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Wenn Wein in falsche Hände gerät

Christoph Ruf über Leipziger Fußballfans und die sächsische Polizei

  • Von Christoph Ruf
  • Lesedauer: 4 Min.

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Es ist in manchen Kreisen zu einem Volkssport geworden, sich über die Arbeit der Polizei lustig zu machen. In Kreisen zumal, in denen man gern länger ausschläft und Überstunden nur vom Hörensagen kennt. Wenn die beiden Stichworte »Polizei« und »Sachsen« fallen, wird kübelweise Hohn und Spott ausgeschüttet, und das unter völliger Missachtung aller Tatsachen. Nun könnte einem das herzlich egal sein, schließlich weiß man, dass derjenige, der am lautesten brüllt, nur selten die besseren Argumente hat.

Mitnichten hinzunehmen ist es aber, wenn die gleichen Menschen, die den Behörden in dem einen Fall Versagen vorwerfen, dann die Polizei kritisieren, wenn die mal etwas genauer hinschaut. Was wurde nicht auf die sächsischen Behörden geschimpft, als die Untaten von Frau Zschäpe und ihren Freunden ans Tageslicht kamen? An ein Tageslicht im Übrigen, das viele der auffällig unauffällig schwarzgekleideten Jungspunde in Leipzig-Connewitz und anderen rechtsfreien Räumen nur vom Hörensagen kennen.

Aber man kann eben nicht einerseits die Polizei kaputtsparen und dann auch noch verlangen, dass sie überall, wo Not am Mann ist, mit Hundertschaften vertreten ist. Konkret: Man kann nicht jedes Fußballspiel - und nur völlig Ahnungslose würden bestreiten, dass jedes Fußballspiel ein Risikospiel ist - mit Mann und Maus, Pferden und Wasserwerfern schützen und dann noch jede schwarz gefärbte Beate mit Hitlerbildchen im Keller beim Kuchenkaufen beschatten. Da müssen halt auch mal Prioritäten gesetzt werden.

Das Gleiche gilt für den Verfassungsschutz, der ja nun wirklich nah dran war an den Uwes, Andrés, Wolles und Beates und - in durchaus guter Absicht - auch dafür gesorgt hat, dass die drei (mehr waren es ja nicht) sich und ihren Freunden sonntags auch mal eine Eierschecke kaufen konnten. Aber seien wir froh, dass diese Geschichte nun restlos aufgeklärt ist, da kann sich der Verfassungsschutz anderen Aufgaben zuwenden: den Fans der BSG Chemie Leipzig zum Beispiel.

Und nur Menschen, die nun wirklich noch nie etwas von der Kunst des Beschattens und Belauschens gehört haben, können sich dann auch wundern, dass über einen einzelnen Fan 18 000 Seiten Gesprächsprotokoll gefertigt werden. Natürlich haben die sogenannten Fans ihre Schenkelklopfer gehabt, als sie ein paar Journalisten darüber berichteten, dort stehe auch, dass sie »Parmesan, Nudeln und eine Flasche Wein« zum Abendessen mitbringen wollen. Doch auch dazu mal - aus fachlicher Sicht - zwei Bemerkungen. Erstens: Wie groß wäre wohl der öffentliche Aufschrei, wenn man nur 17 000 Seiten erstellt hätte und auf Seite 17 123 fällt plötzlich der EINE Satz, so was wie: »Mausi, ich bringe uns dann auch noch ’ne Packung Eis zum Nachtisch mit - und außerdem lehne ich die Bundesrepublik Deutschland total ab.« Richtig, der Aufschrei wäre riesengroß. Und: Seien wir mal nicht so naiv: Für Menschen wie Sie und mich ist eine Flasche Wein eine Flasche Wein. Aber wenn eine Flasche Wein in die falschen Hände gerät - und das tut sie in diesen Kreisen immer - dann ist aus ihr so schnell ein Molotowcocktail gebaut, so schnell können Sie gar nicht gucken! Doch anstatt Staat, Polizei und Justizministerium, wie das früher üblich gewesen wäre, einen kleinen Dankesbrief zu schreiben, wird selbst an der Sprache herumgemäkelt. Verräterisch seien Wendungen wie »negative Elemente der Leipziger Fanszene«, heißt es dann. Ich sage: Sprache muss Sprache bleiben. Und negativ darf nicht plötzlich positiv heißen!

Nächstes Beispiel: Ein Leipziger Fan ist verhört worden, weil er mit Wasserbomben um sich geworfen hat? Man hat nach »Kaufbelegen bzw. Unterlagen zum Kauf bzw. zur Bestellung von Wasserbomben« gesucht? Richtig so. Es ist nur ein kleiner Schritt von der Wasserbombe zur Wasserstoffbombe und dass man in der Studi-Butze keine Materialien zur Bombenherstellung (verharmlosend »Luftballon«) gefunden hat, heißt doch nur eines: Der Mann hat Mitwisser! Die einzige logische Konsequenz kann also nur sein, die Operation auszuweiten. Selbst Greenpeace weist schließlich immer wieder darauf hin, dass die nächsten globalen Kriege um Wasser geführt werden. Sachsen, das angeblich so reaktionäre Land, war also mal wieder an der Spitze des Fortschritts. Sie sehen das anders? Dann können Sie ja bei der nächsten Landtagswahl einfach mal was anderes wählen. Sehen Sie, und jetzt können wir endlich mal gemeinsam herzlich lachen.

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