straßengesellschaft Anas geben sollte. Schnelle, vielleicht gar vorschnelle Überlegungen angesichts der Tatsache, dass der Einsturz der Ponte Morandi kaum 24 Stunden her war, als sie geäußert wurden - und die Ursachen noch längst nicht geklärt sind.

Allerdings geben Experten zu bedenken, dass der Brückeneinsturz symptomatisch für die wirtschaftliche Lage, insbesondere die Infrastruktur des Landes sei. Mehr als 300 Brücken und Tunnel im Autobahnnetz seien derzeit akut gefährdet. Angaben des Nationalen Forschungsrates (CNR) zufolge, soll die Zahl sogar bei über 1000 liegen.

Erst vor zehn Tagen stürzte ein Brückenstück der Verbindung Palermo-Agrigento ein. Am 19. April stürzte ein tonnenschweres Betonstück auf die Umgehungsstraße von Fossano (Cuneo), getroffen wurde ein Fahrzeug der Carabinieri, die Soldaten wurden verletzt.

Am 28. Oktober 2016 brach eine Autobahnüberführung unter der Last eines Lkw in Brianza ein, ein Toter und drei verletzte Kinder waren zu beklagen. Am 10. April 2015 brachen vier Brückenpfeiler der A19 Palermo-Catania nach einer Schlammlawine. Diese Aufzählung lässt sich fortsetzen. Die meisten Brücken und Viadukte der italienischen Autobahnen sind mehr als 50 Jahre alt und haben ihre bei der Projektierung vorgesehene Lebensdauer längst überschritten. Auch die Ponte Morandi in Genua befand sich zurzeit in einer Rekonstruktionsphase. 20 Millionen Euro sollten für Reparaturarbeiten investiert werden.

Bereits im Jahre 2016 hatte der Ingenieur Antonio Brencich die Konstruktion der Ponte Morandi als ein »Scheitern der Ingenieurskunst« bezeichnet. Die Kosten für die ständige Instandhaltung, so der Dozent an der Universität von Genua, überstiegen bereits um ein Vielfaches die Baukosten. Einzig wahre Lösung wäre ein Abriss und der Neubau der Trasse. Schon in den 1980er und 1990er Jahren hatte die Überführung über den Fluss Polcevera Schäden aufgewiesen. Pfeiler hatten sich gesenkt, Teile der Betonfahrbahn waren herabgefallen und mussten ersetzt werden. Nach Brencich hatte der konstruierende Ingenieur Riccardo Morandi die Zusammensetzung der Beton-Stahl-Konstruktion nicht richtig berechnet.

Die Aktien der Atlantia S.p.A (AG) brachen nach dem Unglück um 5,7 Prozent ein. Die Aktiengesellschaft, deren Tochtergesellschaft das für die Brücke verantwortliche Unternehmen Autostrade per l’Italia ist, wird kontrolliert von der Familie Benetton - und ist Betreiber von etwa 56 Prozent des italienischen Autobahnnetzes.

Kurz nach der Ankündigung des Vizepremiers und Innenministers, man werde die Verantwortlichen bestrafen, ergoss sich eine Flut von Beschimpfungen über die Familie Benetton sowie auch über den Benetton-Fotografen Oliviero Toscani. Der Tenor: Man habe die Gewinne aus dem Betrieb der Autobahnen nicht ausreichend für ihre Instandhaltung reinvestiert. Dies allerdings gilt nicht nur für die privat betriebenen, sondern auch für staatliche, regionale und Provinzverkehrsverbindungen.

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