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Alter schützt vor Leistung nicht

Gesundheitsbotschafterin Heike Drechsler, einst Sportstar, ist in Sorge wegen der Lebensweise der Brandenburger

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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22 Goldmedaillen im Sprint und im Weitsprung hat die Leichtathletin Heike Drechsler bei internationalen Wettkämpfen gewonnen, doch »wenn ich lange sitze, dann zwickt es schon mal im Rücken«. Allerdings weiß die 54-Jährige ein Mittel dagegen: Bewegung. »Ich fühle mich danach besser, und auch der Kopf wird freier.«

Als Gesundheitsbotschafterin der Krankenkasse Barmer saß Drechsler am Mittwoch in Potsdam dabei, als der Gesundheitsreport 2018 vorgestellt wurde. In der Tat ist »Bewegung« die erste Antwort auf die Frage der Studie: »Was fehlt eigentlich den Brandenburgern?« Bewegung fehlt laut Befund allen Altersgruppen.

Die Brandenburger sind länger und häufiger krank als Menschen in den meisten anderen Bundesländern. Es steht in den Werten auf eine Stufe mit Sachsen-Anhalt. Nur die Thüringer sind noch länger krank geschrieben. Entweder sie gehen später zum Arzt oder die Vorbeuge ist schlechter, mutmaßt Barmer-Geschäftsführerin Gabriela Leyh. Erstaunlich auch: Die Menschen in Frankfurt (Oder) sind der Studie zufolge deutlich seltener krank als die Menschen in Potsdam, Cottbus und Brandenburg/Havel. Merkwürdig weiterhin: Oft sind die Frauen, die ja im Durchschnitt deutlich länger leben, häufiger krank als die Männer. An Depressionen leiden Frauen mehr als doppelt so häufig wie Männer, auf Veränderungen und schwere Belastungen reagieren sie ebenfalls mehr als doppelt so oft mit Erkrankungen. Über Rückenschmerzen klagen wiederum Männer häufiger als Frauen. Auch verletzen sich Männer häufiger als Frauen, was auf eine weniger bedachtsame Lebensweise gerade jüngerer Männer zurückgeführt wird.

Beim Krankenstand stehen Berufsgruppen wie Bus- und Straßenbahnfahrer, Altenpfleger und Berufskraftfahrer an der Spitze. Die hohen Krankenstände bei Lehrern und Polizisten sind nicht vermerkt, weil Lehrer und Polizisten als Beamte nicht gesetzlich, sondern privat krankenversichert sind.

»Alter schützt vor Leistung nicht«, sagte Heike Drechsler. Dass an brandenburgischen Schulen Süßwarenautomaten stehen, findet die einstige Ausnahmeathletin »furchtbar«. Ein Zuviel an Zucker sei derzeit das größte unter den Ernährungsproblemen und in der Kindheit würden lebenslange Essgewohnheiten nun einmal eingeübt. Aber entscheidend sei die Balance. »Nach viel Bewegung, sind den Kindern ein paar Süßigkeiten zu gönnen«, findet Drechsler.

Ihre Erfahrungen hat die Ex-Leistungssportlerin in dem neu erschienenen Buch »Mach dich fit mit Heike Drechsler« zusammengefasst. »Vor 20 oder 30 Jahren hätte ich keine Veranlassung gehabt, ein solches Buch zu schreiben«, sagte sie. Doch inzwischen würden die Deutschen in einer Welt leben, in der alles auf Bewegungsvermeidung ausgerichtet sei. In ihrer Heimatstadt Gera aber könne sie die Misere sehen: Kinder, die sich vor den Bildschirmen krümmen, statt an die frische Luft zu gehen und die Umgebung aktiv zu entdecken. »Wo ich aufgewachsen bin, standen Bäume, wir haben uns als Kinder im Alltag immer bewegt.« Nun aber erwachse aus dem verbreiteten Bewegungsmangel auch das Problem, dass Menschen immer weniger leistungsfähig seien. Zwischen 30 Minuten und einer Stunde gab sie als tägliche Mindestbewegungszeit für Kinder an. Inzwischen gebe es zu viele Eltern, die das nicht einsehen. Für Jung und Alt sei regelmäßige Bewegung notwendig. Treppen und Spielplätze, die es heute überall gebe, seien da, um sie zu benutzen. »Es ist wichtig, seinen Körper zu spüren.« Sie verwies auf einen Fall in der eigenen Bekanntschaft, wo ein Diabetiker das Radfahren für sich entdeckt habe und inzwischen ohne Medikamente auskomme. Aber auch hier komme es auf das richtige Maß an. Plötzlich zu viel Sport könne einen untrainierten Körper überlasten.

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