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«Und jetzt sitze ich noch immer hier»

Auch nach 40 Jahren im Job übt Yvonne Rother felißig weiter

  • Von Ulrike Ufer
  • Lesedauer: 3 Min.

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«Und jetzt sitze ich noch immer hier»

Wegen Erich Honecker hätte Yvonne Rother beinahe ihren Job geschmissen, gerade mal vier Wochen nachdem sie im Fotolabor von «Neues Deutschland» ihre Arbeit begonnen hatte. Sie erinnert sich, als sei es gestern gewesen: «Es war meine erste Spätschicht. Ab 18 Uhr war ich allein im Labor. Sehr spät brachte ein Fotograf einem Film mit Fotos von Honecker, es blieb nur wenig Zeit, ihn zu entwickeln und Abzüge zu machen. Als ich dem Fotografen die fertigen Bilder zeigte, sah er ›rot‹ und faltete mich verbal zusammen. Honeckers Haare erschienen auf den Fotos so weiß wie die Wand, vor der er stand. Ich war so fertig, dass ich am nächsten Tag zu meinem Chef Horst Bitter ging und ihm mitteilte, dass ich kündigen werde.» Bitter aber sprach ihr Mut zu, ermunterte die junge Frau, weiter zu üben. Am Ende ließ sich Yvonne überreden und blieb. «Und jetzt», lacht sie, «sitze ich immer noch hier und übe weiter.»

Ihre Ausbildung zur Filmkopierfacharbeiterin hatte Yvonne Rother im DEFA-Kopierwerk erhalten, wo sie später im Chemielabor die Flüssigkeiten für die Filmentwicklung kontrollierte. Die Erfüllung war das nicht für Yvonne, sie hatte sich ihre Arbeit anders vorgestellt. So etwa wie das, was ihr Vater - ein begeisterter Hobbyfotograf - tat, wenn er in seinem Labor seine Filme entwickelte und danach von den Negativen Abzüge machte. Nur in größeren Dimensionen eben. Deswegen bewarb sie sich beim «ND» als Fotolaborantin, wo sie im September 1979 die Arbeit aufnahm. Nach dem verkorksten Start flutschte die Arbeit schon bald, sehr zur Freude ihres Chefs, der ihr immer wieder Mut machte, und der ihr vertraute.

Mit dem Einzug von Computern Anfang der 90er Jahre, verschwand das Fotolabor, von nun ab wurden die Fotos digital bearbeitet. «Wir alle waren völlig ahnungslos, fingen wieder bei null an. Eine Schulung für das Bildbearbeitungsprogramm gab es nicht, gelernt wurde während der laufenden Produktion. Arbeiten, die heute völlig normal für Yvonne und ihre Kollegin Marita Kamischke sind, haben sie anfangs fast zur Verzweiflung gebracht. Dennoch: So schön es war, wenn man im Labor stand und zuschauen konnte, wie im Chemikalienbad aus einem weißen Fotopapier das fertige Bild entstand, tauschen möchten sie nicht mehr.

Ein Bild erscheint in ihrem Onlineordner: Die Fotoredaktion hat es ihr gerade zur Bearbeitung geschickt. Yvonne öffnet die Datei, korrigiert Schärfe und Helligkeit, und schon ist sie fertig. »So fix aber geht das nicht immer«, sagt sie. »Einmal sollte ich ein Marineschiff freistellen, also es digital ausschneiden. Das war eine ganz schöne Fummelei. Noch schwieriger war es, zwei Ratten mit ihren dünnen Schnurrhärchen freizustellen. Ich habe geflucht und war sicher, es nie zu schaffen. Und stolz, als es letztlich doch gut gelang.«

Langweilig wird die Arbeit Yvonne nicht. »Du weißt morgens nie, wie viele Bilder zur Bearbeitung kommen und ob vielleicht wieder so etwas wie die Ratten dabei ist.«

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