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Justin schrubbt Solarmodul

Alexander Gerst steuert irdischen Roboter vom Weltall aus

  • Von Sabine Dobel, Weßling
  • Lesedauer: 3 Min.

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Langsam dreht sich Justin auf seinen Rollen - und dann winkt er erst mal: Den Befehl hat der Roboter im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im oberbayerischen Oberpfaffenhofen bei Weßling von dem Astronauten Alexander Gerst bekommen, der Justin von der Internationalen Raumstation ISS aus steuert.

»Back to work«, sagt Gerst. Er ist schließlich nicht zum Spaß für ein paar Stunden Justins Chef. Gerst probt mit dem Roboter verschiedene Szenarien, so die Wartung von Solarpanelen, die auf rotem Boden vor einer Marstapete am Institut für Robotik und Mechatronik aufgebaut sind.

Der Roboter sei der verlängerte Arm des Astronauten, sagt der Abteilungsleiter für Mechatronische Systeme, Markus Grebenstein. Maschinen sollen Raumfahrern Aufgaben abnehmen, auf langen Missionen wie zum Mars auch medizinisch helfen, Blinddärme operieren zum Beispiel.

In der Chirurgie auf der Erde assistieren Roboter bereits. OPs über weite Strecke wie 2001, als Chirurgen in New York einer Patientin in Straßburg via Roboter die Gallenblase entfernten, sind aber Experten zufolge kein Modell für die Zukunft. Der technische Aufwand sei immens, Verzögerungen bei der Datenübertragung könnten Probleme bringen, sagt Hubertus Feußner, Sprecher der Techniksektion der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie und Konsiliaroberarzt an der Klinik der Technischen Universität München. Die Ärzte hoffen aber auf Roboter, die selbstständig Routineaufgaben erledigen, etwa das Anlegen einer chirurgischen Naht.

Auch in der Pflege gehen erste Roboter an den Start. Das DLR bereitet mit der Caritas ein Projekt in einem Pflegeheim in Garmisch-Partenkirchen vor. Roboter Edan soll Patienten helfen, etwa das Bett aufdecken oder etwas zum Trinken reichen.

Bei Katastrophen können Maschinen gefährliche Aufgaben übernehmen: Drohnen erkunden Unglücksgebiete; aus sicherer Entfernung gesteuerte Roboter können Minen entschärfen oder in Atomkraftwerken Wartungsarbeiten vornehmen.

Ganz einfach ist die Fernsteuerung nicht. Am Anfang kommt Gerst mit Justin nur zentimeterweise voran. Er muss sich erst mit dem Programm vertraut machen. Ob es sein kann, dass die Bilder nicht übereinstimmen, fragt Gerst seine Kollegen am Boden. Tatsächlich hat der Abgleich zwischen Gersts Tablet und der Position von Justin auf der Erde gefehlt.

Justin - so heißen mehrere Roboter-Geschwister: der mit Rädern ist »Rollin Justin«, der auf einem Tisch montierte ist »Table Justin«. Erstmals hatte 2015 der Kosmonaut Sergej Wolkow von der ISS aus einen der Justins aus dem Orbit gesteuert, er ließ ihn Hände schütteln. 2017 navigierte ISS-Raumfahrer Paolo Nespoli den Roboter, danach Scott Tingle. Jedes Mal gab es neue Aufgaben. Und jedes Mal agierte Justin selbstständiger. Inzwischen greift er selbst nach Dingen, die er über die Kamera anvisiert.

Wenn der Astronaut nicht jeden Schritt einzeln vorgeben müsse, könnte er in Zukunft sogar viele Roboter steuern, meinte Gerst. Die Möglichkeiten seien faszinierend - und »ein großer Schritt für die Erforschung des Weltalls«. Avatare, so die Vision der Zukunft, könnten Raumstationen betreiben oder ein Moon Village (Mond-Dorf) aufbauen, wie es dem Generaldirektor der ESA, Jan Wörner, seit langem vorschwebt.

Freilich kann es unvorhergesehene Probleme geben. Als Gerst mit Justins Hilfe eine Satellitenanlage auf dem fiktiven Mars installiert und die Antenne - fürs Experiment eine Salatschüssel - aus dem Raumtransporter holt, raucht eine Steuereinheit. »Darf ich das hinter mich werfen«, fragt Gerst scherzhaft - doch Programmleiter Neal Lii winkt ab: Justin hat schon viel gelernt und würde nicht auf die Menschen werfen, die gespannt das Experiment verfolgen.

Nach zwei Stunden sind Gerst und Justin ein eingespieltes Team, Justin schrubbt flott ein Solarmodul. So eine Hilfe könnte er zuhause für seine Dusche brauchen, scherzt Gerst. Auf normales Duschen muss er bis Dezember verzichten: Bis dahin ist er auf der ISS - in Kürze als Kommandant. dpa/nd

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