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Richtig valsch

Abenteuer mit Family 5

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mit der Musik von Family 5 ist es so ähnlich wie mit den Zügen vom »Gleis neundreiviertel« in den Harry-Potter-Büchern: Damit gelangt man zu den Abenteuern, doch das wissen nur Eingeweihte. In den Rowling-Romanen fahren vom »Gleis neundreiviertel« im Londoner Bahnhof King’s Cross nur die Zauberschüler ab, alle anderen Menschen können es gar nicht sehen.

Auch die Musik von Family 5 führt in eine phantastische Parallelwelt, in die des Indie-Punk der alten BRD, in der ihr Frontmann Peter Hein der beste Sänger und Dichter ist - und weil kein anderer Dichter seine Texte so toll singt wie er. »Diese Stimme sagt: Du bist gerettet. Aber nur wenn du immer in Bewegung bleibst«, schrieb Peter Glaser mal in einem Booklet eines Family-5-Samplers.

Vor langer Zeit wäre Peter Hein beinahe auch für andere Menschen als Popstar sichtbar geworden, doch er hatte dazu keine Lust. Er wollte lieber Teil des Musik-Untergrunds bleiben, der zu Beginn der 1980er linksradikal und lustig war, geprägt von einem Humor zwischen Helge Schneiders Eduscho-Studien und der Besserwisserei von Tick, Trick und Track.

1981 verließ Peter Hein die Fehlfarben nach ihrem kanonischen Debütalbum »Monarchie und Alltag« und ihrem einzigen Hit »Es geht voran«. Mit seinem Freund Xao Seffcheque gründete er die Zweitband Family 5. »I don’t care! Kehren tut der Müllmann. Ich doch nicht. Es gibt Sachen, die sind egal. Ich finde mich auch nicht verbittert. Ich finde halt nur alles scheiße«, sagte er später in Jürgen Teipels Interviewbuch »Verschwende deine Jugend«.

Da war er schon längst wieder bei den Fehlfarben, um mit ihnen mehrere Comebacks zu feiern. Aber die waren nicht mehr so wichtig, denn die bessere Musik spielten fast immer Family 5: Soulpunk mit Bläsern, Tempo und Zorn. Heute erscheint ihre neue Platte »Ein richtiges Leben in Flaschen«. Der Titel ironisiert Robert Gernhardt (»Es gibt kein richtiges Leben im valschen«), der wiederum Theodor W. Adorno ironisierte. Neue Frankfurter Schule und alte Frankfurter Schule, auch wenn dieses Album vom Kulturamt der Stadt Köln gefördert wurde, obwohl die Band aus dem dort angeblich verhassten Düsseldorf stammt.

Es gibt Anklänge an Progrock mit Flöte, aber auch Gitarren á la AC/DC. Von Kraftwerk wird »Autobahn« gecovert und von den Beatles das Plattencover von »Sgt. Pepper’s«. Wem das zu veteranenhaft vorkommt, dem raten Hein und Seffcheque, beide über 60: »Stirb jung (…) leb schnell, doch die Gelenke müssen Schonung haben.«

Von 13 Liedern sind drei Hymnen. Mehr werden sie von der neuen Platte auf ihrer Tour ab Oktober eh’ nicht spielen können, denn sie müssen ihre ganzen anderen Hits, die nie welche wurden, bringen. Family-5-Konzerte sind Abenteuer. Findet »Gleis neundreiviertel« und es geht los.

Family 5: »Ein richtiges Leben in Flaschen« (Tapete/Indigo)

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Das Blättchen Heft 20/18