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Barcelona gedenkt der Anschläge

Neue Enthüllungen vor dem Jahrestag weisen auf weit größere Terrorpläne hin

  • Von Ralf Streck, San Sebastián
  • Lesedauer: 3 Min.

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Vor dem Jahrestag der Anschläge von radikalen Islamisten vor einem Jahr im katalanischen Barcelona und Cambrils, denen heute gedacht wird, sind neue Details an die Öffentlichkeit gelangt. Geklärt ist nun, dass die jungen Leute aus der Kleinstadt Ripoll keine mörderischen Fahrten mit Lieferwagen und Messerattacken in Touristenhochburgen geplant hatten. Damit hatten sie vor einem Jahr 16 Menschen getötet und 130 verletzt. Eigentlich hatten sie Massaker ungeahnten Ausmaßes mit großen Bomben vor, nicht allein in Spanien, sondern auch in Paris.

Das Kommando entschied sich eilig zum Notfall-Terrorplan, da in der Nacht zuvor ihre Bombenwerkstatt im kleinen Alcanar beim Bombenbau in die Luft geflogen war. Dabei wurden der Terrorchef und Imam von Ripoll Abdelbaki Es Satty und ein Kommandomitglied getötet. Dort hatten sie in einem Haus 120 Gasflaschen gehortet, um sie mit dem selbst hergestellten Acetonperoxid (TATP) zu füllen. Bis zu 500 Kilogramm des beim Islamischen Staat (IS) beliebtesten Sprengstoffs wollten sie herstellen. Er wird vom IS »Mutter des Teufels« genannt. Er reagiert auf Reibung, Erschütterung oder Hitze sehr sensibel.

Ausgespäht hatten die Terroristen neben dem Touristenziel »Sagrada Família« auch das Stadion des FC Barcelona, diverse katalanische Diskotheken und den Eiffelturm in Paris. Geplant waren parallele Blutbäder, wie von den Terroristen aufgenommene Bilder und Handyvideos zeigen. »Mit eurem Geld bereiten wir uns vor, um euch zu töten«, erklären sie. Den »Feinden Allahs« solle gelehrt werden »Blut zu weinen«. Aufnahmen zeigen auch, dass Kommandomitglieder am 13. August 2017 die Umgebung des Eiffelturms »für einen Anschlag« untersuchten.

In den Ermittlungen gibt es indes Ungereimtheiten. So trafen zum Beispiel Sprengstoffexperten in Alcanar erst mit zehnstündiger Verspätung ein. Vor allem gibt aber die Rolle des Terrorchefs Rätsel auf. Schnell wurde bekannt, dass Es Satty Informant des CNI war. Das hatte der Geheimdienst eingeräumt, bestreitet es nun aber wieder. Als der Imam eine Gefängnisstrafe bis 2014 wegen Drogenhandel absaß, erhielt er im Knast aber auch drei Besuche von Beamten der paramilitärischen Guardia Civil. Vermutet wird, dass diese Kontakte zu seiner frühzeitigen Entlassung führten und seine Abschiebung nach Marokko verhinderten, wie es im Urteil bestimmt war.

Aufklärung ist nicht erwünscht. Der von katalanischen Parteien im spanischen Parlament geforderte Untersuchungsausschuss wurde mit den Stimmen der bis Juni regierenden Volkspartei (PP) und der nun regierenden Sozialdemokraten (PSOE) sowie der rechten Ciudadanos (Bürger) verhindert. Zudem hatten die Mossos d’Esquadra (katalanische Polizei) keinen Zugang zu Daten der spanischen Sicherheitskräfte und kannten die Vorstrafe des Imams nicht, was die Ermittlungen auch behinderte.

Die Gedenkfeiern werden vom Konflikt über die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens von Spanien überschattet. So nehmen diverse Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen am offiziellen Gedenken nicht teil, da mit König Felipe auch der spanische Staatschef anwesend ist. Der ist auch Militärchef, zu der auch die Guardia Civil gehört, die in Kontakt mit dem Terrorchef stand. Felipe wird auch vorgeworfen, dass er im vergangenen Herbst mit einer Brandrede den Konflikt zuspitzte, statt die Vermittlerrolle einzunehmen, die ihm die Verfassung zuschreibt.

Die Unabhängigkeitsbewegung will aber nicht gegen den Monarchen protestieren, um das Gedenken an die Opfer nicht zu beeinträchtigen. Sie mobilisiert ihrerseits zur Großkundgebung zum Gefängnis Lledoners, wo unter anderem der ehemalige katalanische Innenminister Joaquim Forn inhaftiert ist, dem die spanische Justiz wegen des Unabhängigkeitsreferendums ebenfalls »Rebellion« vorwirft. Forn war maßgeblich daran beteiligt, dass das Kommando schnell ausgehoben werden konnte. Gedankt wurde es ihm in Madrid nicht.

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