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Oktoberrevolution und Seemannslieder

Die 10. Berliner Tanznacht feiert gleich mehrere Jubiläen und neuartige Musikkonzepte

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Die Berliner Tanznacht wird zum zehnten Mal ausgetragen. Damit feiert die Tanzfabrik, die Gründungsinstitution der freien Tanzszene, ihren 40. Geburtstag. Und das alles ist angedockt an das internationale Festival Tanz im August, das wiederum 30 Jahre alt wird. Es wird einem schier schwindlig inmitten all dieser Festlichkeiten.

Vor allem die Entwicklung der Tanznacht ist bemerkenswert. Als sie im Jahr 2000 das erste Mal stattfand, dauerte sie tatsächlich nur eine einzige Nacht. Diese bestand aus Kurzpräsentationen von Arbeiten Berliner Künstler. Viel zeigen wollte man, wenig kosten sollte es, und das Ganze musste auch noch gut konsumierbar sein. Die Künstler waren eher unzufrieden, das Publikum meist verwirrt. Damals dachte kaum jemand, dass diese Veranstaltung eine feste Einrichtung werden könnte.

Inzwischen ist die Tanznacht eine wichtige Plattform der Berliner Tanzszene. Dieses Jahr besteht sie aus insgesamt 13 Produktionen. Im Jubiläumsjahr legt die künstlerische Leiterin und Tanzdramaturgin Silke Bake verständlicherweise viel Wert auf Rückblicke.

Unter dem Motto »A Piece You Remember to Tell - A Piece You Tell to Remember« (27.8.) erinnern in zwei Blöcken jeweils drei Choreographen an vergangene Produktionen, die sie für wesentlich halten. Das tun sie mit Worten und Bewegungen, die sie in mehreren Runden an andere Künstler weitergeben.

Dies ist durchaus als Service für Neuankömmlinge gedacht. »Es kommen immer neue Menschen in die Stadt, voller Energie, um ihre eigenen Vorstellungen umzusetzen. Sie wissen aber so wenig darüber, was hier früher war, was die Szene prägte und was relevant war«, meint Bake. Deshalb möchte sie Verknüpfungen zwischen früheren und heutigen Arbeitsweisen herstellen. Exemplarisch dafür ist »The H Alf«, die Neubearbeitung eines Kooperationsprojekts zwischen einem Choreographen, einer Choreographin, einem Musiker und einem Lichtdesigner (24. und 25.8.). In dem Projekt sollten schon 2010 neue Formen der künstlerischen Zusammenarbeit und neue Formen von Gemeinschaft herausgebildet werden. Nun wollen die Künstler diesen Prozess noch einmal neu aufnehmen.

Das Gedächtnis-Bewältigungsstück »Untitled 2014« (24.8.) von Xavier Le Roy ist sowohl historische Reminiszenz als auch wichtige künstlerische Position für die Gegenwart. Le Roy ist ein Altstar der Szene. Seine internationale Karriere hatte jedoch die Nebenwirkung, dass ihn in Berlin keine Institution mehr präsentieren konnte oder wollte. Nun ist er zurück.

Für Bake ist die Tanznacht auch eine gute Gelegenheit, bemerkenswerte Arbeiten der letzten Jahre, die nur wenig in der Stadt zu sehen waren, weil sie zu aufwendig waren oder weil Termine kollidierten, wieder in den Fokus zu rücken. Dazu gehört Angela Schubots »The Fire from within« (26.8.), eine Reflexion über Körperbilder und Körperwahrnehmung aus dem Jahre 2015, performt mit Bewegungen und Sprache. Auch Sergiu Matis’ rasante und personalintensive Musical-Produktion »Neverendings« über 100 Jahre Oktoberrevolution (24. und 25.8.) beschäftigt sich mit heroischen und postheroischen Symbolen der Vergangenheit, die in die Gegenwart ausstrahlen.

Matis steht aber zugleich für den zweiten Themenkomplex der Tanznacht: Ungewöhnliche Auseinandersetzungen mit Musik. Dennis Deter lässt in »Blow Boys Blow« einen sechsköpfigen Männerchor zünftige Seemannslieder anstimmen (24. und 25.8.). Und die für ihre strengen Konzepte bekannte Antonia Baehr macht in ihrer Produktion »Röhrentier« aus mehreren Musikern gleich ein ganz neues Klang-Körper-Instrument (26. und 27.8.).

Das ultimative musikalisch-choreographische Ereignis verspricht schließlich das Konzert »Songs for Love and Rage« (26.8.) zu werden. Mehr als drei Dutzend Choreographen, Tänzer und Musiker haben für diesen Abend einzelne Songs entwickelt. Da wird die Tanznacht zur Tanznacht im Wortsinn.

24. bis 27. August, Tanzfabrik, Uferstraße 23, Wedding; Infos unter: www.tanznachtberlin.de

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