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Thronfolger

Philipp Lahm soll Turnierchef der Fußball-EM 2024 werden.

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Entscheidung erscheint clever: Philipp Lahm soll die Fußball-Europameisterschaft 2024 als Turnierchef organisieren - vorausgesetzt, Deutschland setzt sich am 27. September gegen den Mitbewerber Türkei durch. Auch dafür soll der 34-Jährige ja schon sorgen, seit acht Monaten als EM-Botschafter.

Vom Lächeln des perfekten Schwiegersohns und dessen Aura des Erfolgs erhofft sich der Deutsche Fußball-Bund nicht nur das nächste Großereignis. Lahms Eigenschaften sind dem angeschlagenen Verband auch kurzfristig dienlich. Sportlich, sportpolitisch und politisch steckt er noch immer tief in der Krise: Das WM-Aus ist ebenso wenig aufgearbeitet wie die Korruptionsvorwürfe um die WM 2006. Erst am Wochenende räumte DFB-Präsident Grindel Fehler im Umgang mit Mesut Özil ein: »Ich hätte mich angesichts der rassistischen Angriffe deutlicher positionieren müssen.«

Da kommt einer wie Lahm ganz recht - ein skandalfreier Musterprofi, der selbst seine Gegner auf dem Platz meist ohne Foul besiegte. Einer, der im Zenit des Erfolgs als Kapitän der Weltmeisterelf 2014 zurückgetreten ist. Einer, der mit Bayern München alles gewonnen hat. Und einer, der sich von seinem in Verruf geratenen Vorgänger Franz Beckenbauer distanziert: »Er hat die WM nach Deutschland gebracht. Aber man muss Grenzen einhalten.«

Aber Vorsicht, Philipp Lahm kann auch anders. Als Michael Ballack die WM 2010 verpasste, revoltierte er in Abwesenheit des Kapitäns. Ebenso indirekt rechnete er 2011 in seiner Autobiografie mit Weggefährten ab. Und Joachim Löw kritisierte er nicht während der WM als TV-Experte, sondern später über soziale Netzwerke.

Wie seine sportliche Karriere, hat Lahm auch seine jetzige gut geplant. Machtbewusst schlug er das Angebot aus, »nur« Sportdirektor beim FC Bayern zu werden. Beim DFB geht mehr: »Es war von Beginn an ein Wunsch, langfristig Verantwortung zu übernehmen.« Die Thronfolge des Kaisers als Turnierchef ist jedoch zeitlich begrenzt. Aber diese Aufgabe würde ihm schon mal einen Platz im DFB-Präsidium sichern. Als Thronfolger? Das wäre wirklich clever.

Münzenbergforum

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