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  • Politik
  • Pressefreiheit in den USA

Solidarität unter Konkurrenten

Über 300 US-Medien beteiligen sich an der Aktion zur Verteidigung der Pressefreiheit

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Sie machte das, was Journalisten »grillen« nennen, nicht locker lassen. Hallie Jackson vom US-Fernsehsender NBC wollte von Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders wissen, ob der US-Präsident wirklich glaube, dass Russland sich nicht in die US-Wahlen eingemischt habe. Sanders antwortete mit einem PR-Trick, den Pressesprecher nutzen, um unangenehmen Fragen auszuweichen. Sie rief die nächste Frage, den nächsten Reporter, auf. Doch der antwortete nur »Hallie, mach einfach weiter«.

Es sind Szenen wie diese, die einen Einblick in den schwierigen Alltag von Journalisten in der Ära Trump bieten und gleichzeitig etwas Neues zeigen: Solidarität unter US-Journalisten angesichts schwieriger Arbeitsbedingungen und ständiger Attacken von US-Präsident Donald Trump gegen die Medien und ihre »Fake News« allgemein und spezielle Sender oder einzelne Journalisten im Besonderen. Als Ende Juli die CNN-Reporterin Kaitlan Collins von einer Veranstaltung des Weißen Hauses ausgeschlossen wurde, protestierte dagegen auch der konservative Sender Fox News.

Die Fälle praktischer Solidarität aber, etwa als Reporter die übergangenen Fragen ihrer Kollegen erneut stellten, sind bisher eher rar gesät. Denn Mitglied des »White House Press Corps« zu sein - der Gruppe von 49 Journalisten, die regelmäßig aus dem Weißen Haus berichten - ist der Höhepunkt einer Journalistenkarriere in den USA. Dementsprechend stark ist die Konkurrenz um Fragezeit und Zugang zu Informationen. Das versucht Pressesprecherin Sanders auszunutzen. Außerdem ruft der Präsident recht unverhohlen indirekt zu Gewalt gegen Journalisten auf. In Zukunft könnte es deswegen mehr Solidarität unter Journalisten geben, zumindest wenn es um die grundlegenden Arbeitsbedingungen geht.

Auch Zeitungen mit anderer politischer Ausrichtung seien aufgerufen sich zu beteiligen, die Pressefreiheit zu verteidigen und die ständigen Attacken Trumps auf die Medien zu verurteilen. Mit diesem Aufruf wandte sich der linksliberale »Boston Globe« in den vergangenen Tagen an Medien in den gesamten Vereinigten Staaten - mit Erfolg. Mehr als 300 beteiligten sich an der Aktion und veröffentlichten Meinungsartikel. Denn die Trump-Rhetorik von der Presse als »Volksfeind« hat reale Folgen.

Seit der Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2017 wurden 46 Journalisten Opfer von Gewalt in den USA. So viele Angriffe auf Reporter oder ihr Equipment wurden durch den »US-Press-Freedom-Tracker« dokumentiert. Der wird von der »Freedom of the Press«-Stiftung in Zusammenarbeit mit Medienorganisationen herausgegeben und war vergangenes Jahr aus Sorge vor steigender Gewalt gegen Journalisten eingerichtet worden.

Laut dem Bericht gibt es die meisten Attacken gegen Reporter sowohl von Demonstranten als auch von Polizisten bei Demonstrationen. »In den USA wandern Journalisten typischerweise nicht ins Gefängnis, aber sie werden physisch attackiert und auch verhaftet«, erklärt der Journalist Peter Sterne, der die Angriffe zählt. Vor allem freie Journalisten sind betroffen. Das politische Klima, aufgewühlt durch den Fake-News-Vorwurf, trage dazu bei, dass aus verbalen Attacken zunehmend auch körperliche würden.

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