Verzweifelte Semesterferien

»Prag« war für die Westlinken weniger einschneidend, als man denken könnte.

  • Von Georg Fülberth
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Der Einmarsch von Truppen der Warschauer Vertragsorganisation in die ČSSR nahm keine Rücksicht auf die westdeutschen Semesterferien. In Wohngemeinschaften und an Stränden fanden verzweifelte Debatten statt. Der politische Liedermacher Franz-Josef Degenhardt klagte, dass »der Sprung voller Wagnis auf eine andere Stufe des Sozialismus nicht stattfinden durfte«, wandte sich aber auch gegen die Krokodilstränen derer, denen zu den Untaten des Westens in dessen eigenen Hinterhöfen wenig einfiel.

Dieses Dilemma war nicht neu. Seit Gründung der Bundesrepublik war deren Linke mehrheitlich antisowjetisch. Sie nannte sich antistalinistisch und wollte doch nicht bürgerlich-antikommunistisch sein.

1968 verurteilte der Bundesvorstand des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) die Intervention der Warschauer-Pakt-Staaten. Schon vorher war es zu einem Konflikt in den eigenen Reihen gekommen. Bei der Eröffnung der 9. Weltfestspiele d...


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