Werbung

Simone Weil

Frauengeschichte(n)

  • Von Martin Stolzenau
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Sie erlangte als Philosophin und Sozialrevolutionärin internationale Berühmtheit und wurde von den großen Geistern der Welt bewundert: Simone Adolphine Weil. Straßen wurden nach ihr benannt, Bücher, Rundfunksendungen und Filme über ihr Leben und Werk verfasst. In diesen wird sie als »agnostisch orientierte Gewerkschafterin«, »Grenzgängerin« oder auch als »Rote Jungfrau«, »Extremistin« und »kommunistische Mystikerin« interpretiert.

Geboren am 3. Februar 1909 in Paris in einer begüterten jüdischen Familie hatte sie noch einen drei Jahre älteren Bruder. André Weil gilt als einer der größten Mathematiker des 20. Jahrhunderts. Der Vater war Arzt, die Mutter stammte aus Rostow am Don und war mit ihren Eltern vor den Pogromen in Russland nach Paris geflohen. Die Eltern ermöglichten ihren Kindern eine umfassende Bildung. Tochter Simone soll schon mit vier Jahren des Lesens mächtig gewesen sein und früh einen ungewöhnliche starken Gerechtigkeitssinn entwickelt haben. So soll sie als Kind die teuren Stühle aus der elterlichen Wohnung an Bedürftige verschenkt haben. Sie besuchte eine Elitehochschule und wurde Philosophielehrerin am Mädchengynasium in Le Puy, wo sie mit ihren unge- wöhnlichen Unterrichtsmethoden und gesellschaftskritischen Ansichten behördliche Kritik erntete, Drohbriefe von Eltern erhielt und von der Lokalpresse verleumdet wurde.

Den Sommer und Herbst 1932 verbrachte sie in Berlin, um sich ein eigenes Bild von der faschistischen Gefahr zu machen. Angesichts der Zersplitterung der Nazigegner prognostizierte sie die baldige Machtübernahme Hitlers mit bösen Folgen. Weil kritisierte ebenso vehement den Stalinismus in der Sowjetunion. In Paris verschaffte sie 1933 dem verfolgten Leo Trotzki in der elterlichen Wohnung eine Fluchtunterkunft und führte mit ihm überaus kontroverse Diskussionen. Sie arbeitete in der Folge als ungelernte Fabrikarbeiterin, um den Alltag der unterdrückten Klasse zu erforschen, und veröffentlichte Artikel, in denen sie ihre sozialrevolutionären Ansichten begründete. Während einer Reise durch Spanien und Portugal über die Religiosität der Armen entsetzt, geißelte sie das Christentum als die »Religion der Sklaven«.

1936 kämpfte sie gegen den Franco-Faschismus in Spanien. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs 1940 floh sie gen Süden und emigrierte über den Umweg USA nach England, wo sie sich der Befreiungsfront von Charles de Gaulle anschloss, der sie für »verrückt« hielt, an den Schreibtisch verdammte und mit der Ausarbeitung einer künftigen Verfassung für Frankreich beauftragte. Aber sie ließ sich von keinem Mann »befehlen« und kündigte die Zusammenarbeit.

Ohne jegliche Einkünfte starb die bereits an Magersucht, Tuberkulose und Herzinsuffienz leidende Simone Weil am 24. August 1943 in Ashford. Sie wurde nur 34 Jahre alt.

Martin Stolzenau

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Noch kein Abo?

Jetzt kostenlos testen!

14 Tage das »nd« gratis und unverbindlich als App, digital oder gedruckt.

Kostenlos bestellen