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Traumschiffe schmutzig unterwegs

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Macher im Hamburger Hafen freuen sich über einen Rekord: Mit dem Kreuzfahrtschiff »Meraviglia« der Reederei MSC wurde am neuen dritten Kreuzfahrtterminal Steinwerder kürzlich die 5000er-Passagiermarke geknackt. Zusammen mit den Touristen wurden übrigens mehr als 7000 Koffer verladen. Eigentlich »Normalbetrieb«, gibt sich Sacha Rougier bescheiden. »Das Cruise Center Steinwerder wurde für die größten und modernsten Kreuzfahrtschiffe gebaut«, sagte die Geschäftsführerin des staatlichen Cruise Gate Hamburg (CGH).

Für die vielen Anwohner des innerstädtischen Hafens und die Umwelt entlang der Elbe ist dies hingegen eine eher schlechte Nachricht. Denn auch »die größten und modernsten Kreuzfahrtschiffe« sind schmutzig unterwegs. So erhält die im vergangenen Jahr in Dienst gestellte »Meraviglia« von der Umweltorganisation NABU eine ganz schlechte Note. Das Traumschiff landet mit Rang 16 ganz am Ende ihres am Dienstag in Hamburg vorgestellten jährlichen Rankings.

Das Kreuzfahrtgeschäft boomt indes nicht allein in der Hansestadt. Viele Städte haben die gleichen Probleme, die sich hinter der schillernden Fassade der schwimmenden Mega-Hotels verbergen. Die Schiffe werden - trotz Alternativen - mit dreckigem Schweröl betrieben, so dass schwarze Abgaswolken Hafenstädte und Weltmeere verpesten. Die meisten Reeder entziehen sich weiter ihrer Verantwortung für die maritime Umwelt.

»Es ist ein Skandal, dass immer noch neue Schiffe auf den Markt kommen, die auf Schweröl als Treibstoff ausgelegt sind und keine wirkungsvolle Abgastechnik einsetzen«, beklagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. 75 der 76 untersuchten Schiffe - darunter auch acht der neun Schiffe - die in diesem Jahr erstmals tausende Urlauber an Bord nehmen, halten am dreckigsten aller Kraftstoffe fest. Besonders die Branchengrößen MSC sowie die US-Schwestergesellschaften Celebrity Cruises und Royal Caribbean haben aktuell im Bereich Umweltschutz wenig zu bieten, bemängelte Miller. In allen großen Hafenstädten Europas litten die Menschen daher »massiv« unter hoher Luftschadstoffbelastung durch die Kreuzfahrtindustrie.

Doch es gibt auch Lichtblicke: Die deutschen Anbieter Hapag-Lloyd und TUI setzen bei ihren jüngsten Flottenzugängen Stick- oxidkatalysatoren ein und sind für die Versorgung mit Landstrom im Hafen gerüstet. Doch auf einen Partikelfilter zur Senkung der von Medizinern als besonders gesundheitsschädlich eingeschätzten Rußpartikel verzichten die Reedereien auch für ihre neuen schwimmenden Unterhaltungstempel.

Am besten schneidet noch Aida ab. Die Rostocker Reederei, die zur britisch-amerikanischen Carnival-Gruppe gehört, wird das erste Kreuzfahrtschiff der Welt mit dem vergleichsweise umweltschonenden Flüssiggas (LNG) betreiben. Daher landet der Neubau im NABU-Kreuzfahrtranking auf Platz eins. Die »Aida Nova« soll Ende August auf der Meyer Werft in Papenburg getauft werden.

Von der Politik fordern die Naturschützer endlich eine wirksame Reaktion. So sollen Häfen Alptraumschiffen ab dem Jahr 2020 die Einfahrt verwehren. Die Reeder hätten bis dahin genug Zeit, ihre Schiffe zu modernisieren. Es mangele nicht an Möglichkeiten, so Miller, sondern am Willen politischer Entscheider, die wirtschaftlich erfolgreiche Kreuzfahrtbranche unter Druck zu setzen.

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