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Bau der Gasleitung Eugal beginnt

Pipeline wird russischen Rohstoff auf 270 Kilometern durch Brandenburg transportieren

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

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Durch Brandenburg wird eine neue Erdgasleitung gebaut, die das Bundesland auf seiner Ostseite von Norden nach Süden durchqueren wird. Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) übergab am Freitag die Baugenehmigung für die Europäische Gasanbindungsleitung - kurz: Eugal. Die Pipeline wird parallel zur bestehenden Erdgasleitung Opal verlegt und soll eine für Mitteleuropa prognostizierte Versorgungslücke schließen.

Auch wenn es bei dem Ziel der Energiewende bleibe, sei Erdgas »auf absehbare Zeit unverzichtbar«, unterstrich Gerber. Die Anbindung von Eugal an die Erdgasleitung Nord Stream 2, durch die russisches Gas nach Deutschland strömt, erklärte Gerber mit den zu erwartenden geringeren Gasliefermengen aus Norwegen und den Niederlanden sowie mit dem weiteren Absinken der einheimischen Gasförderung im norddeutschen Tiefland.

Auf die Frage, ob sich mit Eugal die Abhängigkeit von russischem Gas vertieft und ob das ein Problem sei, sagte Gerber, man habe keine anderen Erfahrungen als die der vertragsgemäßen, stabilen Lieferungen durch Russland. Die Abhängigkeit Deutschlands von Rohstoffimporten sei ohnehin umfassend.

Insgesamt soll Eugal 480 Kilometer lang sein. Im brandenburgischen Radeland soll es eine Verdichterstation geben. Die Pipeline beginnt in Greifswald und wird bis an die sächsisch-tschechische Grenze geführt. Auf 270 Kilometern wird die Leitung durch brandenburgisches Gebiet gelegt. Hier mit dem Bau beauftragt ist die Gascade Gastransport GmbH. Wie deren Geschäftsführer Christoph von dem Busch erklärte, werden Stahlrohre mit einem Gesamtgewicht von 700 000 Tonnen verlegt. Das Projekt koste drei Milliarden Euro und soll in rund drei Jahren fertiggestellt sein. In der Spitzenzeit werden rund 3000 Arbeiter eingesetzt. Wirtschaftsminister Gerber verspricht sich dadurch unter anderem auch eine Belebung für das Beherbergungsgewerbe.

Auch ein polnisches Unternehmen wird am Bau der Gasleitung beteiligt, dies sei aber nicht einer wie auch immer gearteten Beruhigung der polnischen Seite geschuldet, sondern geschehe ausschließlich aus technisch-ökonomischen Erwägungen heraus, beteuerte von dem Busch. Polen sei konsultiert und in die Planungen eingeweiht worden, fügte Gerber hinzu. Polen ärgert sich über Nord Stream, weil es durch diese Erdgasleitung auf einer Ostseeroute umgangen wird.

Geschäftsführer von dem Busch versicherte, dass eine Pipeline nicht nur in eine Richtung betrieben werden könne und Eugal als wichtiger Bestandteil des europäischen Gasverbundnetzes auch der Versorgung von Polen und Tschechien mit Nordseeerdgas dienen könne. »Wenn die Pipeline liegt, wächst wieder Gras darüber«, sagte der Geschäftsführer. Der Widerstand von Anwohnern dagegen sei daher längst nicht so groß, wie er heutzutage beim Bau von Überland-Stromleitungen entstehe.

Dennoch gebe es 60 Einwendungen und Beschwerden gegen Eugal allein in Brandenburg, darunter auch von den Naturschutzorganisationen BUND und NABU, informierte Hans-Georg Thiem, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe. Ihm zufolge liegt die Baugenehmigung in den betroffenen Orten demnächst für zwei Wochen aus. Klagen dagegen würden vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg und - in zweiter Instanz - vor dem Bundesverwaltungsgericht verhandelt. Wenn das überwiegende gesellschaftliche Interesse einem gegenteiligen Privatinteresse entgegensteht, sind Enteignungen möglich. Auch ohne die letzte gerichtliche Entscheidung abzuwarten, sollen die Arbeiten an der Leitung Eugal in Kürze beginnen.

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